#Leben  Wie die Bürokratie einen Rollstuhlfahrer aus Erfurt hängen lässt

Der Rollstuhl von Markus Walloschek ist in die Jahre gekommen. Für seinen Weg zur Arbeit braucht er einen neuen.
Der Rollstuhl von Markus Walloschek ist in die Jahre gekommen. Für seinen Weg zur Arbeit braucht er einen neuen.
Foto: Axel Heyder

Markus Walloschek, über den Thüringen24 bereits im August 2016 berichtete, wartet noch immer auf einen Termin beim Sozialgericht. Er ist auf einen neuen Rollstuhl angewiesen.

Im August vergangenen Jahres berichteten wir über Markus Walloschek und seine Probleme, einen neuen Rollstuhl zu bekommen. Sein altes Gefährt von Otto Bock bleibt regelmäßig unvermittelt stehen, kein Wunder nach zwölf Jahren des täglichen Gebrauchs. Ersatzteile gibt es nicht mehr. Noch immer hat der Mann keinen neuen.

Sein Kampf entwickelt sich zu einer schier unendlichen Geschichte. Der letzte Elektro-Rollstuhl überstieg die Nutzungsdauer eines durchschnittlichen Autos. Kein Wunder also, dass der Erfurter für seinen „Neuen“ keine Kompromisse eingehen will und um einen kämpft, mit dem er nicht nur draußen oder nur in der Wohnung unterwegs sein kann.

Tägliche Arbeit wird zum Problem für die Bürokratie

Noch immer wird ihm zum Verhängnis, dass er täglich arbeitet. Ein Grund für seine Krankenkasse, die Kostenübernahme aufgrund fehlender Zuständigkeit abzulehnen. Die KKH schreibt dazu: „ … dass Sie einen Rollstuhl für Ihren Arbeitsweg und zum Straßenbahnfahren benötigen, fällt beides nicht in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung. Daher hatten wir ja auch Ihren Antrag an das zuständige Arbeitsamt, dieses wiederum an die Deutsche Rentenversicherung als zuständigen Kostenträger, wenn Hilfsmittel für die Teilhabe am Arbeitsleben benötigen werden (vgl. § 10 bis 14 SGB IX), weitergeleitet.“ Geholfen ist Walloschek mit dieser Aussage nicht.

Gerichtstermin noch nicht in Sicht

Wer nun tatsächlich finanziell aufkommen muss, damit befasst sich das Sozialgericht. Aber: „Es ist noch nicht einmal so, dass ich auf die Entscheidung des Gerichts warte, sondern auf einen Termin für eine Verhandlung.“ Der sei noch nicht in Sicht. Und die KKH schreibt: „Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir nun leider keine weiteren Möglichkeiten sehen, als die Entscheidung des Sozialgerichts Gotha abzuwarten.“

„Jeder Sturz bringt mich ins Krankenhaus“

Wichtig für seinen Rollstuhl sei ihm vor allem, dass er damit sowohl in Innenräumen, als auf der Straße unterwegs sein kann. „Gerade jetzt im Winter, ist es besonders schwer“, erklärt der Erfurter, der mit der landläufig als Glasknochenkrankheit bezeichneten „Osteogenesis imperfecta“ auf die Welt kam. „Jeder Sturz aus dem Rollstuhl bringt mich unweigerlich ins Krankenhaus.“ Das macht ihm Sorgen, bei jeder Rampe, die er überqueren muss. Zudem sorgen Schneehaufen an den Straßenrändern und vereiste Stellen dafür, dass er einige Umwege in Kauf nehmen muss.

Video: So wackelig ist die Fahrt mit einem Rollstuhl ohne starre Vorderachse

So wackelig ist die Fahrt mit einem Rollstuhl ohne starre Vorderachse

So wackelig ist die Fahrt mit einem Rollstuhl ohne starre Vorderachse

Arbeitsplatz in Gefahr

Die Krankenkasse würde zwar einen Rollstuhl bewilligen. Aber an dem vorgeschlagenen Modell „Invacare Storm 4“ ist laut Markus Walloschek vor allem problematisch, dass es keine starre Vorderachse besitze und nur für geringen Schwellenhöhen geeignet sei. Letzteres mache die Einfahrt über die Niederschwelle der Straßenbahn sehr schwer. Die starre Achse würde garantieren, dass sich die Räder bei Rampen nicht verdrehen. „Der Rollstuhl, den mir die Krankenkasse genehmigen würde, reicht nicht aus, dann kann ich meiner Arbeit nicht mehr nachgehen.“

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Rund um den Anger kann es am Donnerstag zu Behinderungen im Straßenbahnverkehr kommen. (Symbolfoto)
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Foto: Michael Frömmert
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