Facebook-Märchen? Erfurter Polizei geht angeblichem Überfall nach

Foto: Screenshot Facebook
  • Angeblich schwangere Frau in Erfurt in den Bauch getreten und von Mann verprügelt
  • Polizei kann keine der Personen ausfindig machen und kein Krankenhaus hat sie behandelt, obwohl ein Facebook-Eintrag dies suggeriert
  • Trotz Fake-News-Verdacht ruft Erfurter Polizei zu Hinweisen auf

Die Erfurter Polizei geht auf Thüringen24-Anfrage gerade einem angeblichen Überfall auf eine schwangere Frau nach. Die Tat soll sich in Erfurt-Herrenberg am Wiesenhügel am Dienstagabend, 3. Januar, ereignet haben. Mehrere Leser hatten sich gemeldet und wollten wissen: "Stimmt die Geschichte?"

Zuvor war der Beitrag eines Facebook-Nutzers viral gegangen. Noch am Dienstagabend hatte der vermeintlich Betroffene einen Beitrag verfasst, in dem er von einem Angriff auf seine schwangere Freundin berichtete. Mehr als 775-mal wurde der Eintrag bereits geteilt. In dem Eintrag führt er aus, dass Ausländer seiner Freundin gegen 21.45 Uhr folgten und die Situation "körperlich" ausnutzen wollten. Sie wollte laut seinen Angaben nur kurz zum Kaufland gehen, als es zu dem Vorfall kam. Auf dem Weg soll ein älterer Mann der bedrängten Frau zu Hilfe gekommen sein. Der Helfer in der Not soll im Anschluss von der Personengruppe zusammengeschlagen und später ins Krankenhaus gebracht worden sein.

Die Schwangere soll schließlich noch zwei Tritte in den Bauch bekommen haben. Gegen 22.30 Uhr, so suggeriert es der Facebook-Eintrag des jungen Mannes, sollen das Opfer – die schwangere Pauline Z. – und ihr Freund – Maximilian B. – das katholische Krankenhaus St. Johann Nepomuk aufgesucht haben.

Alles nur ausgedacht? Erfurter Polizei kann weder Mann noch Schwangere finden

Die angebliche Freundin des jungen Mannes konnte die Polizei bisher nicht ausfindig machen, hieß es auf Anfrage. Weder sie noch der beschriebene Herr haben ein Krankenhaus aufgesucht. Thüringen24 sprach mit einem Mitarbeiter der auf Facebook angegeben Klinik St. Johann Nepomuk, doch der wusste von keiner Behandlung einer Pauline Z., wie in dem sozialen Netzwerk behauptet wird. Eine Akte dazu sei nicht im System vorhanden. Auch das Personal konnte sich nicht an einen derartigen Vorfall mit einer Schwangeren am besagten Abend erinnern.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Erfurter Polizei: In keinem Krankenhaus der Landeshauptstadt habe sich ein zusammengeschlagener Mann, der mit dieser angeblichen Tat in Verbindung stehen könnte, gemeldet.

Dass Pauline Z. nicht ermittelt werden konnte, wirft umso mehr Fragen auf, wo Maximilian B. doch angibt, sie sei bei ihrer Familie untergetaucht. Handelt es sich um eine klassische "Fake News"?

Trotz Fake-News-Verdacht ruft Erfurter Polizei zu Hinweisen auf

Trotz der widersprüchlichen Angaben, die der 18-Jährige zu Protokoll gab und auf die Thüringen24 die Beamten bereits im Vorfeld hinwies, bittet nun die Polizei Erfurt um Hinweise zu den geschilderten Umständen. Es werden Zeugen sowie die Geschädigten des Ereignisses gesucht. Hinweise nimmt die Erfurter Kriminalpolizei unter der Telefonnummer (0361) 74 43 14 65 entgegen. Die Beamten ermitteln in alle Richtungen und schließen selbst einen "Fake" nicht aus.