Ahmadiyya: "Das Kreuz ist keine Provokation"

Der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, Mohammad Suleman Malik. (Archivfoto)
Der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, Mohammad Suleman Malik. (Archivfoto)
Foto: Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt
  • "Bürger für Erfurt" stellen Holzkreuze neben Moschee-Baugrundstück auf
  • Ahmadiyya fühlt sich durch christliche Symbole nicht provoziert
  • Gegen hasserfüllte Stimmung setzen Gläubige weiter auf Dialog

Dass seit dem Wochenende zwei Holzkreuze auf dem Grundstück neben dem geplanten Bauplatz der Ahmadiyya-Moschee in Erfurt-Marbach stehen, sieht Mohammad Suleman Malik mit gemischten Gefühlen. Die religiösen Symbole an sich würden dem Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde keine Sorgen bereiten. "Das Kreuz ist keine Provokation." Im Gegenteil: "Es wäre schön, wenn Kirchen, Synagogen und Moscheen nebeneinander stehen würden", so der Ahmadiyya-Sprecher. "Wir würden einen Kirchbau in Marbach in direkter Nachbarschaft sogar begrüßen."

Bildergalerie - Holzkreuze in Erfurt-Marbach aufgestellt:

Ahmadiyya: Kreuz-Symbol wird instrumentalisiert

Erstaunt zeigte sich Malik aber darüber, dass "Gegner durch diese Aktion ihre Abneigung wegen des Moschee-Baus zum Ausdruck bringen und dabei das religiöse Symbol instrumentalisieren", so der Gläubige. Mit Sorge habe man gesehen, zu welchem Hass die Aktion in den sozialen Medien geführt habe. Die Ahmadiyya beobachte eine stärker werdende antimuslimische Stimmung. Gleichwohl halte man an dem Bauvorhaben Moschee in Marbach fest.

Evangelische Kirche gibt Rückendeckung

Dass man mit dem Christentum keineswegs auf Kriegsfuß stehe, zeige sich in den Zusammenarbeiten mit den örtlichen Pfarrern. Die Gemeinde habe sich gefreut, als die evangelische Kirche den Ahmadiyya am Wochenende Rückendeckung gab. So hatte der Marbacher Pfarrer Ricklef Münnich kritisiert, dass die Moschee-Gegner das Kreuz als christliches Symbol missbrauchten. Dieses Kreuz sei kein Christus-Kreuz. Vielmehr werde hier versucht, auf der grünen Wiese einen Kulturkampf „Kreuz gegen Minarett“ auszurufen - noch dazu von Menschen, die sich der Kirche gar nicht zugehörig fühlten.

Moschee-Gegner mit neonazistischem Gedankengut?

Es sei auffällig, dass solche Protest-Aktionen nicht von den Marbacher Bürgern selbst organisiert werden, so Malik. Es gebe auf Informationsveranstaltungen zwar etwa ein Dutzend Marbacher Gesichter, die regelmäßig ihren Unmut über die Moschee zum Ausdruck brächten, doch seien dies nicht die Holzkreuz-Aktivisten: Die "Bürger für Erfurt" seien stattdessen außerhalb Erfurts über die Gruppe "Einprozent" organisiert und unter diesen seien auch "Leute mit neonazistischem Gedankengut unterwegs", so der Gemeinde-Sprecher. Es sei laut Malik ein offenes Geheimnis, dass diese wiederum von der AfD unterstützt würden. Wenn nicht personell und finanziell, so doch zumindest dadurch, dass die Alternative viele "Einprozent"-Aktionen gutheiße und deren Gedankengut weiterverbreite.

Dialog mit Bürgern gegen Spaltung der Gesellschaft

"Wir erachten den Dialog mit dem Bürger umso wichtiger, weil wir nicht wollen, dass Extremisten mit solchen Aktionen die Gesellschaft spalten", führt Malik fort. Ein schwieriges Unterfangen, seien doch sämtliche Gesprächsangebote der Ahmadiyya an die Gegner ihres Bauvorhabens ungehört geblieben. Prominentes Beispiel war der Dialog mit der Thüringer AfD, den die Partei im Dezember einseitig abbrach. Von der Gegenseite habe die Ahmadiyya aber bisher kein einziger Gesprächsversuch erreicht. "Wenn da keiner reden will - was will man da machen?", fragt Malik ratlos. Sollten die Moschee-Gegner irgendwann das Gespräch wieder suchen, stehe man diesen aber auf sämtlichen Kommunikationskanälen zur Verfügung. Am Bauvorhaben in Marbach halte man trotz der Holzkreuz-Aktion fest.

Mehr zur geplanten Moschee in Erfurt-Marbach findet ihr unter dem Hashtag #Moschee.