Acht Zentimeter fehlen: Chaos-Transport erneut gestoppt

Der Transport ruht derzeit. Foto: Polizei
Der Transport ruht derzeit. Foto: Polizei
  • 180-Tonnen-Schwerlasttransport in Andisleben sorgt für Chaos
  • Erste Transporthöhe von Spedition falsch angegeben
  • Routen müssen von diversen Behörden abgesegnet werden

Acht Zentimeter machen manchmal doch einen Unterschied. So wie im Fall des Schwerlasttransports, der seit Dienstag für reichlich Chaos in Erfurt und im Landkreis Sömmerda sorgt. Weil das in Andisleben gestrandete Fahrzeug nur wenige Zentimeter zu hoch ist, passt es nicht durch eine Brücke auf einer geplanten Ausweichroute – und die Suche nach einer neuen Strecke beginnt von vorn. Nach Angaben aus dem Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr hatte die Spedition zunächst eine falsche Höhe angegeben.

Bildergalerie: Schwertransport fädelt sich durch Andisleben

Schwerlasttransport steckte in Andisleben fest

Das bedeutet, dass sich derzeit die Rädchen der Bürokratie in zwei Bundesbehörden und mehreren Landesbehörden weiter auf Hochtouren drehen – und das alles wegen eines eigentlich einfachen Schwerlasttransportes. Obwohl man mittlerweile wohl nicht mehr von einem einfachen Transport sprechen kann. Denn der 180-Tonnen-Lkw hat seit Dienstag für so einiges Aufsehen in Thüringen gesorgt.

Dritte Route im Genehmigungsverfahren

Wie Petra Freytag, Sprecherin des Thüringer Landesverwaltungsamtes, Thüringen24 verriet, wurde am Mittwochmittag noch mit Hochdruck an den Genehmigungen für eine neue Ausweichroute gearbeitet. Nachdem der Lkw in einer Doppelkurve in Andisleben feststeckte und erst nach Stunden aus der misslichen Lage freikam, wurde zunächst eine neue Strecke festgelegt – doch für eine Brücke war das Fahrzeug wenige Zentimeter zu hoch. Thomas Niksch vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr erklärte gegenüber Thüringen24, dass die Spedition zunächst eine Transporthöhe von 4,80 Metern angegeben hatte. Mittlerweile wurde die Zahl auf 4,88 Meter korrigiert. Dafür muss nun eine dritte Variante gefunden werden. Petra Freytag: „Das dauert nun mal seine Zeit, weil der Schwerlasttransport im Landkreis Mettmann beantragt wurde.“

Hier gibt's die weiteren Fotos vom Transport:

Speditionsantrag ging über das Landratsamt Mettmann

Doch warum in Mettmann? Offenbar hat die Speditionsfirma Hegemann-Transit, die ihren Sitz im Nordrhein-Westfälischen Sonsbeck hat, den Speditionsantrag im Landratsamt Mettmann (auch NRW) abgegeben. Von dort aus seien dann sämtliche Passiergenehmigungsanfragen an die Behörden in Thüringen und Sachsen-Anhalt gesteuert worden.

Bei Schwerlasttransport verschiedene Straßenbehörden involviert

„Nun ist es so, dass bei dem Schwerlasttransport viele verschiedene Straßenbehörden involviert sind“, so Freytag. „Für Bundesstraßen ist das jeweilige Landesamt für Verkehr zuständig, für Kreisstraßen das Straßenverkehrsamt beispielsweise in Sömmerda“, erklärt sie weiter. Derzeit liegen in den jeweiligen Behörden in Thüringen und Sachsen-Anhalt demnach die Genehmigungen für Route Nummer drei vor. Wie lange das Prozedere noch dauert, konnte bis zum Mittwochmittag niemand sagen. Sicher ist, dass sich die jeweiligen Parteien im Fall des Chaos-Transports gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.

Spediteur für die Richtigkeit der Angaben zuständig

Die Speditionsfirma habe falsche Angaben zum Fahrzeug gemacht, sagte ein Polizeisprecher laut Medienberichten. Laut MDR wies der Spediteur indessen die Vorwürfe der Beamten zurück: Fahrzeug samt Ladung seien vom Tüv vermessen und abgenommen worden. Auch in den zuständigen Ämtern ist man sich keiner Schuld bewusst. Hier verweist man darauf, dass allein die Spedition für die Richtigkeit der Angaben im Antrag verantwortlich ist.

Wer Schuld hat, ist unklar

Im Fall der misslungenen ersten Route könnten demnach die Spedition oder das Straßenverkehrsamt in Sömmerda versagt haben. Im Fall der zweiten Route kommt das Landesamt zusätzlich ins Spiel. Doch wer wirklich Schuld an der Misere ist, scheint unklar. Bis Mittwochmittag hüllten sich alle Beteiligten in Schweigen. Die Spedition verweigerte gegenüber Thüringen24 jede Aussage. Lokale und überregionale Behörden verweisen auf den Weg via E-Mail-Anfrage, deren Antwort zum Teil noch aussteht.

Tranporter schlummert jetzt bei Andisleben

Alle Hoffnung liegt nun auf der dritten Route. Wird der 180-Tonnen-Transport noch am Mittwoch seinen Weg fortsetzen? Derzeit steht der 43 Meter lange, 5,80 Meter breite und 4,88 Meter hohe Schwertransport auf einem Platz vor den Toren von Andisleben – 200 Meter von dem Ort entfernt, an dem er am Dienstag über einen halben Tag lang eingeklemmt war.

Reaktor soll nach Asien reisen

Am Montag gegen 22 Uhr hatte das 180 Tonnen schwere Fahrzeug die Chema GmbH in Rudisleben verlassen. Der geladene Reaktor sollte eigentlich bereits am Dienstagabend am Elbhafen Aken bei Magdeburg ankommen, von wo er dann über Hamburg seine Reise nach Asien antreten sollte.