Völlig irre! So verpulvert Erfurt Riesensummen für eine Heizung, die nicht läuft

Im Steigerwaldstadion liegt eine teure Rasenheizung. Doch der FC Rot-Weiß Erfurt hat sie nicht genutzt.
Im Steigerwaldstadion liegt eine teure Rasenheizung. Doch der FC Rot-Weiß Erfurt hat sie nicht genutzt.
Foto: Michael Frömmert
  • Massive Steuerverschwendung in Erfurt
  • Teure Rasenheizung im Steigerwaldstadion
  • Rot-Weiß Erfurt lässt die Heizung kalt
  • Welche Projekte der Bund der Steuerzahler in Thüringen noch anprangert

Erfurt. Der FC Rot-Weiß Erfurt kommt nicht aus den Schlagzeilen – Insolvenz, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, drohendes Ende des Vereins und jetzt das: Der Bund der Steuerzahler (BdSt) prangert den Club und die Stadt für die Rasenheizung im Steigerwaldstadion an. „Völlig nutzlos“, lautet das vernichtende Urteil.

Umfrage zu Rot-Weiß Erfurt:

Rasenheizung im Steigerwaldstadion bleibt kalt

887.313 Euro netto seien ausgegeben worden, um die Wärmequelle einzubauen. Doch angeschaltet wurde sie nie, moniert der Steuerzahlerbund in seinem neuen Schwarzbuch, das am Dienstag vorgestellt wurde. Stattdessen seien die Spiele des langjährigen Fußball-Drittligisten RWE im Winter abgesagt oder verschoben worden.

Rot-Weiß Erfurt zahlt nicht für Rasenheizung

Rot-Weiß Erfurt hätte außerdem 3000 Euro pro Heimspiel an den Erfurter Sportbetrieb – eine Tochter der Stadt – überweisen müssen, um die Investition langfristig wieder hereinzuholen. Die Nutzungsentgelte seien aber nie gezahlt worden, heißt es beim Bund der Steuerzahler. Nicht mal einen entsprechenden Vertrag gab es. Stattdessen seien noch einmal knapp 100.000 Euro für Wartung und Zinsen hinzugekommen.

DFB-Vorschriften und Abwärme aus der Eishalle?

Befürworter hatten zuvor argumentiert, dass die Rasenheizung im Erfurter Steigerwaldstadion schon wegen Vorschriften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nötig sei. Außerdem könne die Abwärme aus der benachbarten Eishalle genutzt werden. Beides stellt sich nun im Schwarzbuch als falsch heraus. Demnach sei die Heizung keine Vorgabe, sondern nur eine Empfehlung des DFB gewesen. Auch die Wärmequelle von gegenüber hätte bei langanhaltend tiefen Temperaturen nicht ausgereicht.

Kita-Sanierung in Erfurt statt Steigerwald-Heizung

Die Vertreter der Steuerzahler sind der Ansicht, dass zusätzliche Leistungen für Profifußballvereine „auch von diesen bezahlt werden“ sollten. Das öffentliche Geld, das hier über der Steigerwald-Heizung weggeschmolzen ist, hätte laut BdSt zur Sanierung der Kita 11 am Moskauer Platz in Erfurt gereicht. „Leider müssen die Kinder laut Investitionsprogramm der Stadt auf das Jahr 2021 warten.“

Blick ins Schwarzbuch: Steuerverschwendung in Thüringen

Im Schwarzbuch sind drei weitere Fälle von Steuerverschwendung in Thüringen aufgelistet:

  • Saalfeld: Der denkmalgerechte Umbau der Orangerie im Schlosspark, um das Jugendzentrum Kleiststraße zu verlagern, lief „völlig aus dem Ruder“. Wegen Umplanungen und zusätzlich nötigen Bauarbeiten wuchsen die Kosten von 560.000 auf gut 1,8 Millionen Euro.
  • Triptis: Die Kosten für die Sanierung einer Grundschule verdoppelten sich von veranschlagten 1,58 Millionen auf 3,34 Millionen Euro.
  • Fischbach: Das Gemeindezentrum „Thüringenbaude“ wird abgerissen – dabei hatte die Gemeinde einen Teil des Gebäudes erst 2009 für 41.000 Euro saniert.