Gotteshaus stockt auf – Ahmadyyia kämpft gegen Vorurteile

"Verbreitet Frieden auf Erden" ziert das Plakat der Ahmadyyia-Gemeinde, die über ihre Wertvorstellung aufklären will.
"Verbreitet Frieden auf Erden" ziert das Plakat der Ahmadyyia-Gemeinde, die über ihre Wertvorstellung aufklären will.
Foto: Anna Jank

Am Mittwoch stellt die Ahmadiyya-Gemeinde der Baubehörde den überarbeiteten Plan für den Moscheebau vor. Der Ablehnung mancher Bürger und Parteien tritt sie zeitgleich mit einer Aufklärungskampagne entgegen.

Weil die Baubegrenzung im ersten Plan unklar war, musste der Antrag für den Bau einer Moschee in Marbach überarbeitet werden. Am Mittwoch wird die korrigierte Fassung der Baubehörde vorgestellt. Moschee-Gegnern wie der AfD wird das neue Vorhaben wohl noch mehr als bisher ein Dorn im Auge sein, denn die Moschee wird um einen zweiten Baukörper und ein Stockwerk erweitert. Insgesamt werde die Moschee aber geschmälert, da der erste Entwurf die rechtliche Baugrenze überschritten hatte, versichert Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorstsand der Ahmadyyia-Gemeinde. Für den nötigen Raum des Gotteshauses wird auf eine zweite Etage aufgestockt. „Die Kuppel wird in der Umsetzung aber deutlich kleiner“, so Wagishauser.

Die AfD hat schon mehrfach ihre Ablehnung gegenüber der geplanten Moschee zum Ausdruck gebracht. Jetzt droht die Partei, mit einem Bürgerbegehren dem Bau Einhalt zu gebieten. „Das ist ein unvorstellbares Theater, was da veranstaltet wird“, brüskiert sich Wagishauser. „Die Religionsfreiheit ist in der Verfassung verankert.“

Nicht aufgeben, sondern konfrontieren

Björn Höcke, Landeschef der AfD in Thüringen, stört sich vor allem am Zierminarett der Moschee. Auf das Minarett verzichten wolle die Gemeinde aber nicht. Das setze ein falsches Zeichen, sind sich die beiden Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde einig: „Nach aller Erfahrung hat sich am Ende nie jemand an den gebauten Moscheen gestört.“

„Die AfD hetzt gegen den Islam. Wir müssen den Menschen die Möglichkeit geben, dass sie sich über den Islam informieren können“, findet Wagishauser. Gegen das Pamphlet der AfD verteilt die Ahmadiyya-Gemeinde Broschüren, die sich den Behauptungen gegenstellen. Die islamische Gemeinschaft geht auf Konfrontation und sucht Gespräche mit der AfD und dem Thüringer Landtag. „Bei Herrn Möller und Frau Herold merkte man: Sie waren kaum informiert und haben ihre feste Meinung. Wir haben ihnen einen Koran geschenkt, mit dem sie sich vertraut machen können“, sagt der Bundesvorstand der Ahmadiyya-Gemeinde.

Nizza, Würzburg, Paris - Attentate schüren Ängste

Mit einer Plakat-Aktion will die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt Vorurteile und Ängste über den Islam abbauen. Nach den jüngsten Vorfällen in Nizza oder Würzburg und der schon lange andauernden Diskussion über den Moschee-Bau in Marbach scheint eine Aufklärung dringlicher denn je. Immer wieder sehen sich die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde in der Not, sich nach terroristischen Anschlägen erklären zu müssen. Immer wieder betonen sie, dass sie sich vom IS und extremistischen Religionskämpfern klar abgrenzen und diese Darstellung ihrer Religion verurteilen.

Aufklärung über und im Islam

„Die Ahmadiyya-Gemeinde ist eine Reformgemeinde. Nach innen und außen“, betont Abdullah Uwe Wagishauser. Sie will nicht nur der Islamfeindlichkeit in einer nicht-muslimischen Gesellschaft begegnen, sondern sucht auch den innerislamischen Dialog. „Auch mancher Moslem ist sich nicht darüber im Klaren, was im Koran steht“, meint Mohammad Suleman Malik, der in Erfurt die Gemeinde vertritt. Und genau darauf weisen die Zitate auf den Plakaten hin. Es handle sich um originale Worte aus dem Koran: „Es soll keinen Zwang im Glauben geben“ oder „Verbreitet Frieden auf Erden“. Die Plakate sollen auf den Kern der Lehren des Islams aufmerksam machen. Und zwar nicht nur die Islam-Kritiker, sondern auch Muslime selbst. Malik plädiert dafür, dass Moslems den Koran in einer Sprache lesen sollten, die sie auch verstehen, denn „Religion muss hinterfragt werden“ und nicht unreflektiert gedeutet werden. „Die Plakate sollen die wahren Werte des Islams vermitteln: Freiheit, Frieden und Loyalität.“

Informieren und Weitersagen

In 19 Städten hat die Ahmadiyya-Gemeide ihre Kampagne „Muslime für Frieden“ in Angriff genommen und mehr als 100.000 Flyer verteilt. In Erfurt informiert die Ahmadiyya seit November 2014 regelmäßig samstags auf dem Anger über ihre islamischen Werte. Malik spricht von einer überwiegend positiven Resonanz. Doch wie sehr sind Islam-Gegner bereit, sich mit den muslimischen Mitbürgern auseinanderzusetzen? „Es ist schwierig, die zu informieren, die schon eine festgefahrene Meinung haben.“ Da hilft oft nur das Weitersagen derjenigen, die sich schon informiert haben. „Der, der mit uns gesprochen hat, kann dem, der sich islamfeindlich äußert, mit Informationen entgegentreten“, ist Malik überzeugt.

Den Infostand ziert das Motto der Gemeinde „Liebe für Alle, Hass für Keinen.“ Malik erzählt: „Vergangenen Samstag kam ein Mann auf mich zu und meinte, das sei doch ein schlechter Scherz. Ich gab ihm zu lesen und sprach mit ihm. Am Ende war er richtig freundlich.“ Diese Erfahrung mache Malik häufiger. So hat ein Anderer schon mehrfach den Flyer Maliks Augen zerknüllt und auf den Boden geworfen. Malik wies ihn immer wieder darauf hin, den Zettel zu lesen, bis er es einmal tat. Der Mann komme nun häufiger an den Stand, um mit den Muslimen zu reden.