Massen-Anrufe in Thüringen: Sind die fiesen Polizei-Abzocker noch zu stoppen?

Mit Hilfe von Internettelefonie können die Trickbetrüger leicht ihre Nummern fälschen. (Symbolfoto)
Mit Hilfe von Internettelefonie können die Trickbetrüger leicht ihre Nummern fälschen. (Symbolfoto)
Foto: Imago / Photothek

Erfurt. Unbekannte Trickbetrüger haben erneut Senioren in Erfurt um Gegenstände und Bargeld gebracht – diesmal im Wert von 111.000 Euro. Wie die Polizei vermutet, stehen die Fälle in Zusammenhang mit den vermehrten Anrufen von Trickbetrügern seit dem Wochenende.

Telefon-Abzocker versuchen es in Thüringen immer wieder

Eine 79-Jährige und ihr 84-jähriger Ehemann sowie ein 78-Jähriger seien den Betrügern zum Opfer gefallen, die sich am Telefon als Polizisten ausgaben. Zum genauen Tathergang wollte die Polizei am Mittwoch aus ermittlungstaktischen Gründen noch nichts sagen. Beispiele dazu, wie die Abzocker in den vergangenen Tagen in verschiedenen Regionen Thüringens vorgingen, findet ihr in diesem Beitrag.

Mindestens 80 Betrugsanrufe in Erfurt innerhalb eines Tages

Etwa 80-mal haben Trickbetrüger zwischen Dienstag- und Mittwochmorgen allein in Erfurt potenzielle Opfer angerufen und sie nach Bargeldbeständen und Wertgegenständen befragt, hieß es weiter. Seit dem Wochenende wurden somit Hunderte Fälle gemeldet, die Polizei geht von organisierter Kriminalität aus.

Auch in Bad Blankenburg im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist es am Dienstagabend zu drei Betrugsversuchen gekommen. Hier reagierten die beiden Männer und eine Frau richtig und alarmierten die echten Beamten.

Polizei Thüringen warnt auf allen Kanälen

Die Polizei Thüringen hatte am Montag eine erste Warnmeldung herausgegeben: „Die Masche des falschen Polizei- oder Kripobeamten am Telefon hat noch immer Hochkonjunktur. Bitte sprecht dringend mit euren Angehörigen und warnt ganz besonders Oma und Opa vor diesen Anrufen!“, schreiben die Beamten auf sämtlichen Kanälen im Netz. Die Fake-Polizisten wollen euch oder eure Angehörigen um das hart Ersparte bringen, heißt es weiter.

Betrüger suchen alte Namen im Telefonbuch

„Sie räumen regelrecht die Regionen ab“, so ein Sprecher der Thüringer Polizei. Mit Internettelefonie sei es ein Leichtes, Telefonnummern vorzutäuschen. Die Nummern ihrer Opfer wiederum suchen sie sich höchstwahrscheinlich simpel im Telefonbuch aus. Je älter der Name klingt, desto wahrscheinlicher steckt ein gutgläubiger Senior dahinter, müssen sich die Gauner denken.

Mehr zum Thema:

Sollte bei einem Anruf der Verdacht eines falschen Polizisten aufkommen, haben die Ordnungshüter folgende Tipps und Hinweise:

  • Sei misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Bekannte oder Verwandte ausgeben und Geld von dir fordern.
  • Die echte Polizei ruft dich niemals an, um eine Geldübergabe zu verlangen.
  • Gib niemals Auskünfte über familiäre oder finanzielle Verhältnisse (Sparbücher, Bargeld,Schmuck etc.).
  • Rufe den angeblichen Verwandten unter der angezeigten Telefonnummer zurück.
  • Frage nach Begebenheiten oder Details, die nur das echte Familienmitglied wissen kann.
  • Versuche den Anruf zu verifizieren, indem du mit anderen Familienmitgliedern darüber sprichst.
  • Rufe im Zweifel die Polizei auf der 110 an, um die Situation des Anrufs zu verifizieren.
  • Vereinbare Gesprächstermine und Treffen erst für den nächsten Tag und sorge dafür, dass eine Person deines Vertrauens dabei ist.
  • Übergib niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen und gehe nicht mit Fremden zur Bank, um Geld zu holen.
  • Notiere dir die angezeigte Telefonnummer.
  • Erstatte im Verdachtsfall Anzeige bei der Polizei.
  • Sprich mit deinen Angehörigen über das Thema und warne vor der Masche.

(dpa, maf, aj)