Ahmadiyya-Moschee in Erfurt - Was bisher passierte

Anischt der Pläne für den Moschee-Neubau in Erfurt-Marbach.
Anischt der Pläne für den Moschee-Neubau in Erfurt-Marbach.
Foto: dpa

Es ist ein Thema, das die Gemüter spaltet: Der Bau einer Moschee in Erfurt-Marbach. Wir haben für euch zusammengefasst, welche Wendungen die Pläne der Ahmadiyya-Gemeinde seit Mai 2016 genommen haben.

Mai 2016: Baupläne werden vorgestellt

Im Mai 2016 stellt die Ahmadiyya-Gemeinde konkrete Pläne für den Neubau einer Moschee im Erfurter Ortsteil-Marbach vor. Der Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser und Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sind dabei.

Juni 2016: Pfiffe und ein Bürgerbegehren

Anfang Juni sorgt eine Informationsveranstaltung für Aufregung: Hunderte Anwohner kommen in einer Sporthalle in Marbach zusammen, viele bringen ihr Missfallen über die Pläne zum Ausdruck. Oberbürgermeister Bausewein wird ausgepfiffen.

Bildergalerie: Erhitze Gemüter bei Infotreffen zum Moschee-Bau

Wenig später wirbt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) für einen gleichberechtigten Umgang mit Bauanträgen.

Mitte Juni setzt sich die Thüringer AfD an die Spitze der Proteste gegen die Erfurter Moschee. Die Landtagsfraktion kündigt ein Bürgerbegehren an.

Der Vorstoß kommt bei einem früheren AfD-Spitzenmann nicht gut an: Bernd Lucke schlägt sich auf die Seite der Ahmadiyya-Gemeinde. „Wenn wir Deutschland als freiheitliches und tolerantes Land erhalten wollen, dürfen wir nicht zulassen, dass einzelne Religionsgemeinschaften drangsaliert oder diskriminiert werden“, sagt er im Juni und besucht Erfurt.

Video: Bernd Lucke sagt in Erfurt seine Meinung zur geplanten Moschee

Bernd Lucke in Erfurt: "Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersgläubigen"
Anna Jank

Das angekündigte Bürgerbegehren gegen die Moschee stößt bei den Fraktionen im Erfurter Stadtrat Ende Juni auf Ablehnung. Unterdessen prüft die Verwaltung den Antrag auf Zulässigkeit.

Juli 2016: Überarbeitete Moschee-Pläne und gescheitertes Bürgerbegehren

Im Juli stellt die Ahmadiyya-Gemeinde einen überarbeiteten Plan für die Moschee vor. Das Gotteshaus soll schmaler werden, aber auch einen zweiten Baukörper und ein zusätzliches Stockwerk erhalten. Grund für die Überarbeitung waren Unklarheiten im Entwurf für das Bauamt.

Ende Juli scheitert der Antrag auf ein Bürgerbegehren. Die Stadtverwaltung lehnt das Ansinnen von zwei AfD-Abgeordneten und ihren Mitstreitern ab.

August 2016: Marbacher startet Petition

Im August reicht ein Marbacher Bürger eine Petition gegen die Moschee-Pläne ein. Der Thüringer Landtag will sich damit im Januar beschäftigen.

Video: Das sagen die Erfurter zur geplanten in Moschee in Marbach

Moschee in Marbach: Das sagen die Erfurter

Dezember 2016: Neuer Standort und Protest vor dem Rathaus

Weil der Besitzer eines Nachbargrundstücks nicht einverstanden ist, überarbeitet die Ahmadiyya-Gemeinde den Entwurf. Am 12. Dezember stellen die Muslime den neuen Standort der Moschee in Marbach vor.

Bildergalerie: So sehe die neuen Pläne für den Moschee-Bau aus

Zwei Tage danach gehen vor dem Erfurter Rathaus Gegner der Moschee-Pläne auf die Straße. Ebenfalls am 14. Dezember sagt die Landtagsfraktion der AfD ein geplantes Treffen mit der Ahmadiyya-Gemeinde ab, es gebe keine Vertrauensbasis mehr für weitere Gespräche.

Video: Anmelder der Anti-Moschee-Demo nimmt Stellung

Anti-Moschee-Kundgebung in Erfurt: Das sagt der Demo-Anmelder
Anti-Moschee-Kundgebung in Erfurt: Das sagt der Demo-Anmelder

Trotz der Kritik hält die Ahmadiyya-Gemeinde an ihren Moschee-Plänen fest. Bundesvorstand Abdullah Uwe Wagishauser ruft bei einem Besuch in Erfurt zu gegenseitigem Respekt auf: „Uns ist wichtig, dass jeder Mensch mit anderen Menschen auskommen muss, egal ob er einer Religion angehört oder nicht.“

Januar 2017: Baupläne verzögern sich

Bei den Vorbereitungen für den Neubau der Moschee in Erfurt-Marbach kommt es zu Verzögerungen. Die Bauvoranfrage vom Rathaus wurde zwar genehmigt, aber es liegen mehrere Widersprüche dagegen vor. Ihren Bauantrag will die Ahmadiyya-Gemeinde deshalb erst später einreichen.

März 2017: Riesige Holzkreuze sorgen in Marbach für Aufregung

Die Gruppierung „Bürger für Erfurt“ stellt zwei Holzkreuze auf dem Grundstück neben dem geplanten Bauplatz der Ahmadiyya-Moschee auf, um gegen das Gotteshaus zu protestieren. Beim Marbacher Pfarrer Ricklef Münnich stößt die Aktion auf Kritik, die Stadt Erfurt wiederum sieht keinen Grund, gegen die Kreuze vorzugehen. Später greifen die Grundstückseigentümer durch und lassen die Kreuze abbauen.

April 2017: Der finale Moschee-Entwurf steht

Die Ahmadiyya-Gemeinde reicht den Bauantrag für die Moschee in Marbach ein. Die finalen Pläne zeigen nur geringe Änderungen. Beim Zierminarett (acht Meter) und der Kuppel (drei Meter) bleibt alles beim Alten. Lediglich eine Dachbegrünung und andere Parkplätze werden in das Konzept aufgenommen. Der Bundesvorsitzende Wagishauser geht davon aus, dass der Bau wohl frühestens Anfang 2018 beginnen kann.