Traumjob Reisebloggerin? „Pausen sind purer Luxus“

Annemarie Strehl reist schreibend um die Welt. Im September 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Buch: „Mit Chaos im Gepäck“.
Annemarie Strehl reist schreibend um die Welt. Im September 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Buch: „Mit Chaos im Gepäck“.

Annemarie Strehl arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Sie kennt die besten Graffiti-Insider-Hot-Spots von Melbourne, die Top-10-Sehenswürdigkeiten Südafrikas. Sie weiß, wie ein Kuss von einem australischen Wallaby schmeckt (feucht!) und hat einen Geheimtipp für alle, die schon immer mal mit Schneeaffen baden wollten. Die 29-Jährige aus Jena reiste mit 25 Flügen in zwei Jahren um die Welt und machte ihre Leidenschaft zum Beruf: Sie ist Reisebloggerin.

Alles fing an mit ihrem privat gegründeten Blog, der dazu diente, Familie und Freunde über ihre Reisen auf dem Laufenden zu halten. Ihre verrückten Neuseeland-Reisegeschichten zogen bald internationales Interesse auf sich, ihre Reisetipps fanden den Weg in die Huffington Post oder National Geographic.

Seit 2014 betreibt die Jenenserin ihren Blog travelonthebrain.de professionell und hat Leser auf der ganzen Welt. Dort gibt sie Tipps, wie man Neuseeland in vier Wochen bereisen kann, welche Hot Spots man in Hong Kong nicht verpassen sollte oder wie man auch mit kleiner Reisekasse um die Welt fliegen kann. Reporterin Anne-Kristin Henker wollte mehr wissen über das Leben als Reisebloggerin.

Um gleich einmal ein Klischee zu bedienen: Sind Sie so etwas wie eine „bezahlte Urlauberin“? Arbeiten Sie da jeden Tag am Strand?

Beides ist weit entfernt von der Realität meines Bloggeralltags: Versuchen Sie mal am Strand bei gleißender Sonne und mit herumfliegendem Sand an einem Computer zu arbeiten – das ist unmöglich. Zum Urlaub machen komme ich auch selten: Ich bin wie die meisten Blogger selbstständig und muss mir meine Klienten und Aufträge selbst an Land ziehen, Themen recherchieren, Texte aufbereiten, Tipps Schritt für Schritt darstellen. Nebenbei versorge ich die Fans und Leser mit neuen Beiträgen und halte sie auf den sozialen Kanälen auf dem Laufenden – natürlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Was ist und macht eigentlich eine Reisebloggerin?

Als Bloggerin halte ich meine persönlichen Erfahrungen ehrlich und offen in einer Art Onlinetagebuch oder -magazin fest, das kann in Textform auf Blogs, in Bildbeiträgen auf tumblr oder auch als Video auf Youtube geschehen. Ich bediene mehrere Kanäle gleichzeitig und passe die Inhalte auf die jeweilige Plattform an. Um Lesern mehr Inhalte liefern zu können, arbeiten Blogger mit Unternehmen und Marken zusammen, die etwa Reisen finanziell unterstützen oder deren Produkte von Bloggern getestet und bewertet werden.

„Ich höre viele Vorurteile und Träumereien, sobald ich mich als Blogger vorstelle“

Wie sieht so ein typischer Tag als Reisebloggerin on tour aus?

So etwas wie Alltag gibt es kaum, es kommt immer darauf an, wie viele Tage Aufenthalt man hat, wie vollgestopft das Pensum ist und welche Termine anstehen. Ich verbringe meinen Morgen meist mit kurzen Schreibarbeiten und gehe danach auf Erkundungstour. Nach Sonnenuntergang komme ich zurück zu meiner Unterkunft, sortiere meine bis zu 1000 geschossenen Fotos des Tages und bearbeite die besten in den jeweiligen Formaten für Blog und Kanäle. Ich notiere meine Erlebnisse, versende und plane meine Statusbeiträge, beantworte und schreibe Emails, recherchiere potenzielle Kampagnen und kommende Reisen. Dann ist es meistens auch schon nach Mitternacht.

Wieviele Monate im Jahr sind Sie unterwegs?

Das ändert sich von Jahr zu Jahr. Ich würde sagen 50 bis 80 Prozent, wenn man eine längere Bleibe im Ausland mitzählt.

Bildergalerie: Annemarie Strehl reist schreibend um die Welt

Wie würden Sie Ihren Reisestil beschreiben?

Mein Reisestil hat sich stark gewandelt. Früher war ich ein Intensiv-Tourist, hatte jede Stunde vollkommen durchgeplant. Ich wollte das meiste aus meinen kurzen Aufenthalten herausholen und ungern einen Ort zwei Mal besuchen. Die Welt ist zu klein. Je länger ich reiste, desto mehr achtete ich akribisch auf mein Budget und versuchte mich als Backpacker. Ich lebte regelrecht in Hostels und aus einem 23 Kilogramm schweren Rucksack. Das ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Inzwischen habe ich mich als „Flashpacker“ eingependelt: Ich achte immer noch auf mein Budget, gönne mir aber öfter ein paar Kleinigkeiten wie ausgedehnte Ruhetage, Restaurantbesuche und ein privates Zimmer. Reisen ist anstrengend, da sind Pausen und Normalität purer Luxus.

Welche Länder wollen Sie unbedingt noch besuchen?

Die Liste wächst, umso mehr ich reise. Derzeit reizt mich besonders Hawaii, Island, Grünland und Südostasien.

„Auf Reisen mache ich zwischen 200 und 1000 Fotos – am Tag“

Was sind Ihre Pläne für die kommenden Wochen und Monate?

Im März geht es zur Lichtbildarena nach Jena, wo ich einen Kurzvortrag halte, anschließend zur die ITB und dann nach Sofia, wo ich meine Basis aufschlage und von dort aus Osteuropa erkunden möchte.

Reisetrends 2017 – ein Insidertipp von Ihnen?

In diesem Jahr wird wohl die Bekanntheit von Bali und Indonesien allgemein wachsen. Kanada ist eine gute Idee, denn dieses Jahr feiern die Nationalparks ihren 150. Geburtstag und der Eintritt ist kostenlos. Da sich Myanmar im letzten Jahr geöffnet hat, werden richtige Besucherströme erwartet. Außerdem ist Kuba ein gutes Ziel, da es sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich aufgrund des wachsenden Tourismus stark verändern wird.

Porträt: Annemarie Strehl

Seit sie als Vierjährige zum ersten Mal mit ihrer Familie nach Dänemark reiste, ist Annemarie Strehl mit dem Fernwehvirus infiziert. Mit zwei Studienabschlüssen in der Tasche (Magister in Anglistik/Amerikanistik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Bachelor in International Business Communication) reist die mittlerweile 29-jährige um die Welt, um spannende Orte, exotische Länder, angesagte Plätze und versteckte Fleckchen zu entdecken.

  • „Mit Chaos im Gepäck“ und „Chaos packed to the ends of the earth“ – Annemarie Strehls Erlebnisse als Taschenbuch, erschienen 2016. Ihr drittes Buch über ihre Japanreise erscheint in diesem Monat (Februar 2017).
  • Annemarie Strehl ist am 5. März 2017 mit einem Kurzvortrag in der Lichtbildarena Jena zu erleben.
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