Ein Farbiger spielt Nazi: Neuer Film mit Flüchtlingen

Das Filmprojekt "Alle in einem Boot" handelt von einer Schauspieltruppe, die im Theater das Schicksal jüdischer Flüchtlinge erzählt.
Das Filmprojekt "Alle in einem Boot" handelt von einer Schauspieltruppe, die im Theater das Schicksal jüdischer Flüchtlinge erzählt.
Foto: Paritätischer Thüringen
  • Dreharbeiten zu einem inklusiven Filmprojekt starten in Berlin
  • "Alle in einem Boot" feiert 2018 Premiere in Erfurt
  • Auch Geflüchtete, die in Thüringen eine neue Heimat gefunden haben, sind dabei

Christof Düro ist ein vielbeschäftigter Schauspieler und Theatermann. Er hat schon in vielen TV-Serien mitgespielt, hat junge Menschen für das Theater begeistert. Aber das Projekt, das er jetzt gemeinsam mit dem Regisseur Tobias Stille in Angriff genommen hat, liegt ihm besonders am Herzen. Es ist ein Film über Flüchtlinge – aber kein Dokumentarfilm, sondern ein Film der ganz besonderen Art.

„Alle in einem Boot“ entsteht in Berlin

Der Streifen soll provozieren, er soll zum Nachdenken anregen, er soll aber auch unterhalten. Und das auf eine ganz eigene Art und Weise. Denn in diesem Streifen spielen Flüchtlinge von heute Flüchtlinge aus den 30er-Jahren, sie spielen jüdische Menschen, die auf der Flucht vor dem Nazi-Regime sind. „Alle in einem Boot“ heißt der Film, der gegenwärtig in Berlin entsteht, unter den Schauspielern sind auch Geflüchtete, die in Thüringen eine neue Heimat gefunden haben und die Düro während des Ferienprojektes „Kultur macht stark“ beim Paritätischen in Neudietendorf kennengelernt hat.

Über das Schicksal jüdischer Flüchtlinge

„Vor unseren Augen sterben täglich Menschen im Mittelmeer. Dass europäische Politiker vor dieser Katastrophe die Augen versperren, ist ein Skandal“, sagt Düro. Und auf diesen Skandal soll der Film aufmerksam machen. Die Geschichte handelt von einer Schauspieltruppe, die im Theater das Schicksal jüdischer Flüchtlinge erzählen, die 1939 auf dem Schiff „St. Louis“ vor dem Nazi-Regime nach Amerika auswandern wollten.

Irrfahrt über den Atlantik

Die St. Louis fuhr von Hamburg nach Kuba und wurde dort abgewiesen – eine Irrfahrt begann, mit der Drohung, nach Hamburg zurückzukehren. Weder in Kuba noch in den USA durften sie aber an Land gehen. Das Schiff kehrte schließlich nach Europa zurück, die Passagiere wurden in Antwerpen von Bord gelassen und auf Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien verteilt.

Diese Geschichte will eine Schauspieltruppe nacherzählen. Neben dem Theater – so die Filmstory – steht eine Flüchtlingsunterkunft – und ein Schauspieler kommt auf die Idee, die Flüchtlinge in das Theaterstück zu integrieren. Da spielt ein türkischer Mitbürger einen Juden, ein Farbiger spielt einen Nazi, ein Mensch mit Handicap hat die Hauptrolle, ein Flüchtling spielt den deutschen Kapitän der St. Louis.

Keine Angst vor dem Fremden

Es ist dieses Prinzip auch der Verfremdung, das die Angst vor dem Fremden nehmen soll. Düro und Stille wollen so zeigen, wie ein inklusiver Film aussehen kann. „Das Filmgeschäft ist ja nicht inklusiv“, so Düro. Es gebe zwar Filme über Menschen mit Handicaps, aber nicht solche, an denen Menschen mit Handicaps inklusiv teilnehmen. „Wir wollen den Zuschauern die Berührungsängste vor dem Fremden nehmen“, fügt er hinzu.

„Geflohen wird immer“

Gedreht wird derzeit in einer alten Lok-Halle in Berlin-Zehlendorf. „Unser Anliegen ist es, das Thema Flucht in die heutige Zeit hinüberzuziehen, zu zeigen, dass Menschen zu allen Zeiten auf der Flucht waren. Geflohen wird immer“, sagt Düro. Ansprechen will der Film jeden Mensch, den das Thema Flucht berührt, jeden Menschen, der schon einmal Ausgrenzung erlebt hat. „Letztendlich also uns alle“, so Düro.

Film-Premiere in Erfurt

Die Dreharbeiten haben schon begonnen. Premiere des Streifens soll im nächsten Jahr in Erfurt sein, bevor er dann in den Filmfestivals wie der Berlinale an den Start geht. Unterstützt wird das Projekt auch vom Paritätischen.