Heißer Herbst für RWE: Verein will über Profi-Ausgliederung sprechen

Das Steigerwaldstadion, Heimspielstätte des FC Rot-Weiß Erfurt. (Archivfoto)
Das Steigerwaldstadion, Heimspielstätte des FC Rot-Weiß Erfurt. (Archivfoto)
Foto: Axel Heyder
  • Ausglieder der Profi-Abteilung bei Rot-Weiß Erfurt wird diskutiert
  • Mitgliederversammlung im November in Erfurt
  • GmbH im Fußball üblich, aber umstritten

Es sind bewegte Zeiten beim FC Rot-Weiß Erfurt. Seit Langem drücken die Schulden, das umgebaute Stadion sorgt auch immer wieder für Sorgen im Steigerwald, zu allem Überfluss steckt der Club in der 3. Liga in einer sportlichen Krise und hat deswegen auch Cheftrainer Stefan Krämer entlassen. Jetzt legt der Verein selbst wieder ein heißes Eisen ins Feuer: Die umstrittene Ausgliederung der Profi-Abteilung soll in diesem Herbst diskutiert werden.

Umfrage zur Causa Krämer:

Rot-Weiß Erfurt lädt zur Mitgliederversammlung

Eine entsprechende Veranstaltung war schon einmal geplant, aber dann verschoben worden. Auch im Sommer wurde nichts daraus, nun gibt es einen neuen Termin: Am 4. November lädt Rot-Weiß zur außerordentlichen Mitgliederversammlung in die Alte Parteischule nach Erfurt. Wie der Verein jetzt auf seiner Website schrieb, gibt es nur einen Tagesordnungspunkt: „Diskussion über die Möglichkeiten und Auswirkungen einer Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft.“ Es ist also nicht die Rede davon, schon etwas beschließen zu wollen – der Verein sucht erst einmal das Gespräch mit seinen Anhängern.

Profi-GmbH: Kritiker befürchten Einfluss der Geldgeber

Dass in der Alten Parteischule schnell Einvernehmen herrschen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Mit einer Ausgliederung ist auch die Möglichkeit verbunden, dass Investoren sich an der neuen Gesellschaft beteiligen. Kritiker befürchten, dass Geldgeber dadurch zu großen Einfluss auf sportliche und vereinsinterne Entscheidungen erhalten. Deswegen hat RWE bislang immer betont, den Anteil der Investoren zu begrenzen – auf maximal 20 Prozent beziehungsweise 33 Prozent bei langjährigen Unterstützern.

Ausgliederung im Profi-Fußball üblich

Profi-Mannschaften beispielsweise in GmbHs auszugliedern, ist mittlerweile ein übliches Vorgehen im Fußball. Erfurts Liga- und Thüringen-Konkurrent Carl Zeiss Jena zum Beispiel hat diesen Schritt längst getan und den belgischen Investor Roland Duchâtelet ins Boot geholt. Neben dem zusätzlichen Kapital, das die Clubs generieren können, umgeht eine GmbH auch Probleme aus dem Vereinsrecht, etwa wenn es um die Verwendung der Mitgliedsbeiträge oder die Gemeinnützigkeit geht. Außerdem wird der jeweilige Verein geschützt, sollte die ausgegliederte Gesellschaft einmal insolvent gehen.

50-plus-1-Regel soll Schutz bieten

Rein rechtlich gilt in Deutschland die 50-plus-1-Regel für die Clubs: Das Mitspracherecht der Investoren ist so auf 49 Prozent begrenzt. In der Praxis ist aber ein erheblicher Einfluss der privaten Geldgeber auf die Belange des Vereins nicht ausgeschlossen, etwa wenn sie mit der Kürzung der Mittel drohen.