Neue Ordnung im Chaosclub? Erfurt legt Zahlen auf den Tisch

Der FC Rot-Weiß Erfurt hat einen neuen Aufsichtsrat. Am Samstag wurde auf der Mitgliederversammlung im Steigerwaldstadion das neue fünfköpfige Gremium gewählt.
Der FC Rot-Weiß Erfurt hat einen neuen Aufsichtsrat. Am Samstag wurde auf der Mitgliederversammlung im Steigerwaldstadion das neue fünfköpfige Gremium gewählt.
Foto: Imago/Karina Heßland-Wissel
In den vergangenen Monaten gab der FC Rot-Weiß Erfurt ein unrühmliches Bild ab. Öffentliches Hick-Hack in der Führungsebene, schwere finanzielle und sportliche Probleme. Auf der Mitgliederersammlung bemühte man sich um Einigkeit.

Der finanziell schwer angeschlagene Fußball-Drittligist FC Rot-Weiß Erfurt hat einen neuen Aufsichtsrat. Auf der unter Ausschluss der Presse am Samstag abgehaltenen Mitgliederversammlung wurde das neue fünfköpfige Gremium gewählt, das von Michael Tallai als Chef angeführt wird. Zudem wurden von den rund 700 anwesenden Mitgliedern Dirk Eßer, Rolf Hildebrandt, Heiko Gentzel und Dirk Steeger gewählt. Tallai wird aber nur 18 Monate im Amt sein und danach die Führungsposition an Eßer abgeben. Das ist Teil eines Kompromisses der im Verein konkurrierenden Gruppen, wie der MDR schrieb. Eßer gilt als Vertrauter des im November entlassenen früheren Präsidenten Rolf Rombach.

Schadensersatz von Rombach, Kalt und Kästner gefordert

Rombach war bei der rund fünfstündigen Versammlung auch anwesend und erhielt wie sein Vizepräsident Thomas Kalt und der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Peter Kästner keine Entlastung. RWE behält sich damit laut Vereinsrecht Schadenersatzansprüche gegen Rombach, Kalt und Kästner vor. Die Mitgliederversammlung sollte schon im November 2017 stattfinden, wurde aber aufgrund von Differenzen in der Führungsebene verschoben.

Überschuldung in Millionenhöhe

Auch die wirtschaftlichen Zahlen des ums Überleben kämpfenden Traditionsclubs kamen auf den Tisch. Die beauftragten Wirtschaftsprüfer teilten mit, dass die Bilanz zum 30. Juni 2017 eine Überschuldung von 5,5 Millionen Euro aufweist. Insgesamt drücken den Verein Verbindlichkeiten und Verpflichtungen in Höhe von 8,08 Millionen Euro, wie die „Thüringer Allgemeine“ schrieb. Rombach und Kästner sind nach dem Leipziger Medienunternehmer Michael Kölmel die größten Gläubiger, jeweils im hohen sechsstelligen Bereich. Vom Verein gab es bis Sonntagmittag keine Informationen zur Versammlung.

Der Abstieg droht

Bis Dienstag muss RWE 1,5 Millionen Euro beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) nachweisen. Ansonsten kommt es zum Punktabzug, und der Abstieg des Tabellenletzten wäre dann wohl kaum noch zu verhindern. Es gibt noch eine Lücke von 600 000 Euro. Laut Nowag sei der Verein immer noch in Gesprächen mit Geldgebern. Sollte das nicht klappen, würde laut Nowag der Verein eine Planinsolvenz hinlegen, um in der kommenden Saison schuldenfrei in der Regionalliga zu starten, wie der MDR schrieb. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein stellte Hilfen in Aussicht, da sich die Wogen im Verein geglättet hätten.

Chaosclub aus Erfurt

Finanzielle Probleme, schwere Zerwürfnisse in der Führungsetage, öffentliche Schlammschlachten, sportliche Krise: Erfurt hatte in den vergangenen Monaten das Bild eines Chaosclubs abgegeben. Nach dem Rauswurf von Trainer Stefan Krämer am 2. Oktober 2017 wurde David Bergner Nachfolger. Am 2. November setzte der Aufsichtsrat Präsident Rombach, der seit 1. Juli 2005 im Amt war, aufgrund dessen Führungsstils und der zukünftigen Ausrichtung des Vereins ab. Als Präsident wurde Nowag eingesetzt.

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Rombach wehrte sich und behauptete, die Abberufung sei konstruiert gewesen. Man einigte sich und Rombach kehrte am 4. November wieder in sein Präsidentenamt zurück. Gut eine Woche später gab Rombach jedoch auf und trat zurück. Die Hauptgründe seien das Zerwürfnis und die internen Machtkämpfe in der Führungsriege sowie die Berichterstattung über ihn gewesen, sagte Rombach. Nowag übernahm erneut. Am 15. November 2017 wurde Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause entlassen. Auch Manager Torsten Traub wurde gefeuert. Am 20. November trennte sich der Verein von Trainer Bergner wegen Erfolglosigkeit und holte Stefan Emmerling zurück.

Straßensperrung am 22. Januar: RWE-Spiel schränkt Verkehr ein

Am kommenden Montag findet das Fußballspiel FC Rot-Weiß Erfurt gegen FC Magdeburg statt. Die Polizei weist darauf hin, dass es an diesem Tag zu Verkehrsstörungen kommen wird. (Symbolfoto)
Am kommenden Montag findet das Fußballspiel FC Rot-Weiß Erfurt gegen FC Magdeburg statt. Die Polizei weist darauf hin, dass es an diesem Tag zu Verkehrsstörungen kommen wird. (Symbolfoto)
Foto: Imago / Chromorange
  • Fußballspiel des FC Rot-Weiß Erfurt am 22. Januar verursacht Verkehrsbehinderungen
  • Polizei weist auf Einschränkungen für Anwohner in Erfurt hin
  • Zusätzliche Halteverbote werden in der Nähe des Steigerwaldstadions aufgestellt
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