Erfurts längste Beine: Sexismus an der Haltestelle? Sportler sind sauer

Dieses Plakat, auf dem für Erfurts längste Beine beziehungsweise das Schwarz-Weiß Erfurt Volleyteam geworben wird, sorgt für Wirbel.
Dieses Plakat, auf dem für Erfurts längste Beine beziehungsweise das Schwarz-Weiß Erfurt Volleyteam geworben wird, sorgt für Wirbel.
Foto: Michael Frömmert
  • Erfurts längste Beine sorgen für Wirbel
  • Werbekampagne des Schwarz-Weiß Erfurt Volleyteams an Haltestellen
  • Unterstützung und heftige Kritik von anderen Sportlern

Geht es überhaupt noch um Sport? Die Werbekampagne für "Erfurts längste Beine" hat mittlerweile schon Nachahmer gefunden. Doch jetzt melden sich auch Sportler zu Wort, die sauer sind.

Erfurts längste Beine – Umfrage:

Erfurts längste Beine – Werbung für Volleyball

Der Stein des Anstoßes: Die Bundesliga-Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt werben mit Plakaten unter anderem an Erfurter Haltestellen für ihr Team. Fünf Spielerinnen posieren darauf in kurzen Abendkleidern, darüber der Slogan "Erfurts längste Beine sind in der Riethsporthalle Erfurt zu Hause".

Sexismus beim Schwarz-Weiß Erfurt Volleyteam?

Die Kampagne brachte dem SWE-Volleyteam den Vorwurf des Sexismus ein. Gleichzeitig zeigten sich andere Gruppen solidarisch: Das Eishockey-Team Hurricane-V2 beispielsweise präsentierte "Erfurts haarigste Beine", der Thüringer Medienstammtisch "Thüringens unschärfste Beine".

Betroffenheit beim Roller Derby in Erfurt

Anderen Sportlern ist bei der Aktion aber gar nicht zum Lachen zumute: Die Spielerinnen und Spieler vom Roller Derby Erfurt e.V. zeigen sich "getroffen und verärgert". Die beiden Teams verweisen dabei auch auf ein grundsätzliches Problem der Gesellschaft.

"Das verstehen wir als Sexismus"

Frauen seien in der Werbung oft nur Symbolträgerinnen, "die meistens nichts anderes tun, als schöne Bekleidung zu tragen, schön geschminkt zu sein und schön zu lächeln". Dies sei "ein Baustein dessen, was wir als Sexismus verstehen", heißt es in einer Stellungnahme des Roller Derby e.V..

Sportlinnen selten stark dargestellt

Ein solches Frauenbild sei schädlich, etwa wenn Schönheitsnormen der Werbung zu Essstörungen führten. "Viel zu selten werden dagegen Frauen als starke Sportlerinnen, mutige Retterinnen oder selbstbewusste Strateginnen dargestellt", ist der Rollschuh-Verein überzeugt.

Eishockey-Team Hurricane-V2 zeigt haarige Beine auf Facebook:

Kritik an Erfurtts längsten Beinen

Im Streit um "Erfurts längste Beine" sehe das ganz ähnlich aus. "Frauenkörper werden benutzt, um Dinge zu bewerben und zu verkaufen, die mit einer derartigen Inszenierung eigentlich absolut nichts zu tun haben", schreibt der Roller Derby Erfurt e.V.. Abendkleider, High-Heels und perfektes Make-Up hätten demnach wenig mit dem schnellen, strategischen und ausdauernden Volleyball-Spiel der Erfurterinnen in der 1. Bundesliga zu tun.

Verein fordert andere Darstellung im Sport

Die Forderung der Teams lautet daher, auf eine solche sexistische Darstellung zu verzichten. Sportlerinnen sollten so gezeigt werden, wie sie sind: "schnell, ausdauernd, kraftvoll, angestrengt, aggressiv, strategisch, emotional, verschwitzt, kämpferisch."

Roller Derby e.V. zeigt sich tolerant

Der Verein weist außerdem darauf hin, dass im Roller Derby – einem Vollkontaktsport auf Rollschuhen – alle Beinlängen und -breiten vertreten und willkommen seien. Zum Abschluss heißt es: "Und by the way: Auch ganz ohne Beine können Menschen bewundernswerte Sportler*innen sein."