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Was die Theaterplakate von Klaus Martin so besonders macht

Klaus Martin
Der Erfurter Grafiker Klaus Martin macht Theaterplakate, die zum genauen Hinschauen einladen. Ab 14. Januar sind einige seiner Werke im Speicher zu sehen. Foto: Axel Heyder

Die Plakate von Klaus Martin fallen aus dem Rahmen – nicht wörtlich, aber optisch. Sie sind einfach, prägnant und besitzen eine saubere Typografie. Doch nicht nur das Handwerk stimmt. Oft versprühen sie zudem Witz und Charme, kleine Seitenhiebe oder verstecke Hinweise auf den Inhalt eines Theaterstücks oder einer Ausstellung sind eingebaut. Im Speicher ist ab Samstag eine Auswahl der Werke des Erfurter Grafikers zu sehen.

Besonders prägnant sind die Arbeiten, die Klaus Martin seit 14 Jahren für das Neue Schauspiel Erfurt abgeliefert hat. Die Farben Gelb und Schwarz waren deren Markenzeichen, ebenso wie die wenigen Elemente darauf. Die allerdings hatten es in sich. Wie bei seinem 2006er Plakat zum Sommernachtstraum, einer Shakespeare-Komödie inszeniert in der Barfüßerruine: Darauf wird aus einer Hand nach längerer Betrachtung auch ein Gesicht, mit etwas Fantasie noch der Teil eines weiblichen Oberkörpers. Auch wer sich die Fingerspitzen genauer anschaut, kommt um ein kleines Lächeln nicht herum. Und genau hier beginnt die Kunst, die sich abhebt von all jenem, was täglich auf unzähligen Plakaten zu sehen ist. Die Poster von Klaus Martin transportieren eben nicht nur ein Datum, einen Ort und eine Uhrzeit, sondern Inhalt.

Vom Schaufensterdekorateur zum Grafiker

„Für mich ist die Zusammenarbeit mit beispielsweise der Regisseurin und der Dramaturgin wichtig“, erklärt der 72-Jährige, der einst als Schaufensterdekorateur von 1961 bis 1963 die Grundzüge seines Handwerks erlernte. Weil er kein „Arbeiterkind“ war, und deswegen in der DDR trotz seines guten Notendurchschnitts kein Abitur machen durfte, holt er das nebenbei nach. Später studierte er in Berlin angewandte Künste. Seit 1973 war er Mitglied im Verband bildender Künstler.

Ein Beruf für die Hände

Trotz moderner Technik hat Klaus Martin nicht vergessen, dass Grafiker auch ein Beruf für die Hände ist. „Meine Entwürfe bringe ich nach wie vor zuerst mit dem Stift aufs Papier“, erklärt er seine Vorgehensweise. Später werden die Schwarz-Weiß-Entwürfe am Rechner eingefärbt und die Druckfarben bestimmt. So bleibt etwas Lebendiges erhalten in einer sonst von Computertechnik bestimmten Welt. Dass er allerdings nicht mehr, wie zu früheren Zeiten, für ein Plakat Buchstaben abfotografieren, belichten und aufkleben muss, empfindet Martin als Segen.

Eine Einheit des Ganzen

Vor dem ersten Entwurf geht er „mit einer Idee schwanger“, wie er es nennt. „Es arbeitet die gesamte Zeit in meinem Kopf, das ist die schlimmste Zeit“, sagt der Erfurter. Wenn er dann erst mal zu Pinsel oder Stift greift, ist diese Phase vorüber, die von einem Tag bis zu mehreren Wochen dauern kann. Davor hat er sich aber die Mühe gemacht, sich mit den Beteiligten zu treffen, Schauspieler bei ihrer Arbeit zu beobachten und Gespräche zu führen. Er schaut sich das Bühnenbild an. „Wir sind ein Team, vom Lichtmann bis zum Hauptdarsteller. Das Ganze muss eine Einheit bilden.“

Bildergalerie mit Plakaten von Klaus Martin:

Versteckte Details verjähren nicht

Und genau diese Arbeitsweise machen die Plakate von Klaus Martin nach vielen Jahren noch sehenswert, was sie von anderen unterscheidet, die nur Termin und Ort transportieren. Wer noch einmal auf das 2006er Plakat des Neuen Schauspiels blickt, für das er insgesamt rund 40 verschiedene Plakate entworfen hat, wird erneut schmunzeln können, ob der versteckten Details, die der Grafiker dort eingebaut hat.

Ab dem 14. Januar ist eine Auswahl von Plakaten von Klaus Martin sowie Theaterfotografien verschiedener Fotografen im Speicher, Waagegasse 2, in Erfurt zu sehen. Die Vernissage ist am selben Tag um 19 Uhr.