Muss ich meinem Chef meine private Nummer geben?

Eine Mitarbeiterin des Greizer Gesundheitsamtes weigerte sich, ihrem Chef ihre Handynummer auszuhändigen und kassierte eine Abmahnung. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht in Erfurt nun urteilte. (Symbolbild)
Eine Mitarbeiterin des Greizer Gesundheitsamtes weigerte sich, ihrem Chef ihre Handynummer auszuhändigen und kassierte eine Abmahnung. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht in Erfurt nun urteilte. (Symbolbild)
Foto: dpa
  • Mitarbeiterin protestiert gegen Pflicht, Privatnummer anzugeben
  • Arbeitgeber mahnt Frau zu unrecht ab
  • Pioniersurteil über Datenschutz von Angestellten

Arbeitnehmer sind nach einer Entscheidung des Thüringer Landesarbeitsgerichts grundsätzlich nicht verpflichtet, ihre private Mobilfunknummer beim Arbeitgeber anzugeben. Dieser könne auch auf anderem Weg sicherstellen, dass Beschäftigte im Notfall erreicht werden können, begründete das Gericht am Mittwoch in Erfurt seine Entscheidung. Nur unter besonderen Bedingungen und in engen Grenzen habe ein Arbeitgeber das Recht auf Kenntnis der privaten Handynummer eines Angestellten.

Mitarbeiterin verklagte Gesundheitsamt Greiz

Verhandelt wurde die Klage von Mitarbeitern des kommunalen Gesundheitsamtes gegen den Landkreis Greiz. Sie verlangten mit Erfolg, dass eine Abmahnung aus ihrer Personalakte entfernt wird, weil sie nur ihre private Festnetz-, nicht aber ihre Handynummern für Bereitschaftsdienste angaben. Das Landesarbeitsgericht bestätigte mit seiner Entscheidung ein Urteil des Arbeitsgerichts Gera von 2017 und machte damit deutlich, welches Gewicht der Datenschutz auch im Arbeitsleben hat.

Kollegen sollten abtelefoniert werden

Das Landratsamt wollte, dass Mitarbeiter des Gesundheitsamtes für Bereitschaftsdienste an den Wochentagen von Montag bis Freitag auch ihre Mobilfunknummer hinterlegen. Die Dienste sollten nach dem Zufallsprinzip verteilt werden - die Rettungsleitstelle sollte versuchen, einen der Mitarbeiter zu erreichen. Zwei Behördenangestellten ging das zu weit.

Nicht mehr zur Ruhe kommen

Wenn ein Arbeitgeber die Handynummer eines Beschäftigten habe, sei es für ihn möglich, den Mitarbeiter fast immer und überall zu erreichen, sagte Richter Michael Holthaus. Der Arbeitnehmer könne dann nicht mehr wirklich zur Ruhe kommen. Das sei ein erheblicher Eingriff in Persönlichkeitsrechte, der nur unter ganz besonderen Umständen gegen seinen Willen hinnehmbar sei. Das gelte beispielsweise dann, wenn sich die Arbeitspflichten des Mitarbeiters nicht anders sinnvoll organisieren ließen. Das sei in den vorliegenden Fällen aber nicht so gewesen. Weil Menschen ihre Mobiltelefone heute immer bei sich trügen, sei eine Handynummer auch nicht vergleichbar mit einer Festnetznummer oder einer Wohnanschrift, sagte Holthaus.

Keine Revision möglich

Gegen seine Entscheidung hat das Landesarbeitsgericht keine Revision beim Bundesarbeitsgericht zugelassen. Zwar habe die Frage des Umgangs mit Handynummern grundsätzliche Bedeutung, sagte Holthaus. Allerdings gebe es in beiden Fällen einige Besonderheiten, sodass es nicht geboten scheine, die Fälle den obersten deutschen Arbeitsrichtern vorzulegen.

Komplott am Anger – Rollstuhl-Fahrerin treibt Diebin in die Enge

Am Montagmittag hatte es ein Trio auf eine vermeintlich wehrlose Rollstuhlfahrerin abgesehen. Doch die Frau ließ sich nicht überrumpeln. (Archivbild)
Am Montagmittag hatte es ein Trio auf eine vermeintlich wehrlose Rollstuhlfahrerin abgesehen. Doch die Frau ließ sich nicht überrumpeln. (Archivbild)
Foto: Michael Frömmert
  • Trio will Rollstuhlfahrerin am Erfurter Anger beklauen
  • Paar verwickelt 62-Jährige in Streit
  • Diebin schlägt zu
  • Rollstuhlfahrerin nimmt Verfolgung auf
Mehr lesen