Pfiffe für Ahmadiyya-Pläne in Erfurt

Pfiffe und Buh-Rufe: Die Informationsveranstaltung der Ahmadiyya-Gemeinde zum Neubau einer Moschee in Erfurt-Marbach hat am Sonntag in hitziger Atmosphäre stattgefunden. Wegen des riesigen Andrangs war die Sporthalle in der Bodenfeldallee bis auf den letzten Platz gefüllt, zahlreiche Bürger verfolgten die Veranstaltung im Stehen. Die islamische Gemeinde stellte gemeinsam mit Vertretern der Stadt, darunter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD), ihre Pläne für das Gotteshaus mit Kuppel und elf Meter hohem Minarett vor. Bausewein verwies darauf, dass sich der Bauantrag noch immer in der Prüfung befindet.

Im Anschluss hatten die Gäste die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Neben einigen Befürwortern, meldeten sich viele Kritiker zu Wort. Sie brachten ihre Bedenken zum Ausdruck – mit Pfiffen und lauten Rufen auch ihre Ablehnung. In der ohnehin durch die Sonne warmen Sporthalle heizte sich so die Stimmung weiter auf.

Bausewein gegen Volksentscheid

Fragen gab es aus dem Publikum vor allem zum Islam, dessen gemäßigte Auslegung der Ahmadiyya-Gemeinde einige Anwesende scheinbar anzweifelten. Auch die Frage nach einem Volksentscheid über den Moschee-Bau kam immer wieder auf, wurde von Bausewein aber zurückgewiesen. Denn ein Volksentscheid über die Ausübung eines Grundrechts – in dem Fall die Religionsfreiheit – sei generell nicht möglich.

Die Frage, ob es mehr als einen Bauantrag der Ahmadiyya-Gemeinde gibt, wurde mit Nein beantwortet. Es habe zwar einen zweiten Bauantrag für die Schwarzburger Straße gegeben, dieser sei aber zurückgezogen worden. Mit Buh-Rufen reagierte das Publikum vor allem bei Erwähnungen von Bundeskanzlerin Angelika Merkel. Auch Erfurts Oberbürgermeister kassierte Pfiffe, etwa als er betonte, dass im Land Meinungsfreiheit herrsche.

Bislang ist das Gelände, auf dem die Moschee errichtet werden soll, noch unbebaut. Um das Vorhaben wird auch in der Politik heftig gestritten. Während es bei beispielsweise bei Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Zustimmung findet, lehnt es die AfD ab.