Nz Nz Nz: DJ Torsten Kanzler belebt die Techno-Kultur in Thüringen

Torsten Kanzler (rechts) freut sich, wieder in Thüringen zu sein. Er arbeitet nun mit jungen DJs wie dem Erfurter Robert Egenolf (links) zusammen.
Torsten Kanzler (rechts) freut sich, wieder in Thüringen zu sein. Er arbeitet nun mit jungen DJs wie dem Erfurter Robert Egenolf (links) zusammen.
Foto: Patrick Krug

DJ-Größe Torsten Kanzler ist zurück in Thüringen und spielt am Samstag in Erfurt im Klanggerüst. Im Interview spricht er über Techno in der Heimat, über Künstlernachwuchs, über ein neues Label und entscheidet zwischen Regenbögen pupsenden Einhörnern und dem Techno-Wikinger.

Herr Kanzler, dieses Jahr ist Bundestagswahl. Ist davon auszugehen, dass Sie weitermachen?

Ein Kanzler hört niemals auf, ein Kanzler muss weitermachen.

Sie schalten und walten seit 15 Jahren von Berlin aus. Bleibt das so?

Nein, ich bin zurückgekehrt in meine Heimat Thüringen. Ich lebe jetzt wieder da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Apropos: Wir sollten "du" zueinander sagen, der Kanzler hat sich da nicht so.

Einverstanden. Warum wolltest du wieder zurück nach Thüringen?

Die 15 Jahre Berlin waren fantastisch und ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder hochfahre, um dort aufzulegen oder Freunde zu besuchen. Es waren aber auch 15 Jahre Stress und Leben am Wochenende. Das fordert einen ganz schön auf Dauer. Jetzt habe ich es mir am Waldrand gemütlich gemacht, hab mir ein tolles Studio gebaut und genieße die Natur, den perfekten Energielieferanten für die Wochenenden.

DJ Torsten Kanzler: Open Circuit

Du hast dir über die Jahre einen Namen gemacht. Wer Techno kennt, kennt auch den Kanzler. Wie lebendig ist die Szene?

In weiten Teilen der Welt ist sie sehr lebendig. Es gibt sogar Gegenden, in denen die Leute fast schon übersättigt sind. Was Thüringen betrifft, habe ich das Gefühl, dass die Szene etwas eingeschlafen ist.

Woran machst du das fest?

Ich treffe überall in Deutschland Leute aus Thüringen, die mir ihr Leid klagen: Sie müssten immer so weit weg fahren, weil in Thüringen nicht so viel geht.

Und du kennst es anders aus Thüringen?

Auf alle Fälle! Es gab Zeiten, da konnte man sich kaum entscheiden, wo es am Wochenende hin geht. Es gab viele Events. In großen und kleinen Städten, im Wald, auf Wiesen, an Seen, mit bekannten Acts und unbekannten. Suhl, Erfurt, Ohrdruf, Mühlhausen ... es gab unzählige Adressen, bei denen man sich auf gute Musik und coole Leute verlassen konnte.

Aber Techno-DJs gibt es doch wie Sand am Meer.

Das ist richtig ... zumindest gibt es viele, die sich so nennen.

Definiere Techno!

Definitionen sind hier immer schwammig. Das liegt an der Musik selbst. Techno ist Vielfalt und stets im Wandel. Hinterm Pult stehen und Knöpfe drehen ist nicht die Kunst. Ein gutes Ohr und Gespür für den Beat ist wichtig. Ich starte nicht ins Wochenende und denke mir: Jetzt kann ich wieder zeigen, wie ich ein Mischpult bedienen und Tracks abspielen kann. Nein, es geht darum, Sounds zu stapeln und Beats so zu verknüpfen, dass man der feiernden Meute Emotionen entlockt, sie unterhält und auf eine kleine Reise raus aus dem Alltag mitnimmt. Es geht um wechselseitige Emotionen zwischen all den Menschen, die zu Techno feiern. Und das kann richtig Spaß machen!

Zum Beispiel am 21. Januar im Klanggerüst in Erfurt?

Definitiv! Dort starte ich mit Robert Egenolf eine neue Veranstaltungsreihe. Mit dabei sind noch weitere Nachwuchskünstler aus Thüringen. Mit Robert möchte ich schauen, wie die Thüringer Szene mittlerweile lebt, und gerne dieses Jahr noch weitere Veranstaltungen machen.

Robert und du, ihr habt schon im Tresor aufgelegt und bei Großevents wie der Nature One. Von Berlin nach Erfurt, vom Tresor ins Klanggerüst: Ist das nicht ein Schritt zurück?

Ganz und gar nicht. Thüringen ist unsere Heimat und wir wollen die Szene mit unserem Techno wachrütteln. Der Rest kommt durch die gemütliche, familiäre Atmosphäre und die richtigen Leute. Dazu bietet das Klanggerüst großartige Möglichkeiten. Das Klanggerüst erinnert mich sehr stark an meine ersten Kontakte zur elektronischen Musik. Die hatte ich in Buttstädt, die Veranstaltungsreihe hieß „Mux Club“ und fand in einer alten Villa mit genau dem selben Charme statt.

Wird das die Thüringer Techno-Renaissance?

Das wäre sicher etwas übertrieben. Aber es wird der Anfang einer neuartigen Partyreihe. Für diese und für unser Label „Open Circuit“ ist das Klanggerüst der Geburtsort. Robert und ich freuen uns riesig!

Da freuen wir uns gerne mit.

Zum Abschluss: Antworte so schnell und spontan wie möglich auf die nächsten sieben Fragen!

Hell oder dunkel?
Dunkel.

Schnell oder langsam?
Langsam.

High Hats oder Bassdrums?
Beides.

Techno-Wikinger oder Regenbogen pupsendes Einhorn?
Techno-Wikinger!!

Morgens um fünf oder abends um zehn?
Von fünf bis zehn.

Was geht immer?
Musik.

Was geht gar nicht?
David Guetta.

Infos zur Veranstaltung findet ihr auf der Facebook-Seite von Open Circuít.