Ballstädt-Prozess: Vier Jahre Haft für Hauptangeklagten gefordert

14 Männern und einer Frau wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
14 Männern und einer Frau wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Foto: dpa
  • Prozess: Mutmaßlich rechtsextreme Attacke auf eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt
  • Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft für Hauptangeklagten
  • Aktion spreche für hohen Organisationsgrad

Im Prozess um die mutmaßlich rechtsextreme Attacke auf eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt (Landkreis Gotha) hat die Staatsanwaltschaft vier Jahre Haft für den Hauptangeklagten gefordert. Der vorbestrafte Mann sei Anführer der Gruppe gewesen, die für den Überfall vom Februar 2014 verantwortlich sei, sagte der Staatsanwalt am Mittwoch am Landgericht Erfurt. Zudem sei eindeutig nachweisbar, dass der Beschuldigte während der Attacke selbst zwei Männer geschlagen habe.

Dreieinhalbstündiges Plädoyer

Für weitere Angeklagte forderte die Staatsanwaltschaft in ihrem etwa dreieinhalbstündigen Plädoyer Haftstrafen zwischen sechs Monaten auf Bewährung und drei Jahren Freiheitsentzug. Mehrere Angeklagte sollen zudem Sozialstunden leisten und Geld an gemeinnützige Organisationen zahlen. Bei drei Beschuldigten habe sich der Tatvorwurf nicht erhärten lassen, sodass sie freigesprochen werden müssten, so die Staatsanwaltschaft.

Bei Überfall mehrere Menschen teils schwer verletzt

Bei dem Überfall auf die Feier waren mehrere Menschen teils schwer verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Erfurt hatte wegen der Tat vierzehn Männer und eine Frau angeklagt, die der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind. Viele der Angeklagten machen aus ihrer politischen Gesinnung kein Geheimnis und tragen sowohl szenetypische Bekleidung wie auch entsprechende Tattoos offen zur Schau. Der Prozess läuft seit Dezember 2015.

Aktion spreche für hohen Organisationsgrad

Dass die Angeklagten eine so umfassend koordinierte Aktion innerhalb kürzester Zeit organisiert hätten, spreche für einen hohen Organisationsgrad der Beteiligten. „Das, was sich hier abgespielt hat, ist rechtsstaatsfeindlich und rechtsstaatsbedrohlich, wie ich es selten erlebt habe“, sagte der Staatsanwalt. Er könne dem Thüringer Verfassungsschutz nur empfehlen, die Mitglieder der Gruppe weiterhin zu beobachten. Im Rahmen der Ermittlungen zu dem Überfall war auch bekannt geworden, dass der Verfassungsschutz einzelne der Mitglieder überwacht.

Plädoyers der Nebenklage

Die Plädoyers der Nebenklage-Vertreter sollen Ende April gehalten werden.