Paukenschlag: Rot-Weiß Erfurt meldet Insolvenz an

Präsident Frank Nowag und der FC Rot-Weiß Erfurt haben für den Verein Insolvenz angemeldet. Archivfoto)
Präsident Frank Nowag und der FC Rot-Weiß Erfurt haben für den Verein Insolvenz angemeldet. Archivfoto)
Foto: Imago / Karina Heßland-Wissel
  • Rot-Weiß Erfurt meldet Insolvenz an
  • RWE glaubt nicht mehr an Klassenerhalt in 3. Liga
  • Neuanfang durch geordnete Insolvenz?

Der FC Rot-Weiß Erfurt zieht die Reißleine: Laut einer Mitteilung auf seiner Website hat der Verein Insolvenz angemeldet. Demnach sieht der Club den sportlichen Klassenerhalt in der 3. Liga nicht mehr als realistisch an. Das Tabellenschlusslicht hat mittlerweile zwölf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. „Es fehlt somit die Basis für eine positive Fortführungsprognose“, schreiben Präsident Frank Nowag und Vizepräsident Knut Herber. Für den Fall einer Insolvenz sieht die Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Abzug von neun Punkten in der aktuellen Saison vor, der Abstieg in die Regionalliga wäre damit praktisch endgültig besiegelt.

Umfrage zur Insolvenz bei Rot-Weiß Erfurt:

RWE reicht Insolvenzantrag in Erfurt ein

Der Insolvenzantrag sei am Dienstagabend beim Amtsgericht Erfurt eingereicht worden, der Rechtsanwalt Marko Harraß aus der Landeshauptstadt übernehme das Verfahren für Rot-Weiß. Mit der geordneten Insolvenz will der hoch verschuldete Verein „einen klaren Schnitt machen und die Grundlagen für einen Neuanfang schaffen“. Für die Gläubiger sei dies schmerzhaft. In den vergangenen Wochen seien aber auch viele Stimmen laut geworden, die eine Insolvenz als richtigen Schritt erachten, um „gestärkt aus der Krise wieder aufzuerstehen“.

Millionen-Schulden bei Rot-Weiß

Die Erfurter Bilanz zum 30. Juni 2017 wies eine Überschuldung von 5,5 Millionen Euro auf. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten und Verpflichtungen aber auf 8,08 Millionen Euro. Der ehemalige Präsident Rolf Rombach und der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Peter Kästner sind nach dem Leipziger Medienunternehmer Michael Kölmel die größten Gläubiger, jeweils im hohen sechsstelligen Bereich. Sie werden jetzt wohl wie viele andere Geldgeber weitgehend leer ausgehen, damit Rot-Weiß schuldenfrei in die Regionalliga starten kann.

Rot-Weiß Erfurt zählt auf Fans und Sponsoren

Zum Abschluss schreibt die Erfurter Führungsetage: „Die beispielhafte Unterstützung, die unsere Mannschaft nach wie vor durch unsere Fans erfährt, und das Bekenntnis unserer Sponsoren zum Verein bestärken uns darin, die kommenden schweren Monate gemeinsam durchzustehen. Dies wird die Basis sein für den Neuanfang in der kommenden Saison.“

RWE-Fanrat begrüßt Insolvenz-Entscheidung

Der Fanrat von Rot-Weiß Erfurt begrüßte die Entscheidung am Mittwoch: „Aus Sicht der Fans hat es dazu keine Alternative gegeben, nachdem auch sportlich die Möglichkeiten für eine Rettung in der 3. Liga nur noch theoretischer Natur sind“, sagte Sprecher Michael Kummer. Er bot dem Club für die schwere Phase „alle hierfür erdenkliche Hilfe“ an. Dazu gebe es bereits detaillierte Pläne für Aktionen in Erfurt und Umgebung.

RWE zieht Einspruch beim DFB zurück

Am Dienstagabend hatte Rot-Weiß Erfurt seinen Einspruch beim DFB gegen den Punktabzug im Lizenzierungsverfahren zurückgezogen. Der sportliche Verbleib in der 3. Liga war damit noch etwas unwahrscheinlicher geworden.