#Bildung  Wettbewerb: Thüringens Unis wollen zur Elite gehören

Thüringens Universitäten gehen mit fünf Projekten ins Rennen um den neuen bundesweiten Exzellenzwettbewerb.
Thüringens Universitäten gehen mit fünf Projekten ins Rennen um den neuen bundesweiten Exzellenzwettbewerb.
Foto: Arno Burgi/dpa
Beim bundesweiten Exzellenzwettbewerb sind Thüringens Hochschulen in der Vergangenheit weitgehend leer ausgegangen. Allein die Universität Jena erhielt Millionen-Förderung für eine Graduiertenschule. Nun hoffen die Universitäten auf einen Zuschlag in der neuen Runde.

Thüringens Universitäten gehen mit fünf Projekten ins Rennen um den neuen bundesweiten Exzellenzwettbewerb. Die Bauhaus-Universität in Weimar und die Technische Universität Ilmenau schlagen jeweils ein sogenanntes Exzellenzcluster vor, die Universität Jena bewirbt sich mit drei Antragsskizzen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die Abgabefrist endet Anfang April. Wer sich in dem Wettbewerb durchsetzt, dem winkt eine üppige Millionenförderung von Bund und Land. Entsprechend groß ist die Konkurrenz. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft rechnet mit rund 200 Einreichungen. Ende September fällt dann nach Prüfung die Entscheidung, welche Anträge weiter verfolgt werden.

Drei Anträge von Uni Jena

Angesichts des harten Wettbewerbs hüllt sich Thüringens größte Hochschule, die Universität Jena, zu Details ihrer Projekte in Schweigen. Lediglich die Zahl von drei Anträgen, darf Sprecher Axel Burchardt preisgeben. In Weimar ist man da offener. „Wir müssen für einen solchen Antrag bestehende Exzellenz nachweisen“, erklärte der Rektor der Bauhaus-Universität, Karl Beucke. Da im Bereich digitales Ingenieurwesen mit enormer Konkurrenz zu rechnen sei, wolle die Bauhaus-Universität im Elite-Wettbewerb mit kulturwissenschaftlicher Medienforschung punkten. Hierzu verwies Beucke auf das Internationale Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie IKKM als Alleinstellungsmerkmal.

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Keine Anträge von Erfurter Universität

Die Erfurter Universität will keine eigenen Anträge ins Rennen schicken. Allerdings seien einzelne Wissenschaftler als Partner an Anträgen anderer Hochschulen beteiligt - etwa zusammen mit der Universität Leipzig, hieß es. Dagegen hofft der Rektor der TU Ilmenau, Peter Scharff, ein Exzellenzcluster unter dem Titel „Engineering of Collaborative Sensing Systems“ in Südthüringen etablieren zu können. Dabei gehe es um das komplexe Feld mobiler Kommunikation und Kooperation nicht nur zwischen Menschen, sondern auch Dingen wie Maschinen und Fahrzeugen, erläuterte Scharff.

Thüringens Hochschulen bisher leer ausgegangen

Im früheren Elite-Wettbewerb waren Thüringens Hochschulen weitgehend leer ausgegangen. So war die Jenaer Universität mit ihren Ambitionen gescheitert, mit dem Konzept „Light-Life-Liberty“ (zu deutsch: Licht-Leben-Freiheit) zur Elite-Uni aufzusteigen. Immerhin konnte sie aber als einzige Thüringer Universität in den vergangenen Jahren eine Millionenförderung für ihre Graduiertenschule für Mikrobielle Kommunikation einstreichen. Dort forschen Doktoranden zur Kommunikation von Mikroorganismen.

Tiefensee warnt vor zu hohen Erwartungen

Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte nun, zu hohe Erwartungen an die Erfolgsaussichten der neuen Thüringer Anträge zu knüpfen. „Das ist ein harter Wettbewerb, bei dem 40 bis 50 Cluster ausgewählt werden.“ Der Großteil davon werde auf die Elite-Unis entfallen. Nach seiner Ansicht waren die ostdeutschen Universitäten im bisherigen Exzellenzwettbewerb benachteiligt. Denn nach 40 Jahren DDR habe der Aufbau neuer Wissenschaftsstrukturen und die Profilierung der Hochschulen Zeit gebraucht, erläuterte Tiefensee.

Geänderte Rahmenbedingungen des Wettbewerbs

Allerdings seien die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs geändert worden, so dass nun auch ostdeutsche Hochschulen besser zum Zuge kommen könnten. Den Traum von einer Thüringer Elite-Uni hat die Landesregierung allerdings vorerst ad acta gelegt. Tiefensee: „Das ist nicht unser Spielfeld.“ Zugleich will das Land auch künftig die hiesigen Hochschulen mit einem eigenen Exzellenzprogramm fördern. Das Volumen sei abhängig vom Abschneiden beim Bundesprogramm, weil die dort erfolgreichen Projekte vom Land kofinanziert werden müssen. Das aktuelle Landesprogramm läuft bis 2019.

Thüringer Unis arbeiten an Profilierung

Seit dem letzten Exzellenzwettbewerb hätten die Universitäten im Freistaat weiter an ihrer Profilierung gearbeitet, betonte Scharff, der auch Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz ist. So habe die TU Ilmenau etwa ihre internationalen Aktivitäten ausgebaut und deutlich mehr Drittmittel eingeworben. Scharff warnte aber davor, zu sehr auf den Exzellenzwettbewerb zu schielen. Um etwa den Zuschlag für ein Exzellenzcluster zu erhalten, müssten die Hochschulen verstärkt ihre Mittel in dieses Forschungsfeld schleusen. Die fehlten dann unter Umständen in anderen Fächern.

Konkurrenz gut für Hochschullandschaft

Außerdem habe der Wettbewerb eine „systemverändernde Wirkung“ für die Hochschullandschaft, erläuterte Scharff. Konkurrenz sei gut, bisher habe sich das deutsche Hochschulwesen aber durch Leistungsfähigkeit in der Breite ausgezeichnet. Nun würden verstärkt einzelne Hochschulen und Forschungsbereiche gefördert, andere fielen hinten runter. Er sehe die Gefahr einer wachsenden Spaltung in Forschungs- und Lehruniversitäten. „Wir brauchen aber keine zusätzlichen Max-Planck-Institute“, resümierte Scharff mit Blick auf die vorhandene außeruniversitäre Forschungslandschaft. Vielmehr müsse der breite Auftrag der Hochschulen von Forschung, Lehre, Weiterbildung und Transfer von Wissen in die Gesellschaft forciert werden. Dazu brauche es eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen.

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