Hackerangriff auch in Thüringen: Welche Daten alle auf Twitter landeten

(Symbolbild)
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Foto: Imago/Panthermedia
Von den Online-Angriffen auf Politiker sind auch Thüringer Abgeordnete und Minister betroffen. Das Landeskriminalamt erstellt eine Gefährdungsanalyse. Mindestens 22 Menschen im Freistaat wurden attackiert.

Mehrere Thüringer Landes- und Bundespolitiker sind von einer massenhaften Veröffentlichung sensibler Daten im Internet betroffen. Darunter sind nach dpa-Informationen vom Freitag auch der Bundesbeauftragte für die Ost-Länder, Christian Hirte (CDU), sowie mehrere Thüringer Minister. Unter anderem tauchen Namen, teils Adressen, Festnetz- und Mobilfunknummern mehrerer Landtags- und Bundestagsabgeordneter verschiedener Parteien in Dokumenten im Netz auf. Politiker der AfD scheinen von dem Datenleck nicht betroffen zu sein.

Persönliche Daten von bekannten Persönlichkeiten auf Twitter veröffentlicht

Wie das rbb-Inforadio als erstes berichtet hatte, wurden bereits vor Weihnachten große Mengen persönlicher Daten und Dokumente von Politikern, Künstlern und Journalisten über Twitter veröffentlicht. Betroffen ist auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

22 Thüringer von Hackern angegriffen

Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums waren bis Freitagmittag 22 Betroffene aus dem Freistaat bekannt. Das Landeskriminalamt erstellt eine Gefährdungsanalyse. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, ob durch die öffentlich gewordenen Daten von einer größeren Gefährdung von einzelnen Betroffenen auszugehen sei, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Über die Online-Angriffe sei auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) informiert worden.

Facebook-Chats von Ost-Beauftragten veröffentlicht

Von dem CDU-Politiker Christian Hirte wurden nach eigenen Angaben möglicherweise auch Facebook-Chat-Protokolle veröffentlicht. «Aus meiner Sicht ist das ein Angriff auf die parlamentarische Demokratie. Es ist offenkundig, dass man Politikern schaden will», sagte Hirte der Deutschen Presse-Agentur. Die Veröffentlichung sensibler persönlicher Daten von Politikern sei ein «Riesen-Problem». Es sei zu befürchten, dass Politiker öffentlich an den Pranger gestellt werden könnten. Von Hirte selbst wurden unter anderem Telefonnummern und seine Adresse veröffentlicht.

AfD von Hackerangriff bisher verschont

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee ist betroffen, wie eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte. Von ihm wurde eine Telefonnummer zugänglich gemacht. Nach Angaben einer Sprecherin der SPD-Fraktion waren auch die SPD-Abgeordneten Thomas Hartung und Frank Warnecke betroffen. Von den Grünen ist unter anderem Thüringens Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) betroffen. Nach Angaben des AfD-Fraktionssprechers ist bislang nicht bekannt, dass Thüringer AfD-Politiker betroffen sind.

Die Thüringer Linke-Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow taucht in den Datensätzen noch mit ihrem alten Namen Susanne Hennig auf. Sie sagte, dass nur bereits bekannte Daten von ihr veröffentlicht wurden. Privates sei nicht darunter.

Betroffene Thüringer sollen informiert werden

Die Linke-Fraktion sei derzeit noch mit der Analyse beschäftigt, wie es in einer Mitteilung der Fraktion hieß. «Eine mögliche Quelle für einen Teil der veröffentlichten Daten könnte eine Hackerattacke auf eine Linke-Landtagsabgeordnete im Oktober vergangenen Jahres gewesen sein», erklärte Hennig-Wellsow. Man wolle das Thüringer Innenministerium darum bitten, eine Auswertung der Daten vorzunehmen und betroffene Personen in Thüringen über den Umfang der veröffentlichten Daten zu informieren.

Hartmut Schubert, IT-Chef des Landes, ließ mitteilen, dass die Daten über Thüringer Politiker nicht aus dem Landesdatennetz kommen. Es gebe dafür nach «bisherigen intensiven Ermittlungen unserer Sicherheitsexperten» keine Anhaltspunkte. IT-Experten aus Thüringen hätten sich bei den Ermittlungen mit Kollegen aus anderen Ländern ausgetauscht, hieß es.