Datenkrake Thüringen? Städte wollen digitale Bürger-Konten und die Angst vorm gläsernen Menschen nehmen

Thüringen testet derzeit ein Modell, bei dem Bürger darüber entscheiden können, ob sie Verwaltungen den Zugriff auf ihre Daten erlauben. Ziel sei, den Menschen die Angst vor einem gläsernen Bürger zu nehmen. (Symbolbild)
Thüringen testet derzeit ein Modell, bei dem Bürger darüber entscheiden können, ob sie Verwaltungen den Zugriff auf ihre Daten erlauben. Ziel sei, den Menschen die Angst vor einem gläsernen Bürger zu nehmen. (Symbolbild)
Foto: Imago/Panthermedia
Kommunikation per App oder Mail. Die Verwaltungen sollen digital werden, Bürgern Papiervordrucke und Behördengänge ersparen. Doch dafür müssen erst die Voraussetzungen geschaffen werden. Thüringen erprobt gerade eine davon.

Thüringen testet derzeit ein Modell, bei dem Bürger darüber entscheiden können, ob sie Verwaltungen den Zugriff auf ihre Daten erlauben. Es solle sichere Bürgerkonten ermöglichen, sagte Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert.

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Digitale Bürgerkonten in Thüringen

Ziel sei, die Menschen selbst über die Nutzung ihrer Daten entscheiden zu lassen und ihnen damit die Angst vor einem gläsernen Bürger zu nehmen. Sichere Bürgerkonten seien ein Baustein, um den Menschen künftig in vielen Bereichen Papiervordrucke und Behördengänge zu ersparen.

Thüringer Verwaltungen gehen digital

Das Modell, das Thüringen als Beitrag zur Debatte um die Digitalisierung der Verwaltung sehe, sei zusammen mit der Bundesdruckerei entwickelt worden. Es werde auch in Berlin vorgestellt. Kern sei, dass die Bürger die Zugriffsrechte auf ihre in den Konten gespeicherten Daten vergeben. Sie hätten damit den Schlüssel dazu, ob die Verwaltungen die Daten einer bestimmten Person zuordnen könnten. Schubert: «Das ist ein Vorschlag, wie der Datenaustausch zwischen Bürgern und Verwaltungen organisiert werden könnte. Wir wollen ihn zur Diskussion stellen.»

Geld und Urkunden digital beantragen

Erprobt werde das Modell in Gera. Als Test könnten interessierte Bürger beispielsweise eine Geburtsurkunde, Kindergeld oder einen Kita-Platz digital beantragen. Für viele Anträge, beispielsweise auf Wohngeld, seien persönliche Dokumente wie Einkommensbescheinigungen nötig, die sich in sicheren Bürgerkonten speichern ließen.

Bürger hat Hoheit über eigene Daten

Ob sie für den Kita- oder den Wohngeldantrag elektronisch abgerufen werden dürfen, entscheide jeder selbst über die Zugriffsrechte. «Bürger haben bei unserem Modell die Hoheit über ihre Daten», sagte Schubert. Er ist in der Landesregierung unter andrem für die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie zuständig.

Gera testet Bürgerkonten

Der Test in Gera laufe bereits und solle Anfang 2019 fortgesetzt werden, sagte der Staatssekretär. Bürger, die ein Verwaltungsanliegen hätten, könnten sich beteiligen. (dpa)