Mutmaßlicher Kältetod in Erfurt: Trägt die Stadtverwaltung Mitschuld?

Ein Absperrband der Polizei hängt am Fundort einer Leiche (01.03.2018). In der Erfurter Innenstadt ist ein Obdachloser tot aufgefunden worden. Andere Obdachlose hätten den 44-Jährigen am Mittag in einem leerstehenden Gebäude in Bahnhofsnähe entdeckt.
Ein Absperrband der Polizei hängt am Fundort einer Leiche (01.03.2018). In der Erfurter Innenstadt ist ein Obdachloser tot aufgefunden worden. Andere Obdachlose hätten den 44-Jährigen am Mittag in einem leerstehenden Gebäude in Bahnhofsnähe entdeckt.
Foto: WichmannTV/dpa
  • Obdachloser in Erfurt mutmaßlich durch Kältewelle ums Leben gekommen
  • CDU-Fraktion der Stadt baut politischen Druck auf Stadtverwaltung auf
  • Konkurrentin des SPD-Oberbürgermeisters fordert Notfalllösungen

Den Fund einer Leiche in Erfurt am Donnerstag nutzt die CDU-Fraktion im Stadtrat der Landeshauptstadt, um öffentlichen Druck auf die SPD-geführte Verwaltung aufzubauen. Darauf deutet eine Pressemitteilung der Fraktion vom Tagesverlauf hin.

Leiche in Erfurt gefunden - Fotos vom Polizei-Einsatz

Hat Kältewelle erstes Todesopfer in Erfurt gefordert?

"Es ist zu befürchten, dass die aktuelle Kältewelle ein erstes Todesopfer in Erfurt gefordert hat", heißt es dort mit Verweis auf die ungeklärten Todesumstände eines 44-jährigen Obdachlosen, dessen lebloser Körper am Vormittag in der Nähe des Erfurter Hauptbahnhof gefunden worden ist. Laut Polizei gebe es derzeit keinen Hinweis auf Fremdverschulden, ein Tod durch Erfrieren könne nicht ausgeschlossen werden.

Thüringen24-Umfrage: Tun die Städte genug?

Kältewelle war bereits im Vorfeld prognostiziert

Angesichts der prognostizierten Kältewelle habe die Stadträtin Marion Walsmann (CDU), die sich um den Arbeitsplatz des amtierenden Erfurter Oberbürgermeisters Andreas Bausewein (SPD) bewirbt, laut Fraktionsmitteilung bereits am 23. Februar Maßnahmen zum Schutz von Obdachlosen vorgeschlagen: Bausewein und die Verwaltung hätten demnach prüfen sollen, "ob die Containerunterkünfte am Hugo-Preuß Platz/Heinrichstraße als Nachtquartiere für Obdachlose während der Kältewelle genutzt werden können", heißt es dort.

OB-Kandidatin Marion Walsmann fordert Notfalllösungen

"Die Stadt muss in der Lage sein, kurzfristige Notfalllösungen für Menschen ohne festen Wohnsitz bei extremen Wetterlagen zur Verfügung zu stellen. Möglicherweise könnten Ordnungskräfte oder Sozialarbeiter Informationsblätter verteilen, um auf Notfallunterkünfte in Erfurt hinzuweisen", wird OB-Kandidatin Walsmann in der CDU-Mitteilung zitiert.

Das "Haus Zuflucht" leiste bereits vorbildliche Arbeit in diesem Bereich. "Es gibt bereits viele gute Ansätze, aber es kann noch besser werden", heißt es abschließend von der Fraktion im Erfurter Stadtrat.