Shotgun Valium: Zwischen Adrenalin und Sphäre

„Als ernsthafter Musiker wird man zum Sonderling": Shotgun Valium live im Juni 2016 im HsD in Erfurt.
„Als ernsthafter Musiker wird man zum Sonderling": Shotgun Valium live im Juni 2016 im HsD in Erfurt.
Foto: Gerd Lange

Die Erfurter Band Shotgun Valium macht seit 2013 Heavy Rock und präsentiert demnächst ihr zweites Album: "The Story Of Frank Tranquill". #onstage-Reporter Tobias Marx hat die Musiker in ihrem Proberaum nahe Erfurt besucht und mit ihnen über ihre Songs, Prioritäten und Ambitionen gesprochen.

Shotgun Valium machen Heavy Rock mit Classic-Rock-Einschlag und eigenem experimentellem Touch. Das sagen sie selbst. Angefangen hat alles im Mai 2013, als Paul (Schlagzeug) und Danny (Gitarre) auf der Suche nach einem guten, aber freien Bassisten (das ist wohl an sich eine fast unlösbare Aufgabe) an den Kontakt zu Konstantin (Stan) kamen. Bestimmung führte sie zusammen: Beim ersten Treffen schon hatten alle das Gefühl, dass nicht nur die Sympathien vorhanden sind, sondern alle an einem Strang ziehen.

Gleich am nächsten Tag fand das erste Foto-Shooting statt. Den Namen der Band gab es schon aus einem kurzlebigen Vorgängerprojekt: Shotgun ist der Knall, das ist die Musik, und Valium ist die Zeit, die man braucht, um nach einem Konzert wieder runterzukommen. Die Einflüsse sind rocklastig: Heavy Metal, Blues, Doom, Classic Rock und Progressive Rock hören die Musiker.

Demokratisch und riffbasiert

Geprobt wird durchschnittlich zweimal pro Woche. Musikalisch gesehen sind die Ursprünge der Musik die Gitarrenriffs, die aber nicht nur von Danny kommen. Arrangiert werden die Songs dann zu dritt im Proberaum, die Texte entstehen meist später. Dabei wird das Internet für ein Ping-Pong-Spiel genutzt, bis die Texte kollaborativ fertiggestellt sind: „Früher ging das schneller, inzwischen ist der Anspruch gestiegen und wir sind auch gegenseitig kritischer“, sagen sie. Manchmal werden Songs auch nach der Fertigstellung verworfen, das ist ein demokratischer Prozess.

In den Texten geht es um Alltägliches, ohne Partei zu ergreifen. Das Spektrum bewegt sich inhaltlich wie klangtechnisch zwischen Adrenalin und Sphäre: In „Clockwork Orange“ geht es um das Eingesperrtsein und Sich-Fremd-Fühlen in der Gesellschaft, angelehnt an den gleichnamigen Film, er klingt euphorisch und treibend. Im Song „Mindtrip“ geht es um die Freiheit des Geistes, er ist sehr dynamisch, aber dennoch keine Ballade.

Die Songs spiegeln zum Teil eigene Erfahrungen: „Als ernsthafter Musiker wird man zum Sonderling, man gehört zu einer Randgruppe“. Die Songs werden zwar für Aufnahmen festgeklopft, aber leben weiter und verändern sich durch das Livespielen immer wieder.

Die Band ist kein Hobby

Ihre bisherige Karriere haben Shotgun Valium selbst gestemmt, ohne strukturelle oder finanzielle Hilfe von einem Label. 2014 wurde ein GbR-Vertrag aufgesetzt und seitdem kümmern sich Danny und Paul um das Booking, Stan ist für Merchandising und Verwaltung zustündig. Nur durch die tagtägliche Beschäftigung mit der organisatorischen Ebene der Band trägt das Ganze Früchte und trennt sich in Bezug auf die Zusammenarbeit die Spreu vom Weizen, sagt Paul, der die Band als seinen Arbeitgeber betrachtet. 80 Prozent Booking und 20 Prozent Spielen, dazu kommt Werben und Proben – die Band ist kein Hobby, das Potenzial ist vorhanden.

Das Artwork der Band gestaltet Gerd Lange, Freund und Fan, der an Shotgun Valium glaubt und die Musiker mit viel Zeit und allen Mitteln unterstützt, die er zur Verfügung hat. Die Website ist von Phillip Gerbig, im Online-Shop auf der Website von Shotgun Valium kann man die erste Platte kaufen, aber auch T-Shirts und Taschen mit den Heavy-Rock-Motiven der Band. Dort findet man auch die Kontaktdaten, professionell unterteilt in die Kategorien Clubgigs, Festivalgigs und internationale Gigs.

Zweite Platte: "The Story Of Frank Tranquill"

Im März 2015 erschien die erste Platte (CD/LP) der Band namens Shotgun Valium, eingespielt im Performance Studio in Frankfurt, soundtechnisch vom Produzenten Jörg See beeinflusst. Die LP bekam damals ein eigenes Mastering und klingt auch tendenziell besser als die CD, sagen die Jungs. Das Musikvideo zum Song „Believer“ haben Shotgun Valium zusammen mit ArtPix an einem Tag produziert. Ein zweites Video ist bereits in Planung, das Storyboard schon geschrieben. Im April wird die zweite Platte der Band namens „The Story Of Frank Tranquill" erscheinen, die zurzeit im Studio eingespielt wird.

Shotgun Valium: Believer

Bis nach Prag - und auch unplugged

Die Band hat sich einen Bus angeschafft, denn Shotgun Valium spielen um die 70 Konzerte pro Jahr, Wettbewerbe meiden sie aber: „Da wird man nur vorgeführt.“ Bisher spielten die Musiker in Deutschland und Europa, nun wird auch über eine Tour durch Russland geredet. Die Band stand schon mit Größen wie Kvelertak, Powerwolf, Doro, Entombed A+D, Candlemass und Kill Devil Hill zusammen auf der Bühne.

2014 spielte die Band eine kleine Tour durch England, 2016 war sie in der Schweiz und Deutschland unterwegs und vorher in Tschechien und der Slowakei. Einmal wurde Paul über Social Media von der amerikanischen Band Marian Cotton als Schlagzeuger für eine Ost-Europa-Tour angefragt. Bei dieser Gelegenheit spielten dann auch Shotgun Valium als Vorband ihren ersten Gig in Prag. Die Band tritt aber auch gern unplugged auf und bringt dafür einen Kontrabass mit.

Die Gruppe ist inzwischen zusammengewachsen, fast wie eine Familie. „Jeden Tag, den wir zusammen verbringen und wachsen, ist diese Band eine wahnsinnige Erfahrung“, sagen die Musiker. Jetzt kommt erst einmal das zweite Album und ansonsten geht es Shotgun Valium vor allem darum, die Reichweite der eigenen Musik zu erhöhen und unterwegs zu sein. Das erklärte Ziel, von Musik leben zu können, lassen sie jedenfalls nicht aus den Augen.

Die nächsten Konzerttermine:

  • 17. Januar: From Hell, Erfurt
  • 27. Januar: Club Naumanns, Leipzig
  • 8. April: Schützenhaus, Finsterwalde
  • 15. April: Rock Club Kain, Prag
  • 29. April: Record-Release, Museumskeller, Erfurt
  • 30. September: Bandhaus, Leipzig

Shotgun Valium im Internet:

Homepage

Facebook

Youtube

Instagram