Radfahrer vs. Fußgänger – Lässt sich der ewige Konflikt lösen?

Traffic Wars: Nicht immer nehmen verschiedene Verkehrsteilnehmer in Erfurt aufeinander Rücksicht.
Traffic Wars: Nicht immer nehmen verschiedene Verkehrsteilnehmer in Erfurt aufeinander Rücksicht.
Foto: Ulrike Fröbel

Fußgänger gegen Radfahrer, Radfahrer gegen Fußgänger – ein Konflikt, der vielleicht so alt ist wie der Erfurter Anger selbst. Na gut, sicher nicht ganz. Aber aktuell beschäftigt das Thema auf jeden Fall die Gemüter in der Landeshauptstadt. Und das, obwohl die Fronten eigentlich klar sein müssten. Denn als Fußgängerzone ist der Anger tagsüber für Radfahrer tabu. Zwischen 9 und 18.30 Uhr muss der Drahtesel deshalb geschoben werden. Doch nicht jeder hält sich an diese Regel und so gibt es immer wieder Reibungspunkte zwischen gehenden und fahrenden Menschen.

Entspannung in die aufgeladene Atmosphäre will eine Gruppe Studierende bringen: Am Dienstag startete die von der Fachhochschule (FH) Erfurt initiierte „RADSAM-Kampagne“ am Ort des Geschehens, dem Anger. Andreas Mares und seine Mitstreiter setzen sich an einem Infostand für ein faires, achtsames und rücksichtsvolles Miteinander zwischen Fußgängern und Radfahrern in der Erfurter Innenstadt ein. „Wir studieren an der FH im Master-Programm Intelligente Verkehrssysteme und Mobilitätsmanagement und befassen uns im Rahmen des öffentlichen Personennahverkehrs mit der Thematik Vorsicht im Radverkehr“, erklärt Mares zum Hintergrund der Gruppe. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und Vertreter des Studienprojekts „fahr.RAD! erfurt“ der Fachrichtung Stadt- und Raumplanung sind mit vor Ort. Gemeinsam wollen sie mit der Aktion auf dem Anger für die jeweiligen Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern sensibilisieren. Unterstützt wird die Kampagne auch von der Stadt Erfurt.

Mehr Rücksichtnahme, weniger Unsicherheit

Die Passanten auf dem Anger tasten sich zunächst nur vorsichtig an den Infostand heran, aber es habe schon einige intensive Gespräche gegeben, sagt Andreas Mares. Im Vorfeld haben die Studierenden bereits gezielt Fußgänger und Radfahrer in Erfurt dazu befragt, ob sie sich mit der Verkehrssituation wohlfühlen. „Für Erfurt ist das Ergebnis positiv ausgefallen. Auch wenn einige Fußgänger sehr sensibel sind, was das Thema Radfahrer anbelangt“, weiß Mares zu berichten. Das sei aber vor allem dann der Fall, wenn sie schon einmal (beinahe) einen Zusammenstoß erlebt hätten. Fußgänger seien verunsichert, wenn Radler in schnellem Tempo an ihnen vorbeiziehen und in manchen Fällen auch dann nicht stoppen, wenn es zu einer Kollision kam. Dass von Seiten der Radfahrenden mehr auf die Sicherheitsbedürfnisse der Fußgänger - insbesondere von Senioren, Kindern und Menschen mit Mobilitätseinschränkung - Rücksicht genommen wird, ist deshalb auch Ziel der Kampagne „RADSAM“.

Die Kampagne ist Teil des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Forschungsprojekts „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt“ und ist überregional angelegt. „Sinn unserer RADSAM-Kampagne ist es, dass auch andere Städte das Konzept übernehmen können“, erklärt Student Pascal Philippus. Aktuell sind neben Erfurt schon Leipzig, Weimar, Gera und Offenbach dabei. Denn, wie Philippus es treffend formuliert, „man muss das Rad ja nicht neu erfinden.“

Beine eingequetscht: Fahrerflucht in Sömmerda

Mehr lesen