Randalierende Fußballfans: Haben Bahn und Polizei eine schwarze Liste?

Ein von randalierenden Fußballfans verwüstetes Zugabteil in einem Regionalzug. (Symbolfoto)
Ein von randalierenden Fußballfans verwüstetes Zugabteil in einem Regionalzug. (Symbolfoto)
Foto: Imago/localpic
  • Deutsche Bahn will konsequenter gegen randalierende Fußballfans vorgehen
  • Bundespolizei registriert 2016 in Zügen durch Thüringen 26 Straftaten von Krawall-Fans
  • Polizei und Bahn fürchten Rangliste der berüchtigsten Fußballvereine

Die Deutsche Bahn will konsequenter gegen randalierende Fußballfans vorgehen, zum Beispiel durch häufiger ausgesprochene Beförderungsverbote. Zugpersonal werde durch stark betrunkene Fans angegriffen, mitunter auch schwer verletzt, hieß es kürzlich vom DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke in einem Medienbericht. Rund ein Prozent der reisenden Fans stuft die Bahn als gewaltbereit ein. Jährlich entstünden durch sie Schäden in Millionenhöhe.

Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Körperverletzungen

Bundesweit sind an jedem Fußball-Wochenende etwa 100.000 Fans in Zügen unterwegs, auch in Thüringen kommt es zu Zwischenfällen. Auf Thüringen24-Anfrage informiert die Bundespolizei, dass es im Jahr 2016 in Zügen durch den Freistaat insgesamt zu 26 Straftaten gekommen ist. Die Zahl der Täter werde hingegen nicht erfasst, es können also einzelne Fans oder aber gleich ganze Gruppen verantwortlich sein. Bei den Vorkommnissen im Vorjahr "handelte es sich größtenteils um Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Körperverletzungen und Widerstände gegen Polizeibeamte", so eine Sprecherin der Bundespolizei in Pirna.

Nicht alle erfassten Krawall-Fans aus Thüringen

Zwei Drittel der aufgezählten Straftaten in Thüringen wurden von Anhängern hiesiger Fußballvereine begangen. Das restliche Drittel gehe auf Fußballfans zurück, deren Mannschaften im Freistaat ein Gastspiel hatten, sowie Fans, die von einem Spiel in einem anderen Bundesland auf der Heimreise mit dem Zug durch Thüringen fuhren.

Polizei und Bahn wollen Vereinszugehörigkeit nicht preisgeben

Welchen Vereinen die Krawall-Fans zugeordnet werden können, darüber wollte die Sicherheitsbehörde keine Angaben machen. Es solle keine "Rangfolge" entstehen, durch die möglicherweise weitere Straftaten provoziert werden, heißt es von der Bundespolizei.

Die Deutsche Bahn fürchtet ähnliche Konsequenzen. Holger Bajohra, Sprecher für Sicherheit bei der DB, sagt auf TH24-Anfrage, dass man Sachschäden und Beförderungsausschlüsse weder nach Vereinen noch Regionen differenzieren wolle: "Was dieses Thema nicht braucht, ist ein Ranking von Fangruppen oder Vereinen", so Bajohra.

Zug durch Thüringen musste gestoppt werden

Für den jüngsten Vorfall sorgten etwa 75 Anhänger des MSV Duisburg. Diese waren am Ostersamstag auf dem Weg zur Partie gegen den HFC nach Halle. Da sie die Abteile eines Zuges erhebliche beschädigten und verschmutzten, musste ein Zug auf dem Weg von Leinefelde nach Halle durch die Bundespolizei gestoppt werden.

Fan-Gewalt: Präventionsarbeit und Konsequenzen

Im Jahr 2016 habe die DB bundesweit 70 Fußball-Fans aus den Zügen ausgeschlossen. Beförderungsverbote werden laut eigenen Angaben von der Bundespolizei beantragt und von den Verkehrsunternehmen vollstreckt.

"Ein wichtiger Teil zur Prävention im Fußball-Reiseverkehr ist der Einsatz der sogenannten Fankundigen Beamten (FKB)", erklärt eine Sprecherin der Bundespolizei abschließend. Die FKB kümmern sich um die Fans, die per Bahn anreisen oder zu Auswärtsspielen unterwegs sind und übernehmen die Koordination sowie Deeskalation. Für Thüringen sind sie der Bundespolizei in Erfurt zugeordnet.

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Den Raub in Suhl hat es nicht gegeben, Mitarbeiter griffen selbst in die Kasse. (Symbolfoto)
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