Erfurt verliert Kultur-Standort: Stadtgarten schließt zum Jahresende

Catherina Seeber sieht unter den derzeitigen Bedingungen keine Möglichkeit, den Stadtgarten in Erfurt weiter zu betreiben.
Catherina Seeber sieht unter den derzeitigen Bedingungen keine Möglichkeit, den Stadtgarten in Erfurt weiter zu betreiben.
Foto: Florian Dobenecker
  • Stadtgarten in Erfurt kurz vor dem Aus
  • Betreiber sehen keine Zukunft
  • Denkmalgeschütztes Gelände derzeit ausgeschrieben
  • Doch die Auflagen sind für Kulturschaffende nicht zu erfüllen

„Wir machen nicht weiter. Zu diesen Bedingungen ist das nicht möglich“, Catherina Seeber hat keine Lust mehr. Die Betreiberin des Stadtgartens in Erfurt und ihr Partner, Jörg Pfistner, werden dem Veranstaltungsort im Dalbergsweg am östlichen Rand der Brühlervorstadt Ende des Jahres den Rücken kehren. „Es bleibt uns keine andere Möglichkeit. Finanziell ist das nicht zu machen", so die Kulturschaffende.

2018 können die Erfurter den Stadtgarten noch besuchen

Stadtgarten in jetziger Form vor dem Aus

Die Veranstalterin hat im Gespräch mit Thüringen24 bestätigt, was viele bereits seit ihrem Facebook-Beitrag von Ende Februar vermuteten: „Das Ende des Stadtgartens in seiner jetzigen Form ist besiegelt“, hieß es da. Zu lange sei sie den Schikanen der Stadt schon ausgeliefert. Begonnen habe alles 2015. Der zehnjährige Mietvertrag mit der Stadt lief aus. Seeber und ihr Partner hatten von 2005 bis 2015 etwa 300.000 Euro in die Sanierung und Instandhaltung des Stadtgartens gesteckt und wollten den Vertrag gerne um weitere zehn Jahre verlängern. Doch die Stadt habe das in dieser Form offenbar nicht mehr gewollt. Das zuständige Liegenschaftsamt verlängerte den Vertrag zunächst um ein Jahr – zu wenig Zeit, um Geld in die Hand zu nehmen und in das Gebäude zu investieren, sagt Seeber.

Anfang 2018 informierten die Betreiber bei Facebook über die Zukunft

Betreiber sehen Sanierungsbedarf

Weil die beiden Stadtgarten-Betreiber aber nicht die Flinte ins Korn werfen wollten, nahmen sie den Einjahresvertrag an und hofften darauf, dass die Stadt vielleicht im folgenden Jahr einem längerfristigen Mietvertrag zustimmen würden – es folgte eine Enttäuschung: „Das ist ein Unding. Für die Planung von Konzerten und Veranstaltungen braucht man gut und gerne ein Jahr Vorlauf – ganz zu schweigen von längerfristigen Investitionen“, erklärt Catherina Seeber. „Damit das Gebäude nicht über uns zusammenfällt, muss Geld in die Hand genommen werden“, fügt sie an.

Liegenschaftsamt in Erfurt ist sich keiner Schuld bewusst

Weitere zwei Jahre seien die Stadtgarten-Betreiber vom Liegenschaftsamt vertröstet worden, bis sie im März dieses Jahres vor vollendete Tatsachen gestellt wurden: Seeber und Pfistner können den Mietvertrag nicht verlängern. Bei der Stadt sieht man den Sachverhalt etwas anders, beim Liegenschaftsamt ist man sich keiner Schuld bewusst. Eine Sprecherin sagte gegenüber TH24, dass das Gelände seit geraumer Zeit neu ausgeschrieben werden sollte. Das hätten die jetzigen Mieter gewusst. Bei den zu kurzen Vergabefristen und den mehrmaligen, einjährigen Vertragsverlängerungen hingegen räumt man ein, dass man um die Zwänge der Kulturschaffenden wisse, jedoch der Stadtrat eine Mitschuld trage. Offenbar habe sich das Vergabeverfahren so lange verzögert, weil der endgültige Beschluss auf sich warten ließ.

