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#Tiere Maikätzchen: Warum ihr Start ins Leben so schwierig ist

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Diese zwei Katzenwelpen sind keine Maikätzchen, sondern wurden im April geboren. Foto: Axel Heyder

Das Tierheim Erfurt rechnet mit einem Ansturm kleiner Maikätzchen. Während die Mini-Katzen anfangs schnell vermittelt werden, warten andere Tiere schon länger auf eine neue Bleibe. Thüringen24 hat Tierheimleiter Dr. Matthias Harnisch besucht und gefragt, wie er die Maikätzchen-Phase erlebt und wie man das Tierheim unterstützen kann, ohne dass der eigene Haushalt aus den Nähten platzt.

Frühjahrskätzchen im Tierheim erwartet

Ein ganzes Bündel an Maikätzchen erwartet Dr. Matthias Harnisch, Leiter und Tierarzt des Erfurter Tierheims in den kommenden Wochen. Bis zu 100 Katzen sind dann auf der Suche nach einem neuen Zuhause. „Viele Katzen werden ausgesetzt oder die Mutter wurde überfahren“, vermutet Harnisch. Es kommt auch vor, dass jemand auf seinem Grundstück einen ungebetenen Wurf entdeckt, den die Katzenmutter in einem Schlupfwinkel versteckt hatte. Oder, die Besitzer wurden schlicht von dem tierischen Nachwuchs überrascht. So landen die Neugeborenen meist im Tierheim.

Harnisch sieht die Abgabe der Jungtiere aber kritisch. Sollen die ungewollten Katzenbabys auf dem Grundstück bleiben oder ins Tierheim kommen? „Eigentlich wäre es gut, wenn sie noch Muttermilch bekämen“, sagt Harnisch. Manche Leute seien sehr unvernünftig und „wollen sie schnell entsorgen“. Harnisch versucht sie dann zu überzeugen, den Katzennachwuchs erst einmal am Nistplatz zu lassen, damit die Mutter noch säugen kann: „Bis sie acht Wochen alt sind – so steht es im Tierschutzgesetz.“ Erst dann können sie vermittelt werden.

Auch trächtige Katzen, die noch am selben Tag werfen oder säugende Mütter werden abgebeben. Katzen haben im Vergleich zu anderen Tieren die größten Chancen auf eine Vermittlung. „Nur wenn die Nachfrage an kleinen Katzen gesättigt ist, dann stapeln sie sich hier. Wir hoffen, dass wir sie dann Ende des Jahres alle vermittelt haben“.

Das Tierheim Erfurt glänzt mit einer durchschnittlich sehr kurzen Verweildauer der Tiere, aber unter den Findlingen gibt es auch einige „Langzeitinsassen“, wie Harnisch sie nennt. Exoten wie derzeit die Schlangen oder Bartagamen finden nicht ganz so leicht ein neues Zuhause wie ein kulleräugiges Katzenbaby. Am meisten betrifft die Vermittlungsmisere aber Hunde. „Wir hatten mal einen Hund, der erst nach acht Jahren vermittelt werden konnte“, erzählt Harnisch. „Der kam mit einem Jahr hier rein und mit neun haben wir ihn abgegeben.“ Der Tierheimleiter ist dennoch stolz auf die überfällige Adoption, denn „manche feiern auch viele Geburtstage hier bis zu ihrem Todestag“.

Adoptieren aus Barmherzigkeit

Solche Schicksale berühren auch die Tierheim-Profis. „Dass sie nicht jedes Tier selbst mit nach Hause nehmen, liegt daran, dass entweder der eigene Haushalt schon voll ist oder sie doch noch einsichtig werden“, scherzt Harnisch. Denn immerhin hat das Tierheim vergangenes Jahr insgesamt 1300 Tiere vermittelt. „Aber es gibt schon Tierpfleger oder auch Hilfskräfte, die sich in ein Tier verlieben und es dann in den eigenen Haushalt aufnehmen“, gibt Harnisch zu. Meistens sei eine barmherzige Intervention aber gar nicht nötig: „Die Tiere, die vom Charakter her in Ordnung sind, die sind ruckzuck weg. Egal, ob die ein bisschen älter sind oder nicht. Das spielt meistens gar keine Rolle.“ Der Gesundheitszustand dagegen fällt stärker ins Gewicht. „Aber auch solche Tiere werden adoptiert, damit sie einen schönen Lebensabend verbringen dürfen. „Die Leute pflegen die alten, gebrechlichen Tiere bis zuletzt und dann kommen sie wieder und holen das nächste.“

Unterstützung ist gut, Benefit ist besser

Die Adoption eines Tieres ist längst nicht das Einzige, womit Tierliebhaber sich für das Wohl der kleinen Lebewesen einsetzen können. Ehrenamtliche Arbeit und Spenden sind das A und O für ein gut funktionierendes Tierheim. Nur an Gassigängern mangelt es dem Erfurter Tierheim nicht. „Wir haben gar nicht so viele Hunde, um die Nachfrage an einem sonnigen Sonntagnachmittag zu befriedigen“, sagt Matthias Harnisch. Sinnvoll einbringen könne man sich am besten durch Geldspenden. Zwar seien Spendenaktionen wie die Futterboxen in Supermärkten ganz lukrativ, „doch wenn die Leute uns einfach zehn Euro direkt überweisen würden, könnten wir mehr damit anfangen und das Geld zielgenau verwenden.“ Der Tierheimverein Erfurt e.V. ist berechtigt, Spenden entgegen zu nehmen und diese direkt im Tierheim einzusetzen.

Aktuell befinden sich etwa 150 Tiere im Tierheim. Bald werden es durch die Neuzugänge allein 50 bis 100 Katzen sein. Außer den Katzen beherbergt das Tierheim zurzeit bis zu 30 Hunde, 20 Meerschweinchen und Kaninchen, eine große Anzahl an Wellensittichen und anderen Vögeln, sowie fünf Schlangen, ein Bartagame und andere Exoten.

Hinweis: Es kann nicht dafür garantiert werden, dass die abgebildeten Tiere noch vermittelbar sind. Auf der Website des Tierheimvereins und auf Facebook findet ihr die aktuellen Tierheimbewohner. Oder schaut am besten selbst vorbei, zum Beispiel am Sommerfest, 2. Juli, im Tierheim am Lutherstein.