#Blaulicht  Pfefferspray-Einsatz in Sonneberg hat Nachspiel - Polizei ermittelt

Warum die Beamten die Demonstranten nicht einfach von der Straße trugen, ist nicht klar.
Warum die Beamten die Demonstranten nicht einfach von der Straße trugen, ist nicht klar.
Foto: Lionel C. Bendtner
  • Polizei ermittelt nach Pfefferspray-Einsatz durch Thüringer Polizisten gegen Sitzblockade in Sonneberg
  • Landtagsabgeordneter Steffen Dittes (Linke) fordert Erklärung vom Thüringer Innenministerium

Der Pfefferspray-Einsatz am Freitag im südthüringischen Sonneberg gegen eine Sitzblockade junger Menschen hat für die Polizeibeamten möglicherweise Konsequenzen. Kurz nach 19 Uhr wollten sie eine Sitzblockade, die aus gerade mal etwa 15 Demonstranten bestand, von der Straße räumen (Thüringen24 berichtete). Die jungen Menschen saßen auf der Straße, um den Aufzug der rechtsextremen Gruppe "Thügida" zu blockieren. Warum die Beamten zum Pfefferspray griffen, anstatt die wenigen Leute von der Straße zu tragen, ist nicht klar.

Fotos: Alle Bilder vom Pfefferspray-Einsatz in Sonneberg

Gegenüber Thüringen24 sagte ein Beamter der Thüringer Landeseinsatzzentrale in Erfurt, dass die zuständige Landespolizeiinspektion in Saalfeld bereits seit Freitag von dem Vorfall weiß. Betroffene hätten Anzeige gegen die Pfefferspray-Sprüher erstattet. Nun werde eine unabhängige Ermittlungsbehörde der Polizei gegen die Kollegen ermitteln. Warum die Polizisten so massiv vorgingen, wollte der Sprecher der Landeseinsatzzentrale mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Aus Polizeikreisen heißt es aber, dass der Pfefferspray-Einsatz für die Kollegen wohl Konsequenzen nach sich ziehen werde.

Politisches Nachspiel von Pfefferspray-Einsatz in Sonneberg?

Doch nicht nur bei der Polizei wird der Einsatz ein Nachspiel haben, sondern ebenso in der Thüringer Politik. Der Landtagsabgeordnete Steffen Dittes (Linke) fordert vom Thüringer Innenministerium eine Erklärung zu dem Einsatz.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat zu dem Vorfall in Sonneberg bereits auf Twitter Stellung genommen. Nutzer hatten ihn dort gefragt, ob der Einsatz von Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten linke Innenpolitik sei. Warum der Einsatz so ablief, sei nachzugehen. Ramelow warnt aber auch, sich nur auf die Fotos zu verlassen. Diese würden noch keine abschließende Bewertung zulassen. "Ich werde mir Bericht erstatten lassen", versichert der Ministerpräsident.

Was ist in Sonneberg passiert?

Der Vorfall im südthüringischen Sonneberg ereignete sich gegen kurz nach 19 Uhr in der Coburger Allee. Die Gegendemonstranten blieben nach dem Pfefferspray-Einsatz zum großen Teil sitzen, wurden dann aber von der Straße gezogen und teilweise wohl auch geschlagen. Laut dem freien Fotografen, der Thüringen24 die Bilder lieferte, gab es vor dem Einsatz des gefährlichen Reizstoffes keinerlei Aufforderungen zum Verlassen der Straße.

Der Thügida-Aufmarsch musste aufgrund der Sitzblockade etwa zehn Minuten stehen bleiben und hatte bis dahin etwa die Hälfte seiner Aufzugsstrecke absolviert. Ein Beamter der örtlichen Polizeidienststelle sagte am Samstag gegenüber Thüringen24, dass er von seinen Kollegen mitgeteilt bekam, dass die Demonstrationen friedlich verliefen. An dem Aufzug von "Thügida" nahmen etwa 70 Personen teil. Laut der Mobilen Beratungsstelle in Thüringen (Mobit) beteiligten sich rund 150 Menschen an den Protesten gegen Demonstrationszug der Rechtsextremen.

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