Kommentar: AKK gewinnt – aber der wahre Sieger ist ein anderer

Jens Spahn hielt eine gefeierte Rede auf dem CDU-Parteitag.
Jens Spahn hielt eine gefeierte Rede auf dem CDU-Parteitag.
Foto: dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer (56) ist die neue Vorsitzende der CDU. Doch der heimliche Sieger heißt Jens Spahn (38). Und damit hatte kaum jemand gerechnet.

Jens Spahns Kandidatur wurde in den letzten Wochen oft belächelt. Er galt als Junior aus dem Münsterland, der auch noch irgendwie in der großen Parteipolitik mitmischen will. Dabei war er der interessanteste Kandidat. Einer, der für konservative Werte steht, aber auch für Verjüngung und Aufbruch. Für Attacke UND Tradition.

Jens Spahn spricht jüngere Wähler an - endlich

Wie sollen sich unter 40-Jährige mit dem Millionär Merz und seiner Bierdeckel-Philosophie identifizieren? Oder mit AKK und ihrem Image als saarländische Landesmutter? Das wirkt alles so 90er.

Auf dem Parteitag hat Jens Spahn alle mit der lässigsten Rede überrascht. Es gab sogar Lacher! Und er sprach hauptsächlich über die Zukunft. Darüber, dass die CDU nicht nur die 75-Jährigen ansprechen müsse, sondern auch Menschen unter 45.

Und er hat recht damit. Es gibt genug Weißhaarige in der Politik, genügend Rentner, die über den Kurs dieses Landes bestimmen. Deshalb gehört Jens Spahn die Zukunft in der CDU. Er hat sich als ehrgeizig und strategisch klug repräsentiert. Jetzt kann er im Ministeramt Punkte sammeln und in aller Ruhe auf seine Chance warten. Denn er ist noch jung.

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Jens Spahn steht bereit, falls AKK scheitert

Und vielleicht könnte alles schneller gehen, als gedacht: Denn AKK hat nur mit geringem Vorsprung in der Stichwahl gewonnen (HIER alle Informationen zur Wahl ›). Das konservative Lager hat durch Jens Spahn und Friedrich Merz Auftrieb bekommen. Jens Spahn steht bereit und hat sich jetzt sogar fürs CDU-Präsidium beworben - während Friedrich Merz (63) die nächste Klatsche aus dem Merkel-Lager einstecken musste. 2002 hatte Merkel ihn vom Fraktionsvorsitz verdrängt, Merz führte danach 16 Jahre lang ein politisches Schattendasein.

Jetzt sollte er plötzlich für Aufbruch stehen, dabei ist er ein Mann von gestern. Er hat nie eine Wahl als Spitzenkandidat gewonnen und konnte das erzkonservative Klassenstreber-Image in den letzten Wochen nicht abschütteln. Die Botschaft der Delegierten: Die CDU hat sich verändert in den Merkel-Jahren, sie ist offener und liberaler geworden. Das lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Zum Glück.

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