AfD-Gutachten: Björn Höcke schrieb als Landolf Ladig für die NPD

Ist Björn Höcke der NPD-Autor "Landolf Ladig? (Archivfoto)
Ist Björn Höcke der NPD-Autor "Landolf Ladig? (Archivfoto)
Foto: dpa
  • Laut Anwaltsgutachten hat der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke für die NPD geschrieben
  • Im Parteiausschussantrag heißt es, dass Höcke "Landolf Ladig" sein müsse
  • Seit 2015 wird öffentlich über die Ähnlichkeit der Ladig-Texte zu den Äußerungen Höckes diskutiert

Ist Björn Höcke "Landolf Ladig"? Das geht aus dem Anwaltsgutachten hervor, das im Auftrag des AfD-Bundesvorstandes für das Parteiausschussverfahren erstellt wurde. Das Gutachten unterstellt dem umstrittenen Thüringer Landeschef Björn Höcke, unter dem Pseudonym die NPD gelobt zu haben und beruft sich dabei auf wissenschaftliche Analysen.

Der Tagesspiegel berichtete zuerst darüber und behauptete aber, dass diese Einschätzung Frauke Petry getroffen habe. Dies ist eine Falschbehauptung wie es gegenüber Thüringen24 aus ihrem Büro heißt: Petry habe das Gutachten, das in Kopie dem Tagesspiegel vorliegt, lediglich als eines von drei Vorstandsmitgliedern unterschrieben.

Höcke-Ladig-Verbindung erstmals 2015 analysiert

Seit 2015 ging das Gerücht um, dass Höcke unter dem Decknamen "Landolf Ladig" Texte für NPD-Zeitschriften verfasst haben soll. Der Thüringer AfD-Chef hatte die Vorwürfe immer wieder bestritten, jedoch nie eine eidesstattliche Versicherung dazu unterschrieben. Dennoch drohte Höcke damit, gegen jeden juristisch vorzugehen, der ihn mit Landolf in Verbindung bringt.

Thüringer AfD will sich nicht äußern

Gegenüber Thüringen24 wollte sich kein AfD-Sprecher im Freistaat zum Sachverhalt äußern. Auch die Frage, ob Höcke nun gegen den Bundesvorstand klagen werde, wurde nicht beantwortet. "Zu diesem Thema ist alles gesagt", hieß es aus AfD-Kreisen. Gegenüber dem Tagesspiel sagte Höcke-Sprecher Torben Braga, dass man sich "zu diesen hanebüchenen Vorwürfen" nicht äußern werde.

Faktencheck des Soziologen Andreas Kemper

Andreas Kemper ist Soziologe. Er vertrat und begründete 2015 auf seinem Blog als erster die These, dass Björn Höcke unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" bei der NPD veröffentlicht haben müsse. In diesen beiden Videos berichtet er von seinen Erkenntnissen:

Linke-Politiker fordern Aufklärung und Amtsniederlegung

Eine umfassende Aufklärung der Verfasserschaft "Landolf Ladigs" fordert die Linke-Bundestagsabgeordnete Martina Renner. Die Politikerin aus Erfurt weist dabei auf die "gerade einmal" sechs Kilometer Distanz zwischen den Wohnorten des Thüringer NPD-Landesvorstands Thorsten Heise zum Haus von Björn Höcke hin.

Die Thüriger Landtagsabgeordnete Katharina König (ebenfalls Linke) fordert, dass Björn Höcke sein Landtagsmandat niederlegt. "Seit Längerem weist der Soziologe Andreas Kemper auf die Übereinstimmungen zwischen Höcke und Ladig hin. Höcke verwendet nicht nur die Rhetorik des NS-Regimes, sondern steht der extremen Rechten auch inhaltlich nahe, betrachtet man allein seine Äußerungen zum Holocaustdenkmal." Höcke müsse sich öffentlich erklären und seine Verbindungen in die Neonazi-Szene müssten in Gänze aufgedeckt werden, fordert König.

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