Endstation Insolvenz? So geht es mit Rot-Weiß Erfurt weiter

Marko Harraß, Sanierungsberater des FC Rot-Weiß Erfurt.
Marko Harraß, Sanierungsberater des FC Rot-Weiß Erfurt.
Foto: Axel Heyder
  • Rot-Weiß Erfurt plant Insolvenz in Eigenverwaltung
  • Rund 200 Gläubiger betroffen
  • RWE will mit neuer Truppe in der Regionalliga starten

Es schwebte seit Monaten wie ein Damoklesschwert über Rot-Weiß Erfurt – am Dienstag war es dann traurige Gewissheit. Der Drittliga-Dino hat beim Amtsgericht Erfurt einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgegeben. Wie es jetzt weitergeht, hat der Verein am Mittwoch in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie will Rot-Weiß Erfurt die Insolvenz angehen?

Anders als bisher kolportiert, plant Rot-Weiß eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das bedeutet, dass vom Gericht kein externer Insolvenzverwalter eingesetzt wird, sondern dass die Geschäftsführung entsprechend Entscheidungen selbst treffen kann. Diesem Antrag muss das Amtsgericht jedoch noch stattgeben. Weil eine Insolvenz eine komplizierte Angelegenheit ist, hat der Verein den Rechtsanwalt Marko Harraß als Sanierungsberater eingesetzt. Er hofft, „dass das Amtsgericht Erfurt unserem Antrag auf Eigenverwaltung Mittwoch stattgibt“.

Wer bezahlt die Angestellten bei Rot-Weiß?

Wie bei einer Insolvenz üblich, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Gehälter der Angestellten – dazu zählen auch die Spieler und Betreuer des Vereins. „Die Gehälter für die letzten drei Monate vor der Insolvenz sind durch das Insolvenzgeld abgedeckt. Wir werden das auch vorfinanzieren über eine Bank. Das heißt, wir wollen die Arbeitnehmer in die Lage versetzen, jetzt sofort das Geld zu bekommen“, erklärt Harraß.

Wer sind die Gläubiger von RWE?

Der Verein geht davon aus, dass es rund 200 Gläubiger gibt. Die genaue Anzahl steht demnach noch nicht fest. Dazu zählen neben größeren Geldgebern wie Ex-Präsident Rolf Rombach auch Fans, die sich 2014 einen Genussschein geholt haben. Dazu kommen Banken, Lieferanten, Security-Firmen, Spielerberater und die Stadt Erfurt. Ob und wie viel ihres Geldes die Gläubiger jemals wiedersehen, wird sich erst im Verlauf des Insolvenzverfahrens herausstellen.

In welcher Liga spielt Rot-Weiß nächstes Jahr?

Aktuell plant Rot-Weiß Erfurt, die Saison 2018/19 in der Regionalliga Nordost zu spielen. „Die Regionalliga sollte möglich sein“, so Harraß. Angesichts der schwierigen sportlichen Situation und des drohenden Abzugs von neun Punkten durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen der Insolvenz ist ein Verbleib im Profi-Fußball der 3. Liga praktisch nicht mehr möglich – und vom Club auch nicht mehr angestrebt. Die Lizenz für Liga vier muss der Verein bis zum 5. April 2018 beantragt haben. Mit welchem Etat Erfurt in die neue Saison geht, ist noch nicht bekannt. Ob dann der direkte Wiederaufstieg gelingt, ist fraglich. Nowag kann sich vorstellen, den Verein langsam wieder aufzubauen und den Aufstieg erst in zwei oder drei Jahren als Ziel auszugeben.

Umfrage zur Insolvenz bei Rot-Weiß Erfurt:

Spielt RWE weiter im Steigerwaldstadion?

Auch in der Regionalliga wird Rot-Weiß im Steigerwaldstadion spielen können. Dazu wird der Mietvertrag neu verhandelt werden müssen und die Stadionmiete würde sich auch verringern. Dafür dürften bei vielen Spielen die Kosten für Catering und Security geringer ausfallen.

Wie wird die Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt nächste Saison aussehen?

Mit welchen Spielern RWE planen kann, steht noch nicht fest. Trainer Stefan Emmerling hofft, dass die Suche nach neuem Personal jetzt einfacher wird, weil Klarheit über den Zustand des Clubs besteht. In jedem Fall wird es aber eine neuformierte Mannschaft sein. „Wir wollen nächste Saison eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen“, gibt der Coach als Ziel vor. Einige aktuelle Spieler könnten sich demnach vorstellen, auch in der kommenden Saison für die Rot-Weißen aufzulaufen. Bevor man sich um Neuzugänge kümmert, müsse jedoch der Etat für die kommende Saison klar sein. Erst dann könne man in Verhandlungen mit aktuellen und neuen Spielern gehen, die Emmerling halten will.

Hätte die Erfurter Insolvenz verhindert werden können?

Immer wieder gab es Überlegungen, den Verein auszugliedern. Laut Präsident Frank Nowag hätte das die jetzige Situation nicht verhindert. „Es sei denn, es wäre ein Investor gekommen, der sich mit einer hohen Millionen-Summe engagiert hätte. Der war nicht in Sicht.“ Mit der Entschuldung durch die Insolvenz sei der Verein nun attraktiver für Investoren. „Das ist ein positiver Aspekt der Insolvenz“, hofft Nowag weiter. Eine Ausgliederung ohne Insolvenz sei nur bei vorheriger Schuldenfreiheit möglich gewesen und daher unrealistisch.