Stadtrat Beese beanstandet unverhältnismäßigen Mietzins

Wolfgang Beese (SPD), Stadtratsmitglied und Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt Erfurt, geht wiederum davon aus, dass das Liegenschaftsamt getrödelt habe. „Die Vorlage, die der Stadtrat zum Beschluss braucht, ist vom zuständigen Amt viel zu spät gekommen. Wir können keine Vergabe beschließen, ohne das wir dafür eine konkrete Vorlage für das Objekt haben“, schildert Beese, der ebenso beanstandet, dass die vom Amt gestellten Fristen zu kurz seien und der Mietzins unverhältnismäßig hoch ist.

Stadtgarten-Betreiber hält Ausschreibung für utopisch

All diese Diskussionen helfen Catherina Seeber nunmehr wenig. Sie hatte gewusst, dass die Kommune das Stadtgarten-Gelände schon seit Längerem neu ausschreiben wollte. Dies sei auch gar nicht das Problem. Allerdings sei es nicht fair gewesen, dass sie jahrelang nicht über die zukünftigen Mietbedingungen und Pläne informiert wurde – darüber hinaus seien diese ohnehin für Kulturschaffende "utopisch".

Hunderttausende Euro müssen in Stadtgarten investiert werden

Der neue Besitzer muss das Objekt für 90.000 Euro kaufen, komplett unter Denkmalauflagen sanieren und jährlich einen Erbbauzins von knapp 70.000 Euro an die Stadt zahlen. Das Gelände wird für eine Dauer von 50 Jahren ausgeschrieben „Wer um Gottes Willen soll das zahlen“, fragt Seeber: „Mit Kultur verdient man nicht so viel Geld – vor allem nicht mit individueller Subkultur, die Erfurt so dringend braucht.“

Bis Ende 2018 hat der Erfurter Stadtgarten noch geöffnet:

Stadtgarten in Erfurt hat ungewisse Zukunft

Bis Ende 2018 werden Catherina Seeber und Jörg Pfistner den Stadtgarten noch am Leben erhalten. Am ersten Mai eröffnen der Biergarten und die Freilichtbühne, auf der junge Nachwuchsmusiker jeden Freitag ihr Können unter Beweis stellen dürfen. Weiterhin sind Konzerte und Veranstaltungen im großen Saal sowie im Stadtgarten-Club geplant. Im Januar 2019 ist dann Schluss. Selbst wenn sich ein Investor findet, ist klar, dass zum Jahreswechsel erst mal nichts mehr im Stadtgarten passiert. Laut Verwaltung muss der neue Eigentümer zunächst das komplette Objekt sanieren, bevor es wieder für Publikum öffnen kann. Hunderttausende Euro müssten in die Hand genommen werden, um den Stadtgarten für die Zukunft fit zu machen.

Eierlegender Wollmilch-Kulturschaffender gesucht

Dabei bleibt letztlich für Liebhaber der Location die Frage offen: Welcher kleine, individuelle Kulturschaffende kann enorme Geldmengen in das Objekt investieren und gleichzeitig längere Zeit ohne Einnahmen überleben?

Dramatische Geburt: Krämerbrücken-Kater Franz erneut Vater

Das Kätzchen aus Erfurt hat noch keinen Namen. Foto: Doreen Schulz
Das Kätzchen aus Erfurt hat noch keinen Namen. Foto: Doreen Schulz
Foto: Doreen Schulz

Das Katzenbaby von Franz

Erfurts berühmtester Kater, Krämerbrückenkater Franz, ist erneut Vater geworden. Am Mittwochabend hat Ulrike – seine letzte Affäre – ein gesundes Kätzchen zur Welt gebracht.
Do, 12.04.2018, 14.37 Uhr

Erfurts berühmtester Kater, Krämerbrückenkater Franz, ist erneut Vater geworden. Am Mittwochabend hat Ulrike – seine letzte Affäre – ein gesundes Kätzchen zur Welt gebracht.

Beschreibung anzeigen
  • Krämerbrückenkater Franz aus Erfurt ist Vater geworden
  • Es war eine schwierige Geburt
  • Katzenmama Uli und das (eine!) Baby sind wohlauf
Mehr lesen