#Moschee  Darum wird die Erfurter Moschee woanders gebaut

Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Mohammad Suleman Malik mit Imam Said Ahmed Arif, der auch die Gemeinden in Berlin und Erfurt betreut.
Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Mohammad Suleman Malik mit Imam Said Ahmed Arif, der auch die Gemeinden in Berlin und Erfurt betreut.

Am Freitag wurde bekannt, dass der erste Moschee-Neubau Thüringens auf einem anderen Gelände in Marbach entstehen soll als geplant. Jetzt hat die Ahmadiyya-Gemeinde die Gründe für die Änderungen erklärt.

Die Aufregung war groß, als am Freitag bekannt wurde, dass eine Bauvoranfrage der Ahmadiyya-Gemeinde für den geplanten Moschee-Neubau in Erfurt positiv ausgefallen ist - jedoch für einen anderen Standort als bisher geplant. Zuletzt hatte es geheißen, das muslimische Gotteshaus solle auf einem Grundstück an der Hannoverschen Straße im Marbacher Gewerbegebiet entstehen. Dort habe es aber Probleme mit den Nachbarn gegeben.

Nachbar stimmte Bauplänen nicht zu

Aufgrund baurechtlicher Bestimmung musste der Eigentümer des Nachbargrundstückes sein Einverständnis zu den Bauplänen geben. Mieter des Areals ist zwar das Technische Hilfswerk, der Eigentümer aber ein junger Mann aus Wuppertal, sagte Mohammad Suleman Malik, der Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, am Montag.

Fotos: Neue Pläne für die Moschee in Erfurt

"Der Eigentümer hat alle Gesprächsangebote abgelehnt und lediglich postalisch erklärt, dass er Beeinträchtigungen für das THW fürchte", so Malik. Dabei war die Gemeinde dem THW entgegengekommen und hatte extra umgeplant, auch die Stadt hatte den Plänen zugestimmt. Gegen das zum Gewerbegebiet gehörende Areal sprach auch, dass es nicht möglich gewesen sei, in der Moschee eine Wohnung für den Imam der Gemeinde zu errichten. "Das ist aber für uns sehr wichtig, da der Imam ja als Ansprechpartner fungiert", erklärt Malik. "So wie ein Pfarrer für eine Kirchengemeinde."

Neues Grundstück in Marbach durch Zufall entdeckt

Aus diesen Gründen sah sich die Gemeinde nach einem neuen Grundstück um und erfuhr im November durch Zufall, dass eine andere Fläche in Marbach wieder verfügbar sei, wie Malik sagt. Das wesentlich größere Gebiet zwischen Schwarzburger und Sankt-Christophorus-Straße sei von Anfang an in der engeren Wahl der Gemeinde gewesen, aber zwischenzeitlich nicht mehr verkäuflich gewesen.

Die Bauvoranfrage für dieses Grundstück, das der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen gehört, wurde nach Angaben der Stadt Erfurt am 1. Dezember positiv beschieden. Noch gilt eine vierwöchige Widerspruchsfrist, anschließend kann ein richtiger Bauantrag eingereicht werden. Die Gemeinde hat das Grundstück nun bis Mitte nächsten Jahres reserviert.

Minarett verkleinert, Baukosten leicht gestiegen

Die baulichen Pläne für die Moschee wurden den neuen Begebenheiten angepasst, aber Veränderungen gibt es im Grunde kaum. Das Minarett, das ein reines Zierminarett ohne Muezin sein soll, wurde so von elf auf acht Meter verkleinert. Geplant sind nach wie vor zwei Gebetsräume für je Männer und Frauen von je 60 Quadratmetern sowie ein größerer Multifunktionsraum.

Umfrage: Sollte die Moschee in Erfurt-Marbach gebaut werden?

Auf dem großen Freifläche vor der Moschee soll ein öffentlicher Begegnungsraum entstehen, auch die Errichtung eines Kinderspielplatzes hält Malik für möglich. Die Baukosten seien durch das Grundstück, das eine Größe von circa 4000 Quadratmetern hat, nur geringfügig gestiegen: Die Gemeinde rechnet nun mit etwa 500.000 Euro, das sind 50.000 Euro mehr als zuvor.

Kritiker bemängeln fehlende Transparenz

Kritik daran, dass der neue Standort lange nicht bekanntgegeben wurde, weist Malik zurück. Eine Bauvoranfrage sei schließlich ein nichtöffentlicher Vorgang. "Wir haben von Anfang an versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen", so der Ahmadiyya-Vertreter. "Wir haben Gesprächsrunden organisiert, tausende Flyer in ganz Thüringen verteilt und jede Woche einen Infostand auf dem Anger gemacht. Wir stehen jedem für ein ruhiges und sachliches Gespräch zur Verfügung."

Er habe das Gefühl, dass das Angebot zum Dialog allerdings leider kaum angenommen werde. Stattdessen werde Malik nach eigenen Angaben stetig beleidigt, bedroht und angegriffen. "Wir wollen aber auch in Zukunft im Dialog mit der Öffentlichkeit stehen."

"Die Marbacher wollen keine Unruhe"

Die Mehrheit der Bevölkerung sei dabei für die Moschee oder habe nichts gegen das Bauwerk, glaubt Mailik. "Die Marbacher wollen keine Unruhe durch die Debatte, die die AfD ihnen aufdrängen will."

Trotz der Anfeindungen beurteilt der Ahmadiyya-Sprecher die Situation jedoch als relativ entspannt. "Wir bekommen viel Zuspruch, vor allem von Verbänden und jungen Menschen", so Malik. Es gehe hier schließlich nicht nur um den Bau einer Moschee, sondern um Religionsfreiheit. "Wenn nächste Woche die vietnamesische Gemeinde kommt und einen buddhistischen Tempel bauen will, habe ich auch nichts dagegen", so Malik. "Jeder soll seine Religion friedlich ausleben dürfen."

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