Nazi-Glocken läuten in Thüringer Kirchen – warum jetzt Ermittlungen drohen

Einige Glocken in Thüringer Kirchen sollen Nazi-Insignien tragen. (Symbolfoto)
Einige Glocken in Thüringer Kirchen sollen Nazi-Insignien tragen. (Symbolfoto)
Foto: dpa

Sechs Kirchenglocken mit Bezug zum Nationalsozialismus machen der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland in Thüringen Probleme. Wird daraus ein Justizverfahren?

Erfurt. Wegen sechs NS-Glocken in fünf Kirchen in Thüringen ist gegen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und gegen Landesbischöfin Ilse Junkermann Strafanzeige gestellt worden. Man prüfe allerdings noch, ob Ermittlungen aufgenommen werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt am Dienstag.

Nazi-Glocken hängen noch in Kirchen in Thüringen

Die Anzeige beziehe sich auf den Paragrafen 86a im Strafgesetzbuch, der unter anderem das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen untersagt. Zuvor hatten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber berichtet.

NS-Glocke mit Hakenkreuz: Wer zeigte die Kirche an?

Die betroffenen Glocken seien für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und nur zu hören, nicht aber zu sehen, sagte ein Sprecher der EKM. "Die Verantwortung für die Glocken liegt bei den Kirchgemeinden. Deshalb halten wir eine Anzeige gegen Frau Junkermann für deplatziert." Ein offizielles Schreiben zu der Strafanzeige liege der EKM bislang nicht vor. Auch nähere Angaben zu ihrem Urheber gab es zunächst nicht.

Früheren Medienberichten zufolge trägt eine der Glocken zum Beispiel die Inschrift "Gegossen im zweiten Jahre der nationalen Erhebung unter dem Fuehrer und Kanzler Adolf Hitler". Daneben finde sich ein gebundener Kranz mit Hakenkreuz.

Die Landeskirche wolle die betroffenen Kirchgemeinden dabei unterstützen und beraten, einen angemessenen Umgang mit den NS-Glocken zu finden, sagte der Sprecher. Dafür sei ein Treffen Mitte April geplant.

Frisches Gerichtsurteil zu Nazi-Kirchenglocke in Herxheim

Eine Kirchenglocke mit NS-Bezug im rheinland-pfälzischen Herxheim hatte 2017 für Schlagzeilen gesorgt. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz entschied vor zwei Wochen, dass die umstrittene Glocke in der Kirche hängen bleiben darf. Sie ist mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift "Alles fuer`s Vaterland – Adolf Hitler" versehen.

Der Gemeinderat hatte beschlossen, die Glocke "als Anstoß zur Versöhnung und Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht weiterhin hängen zu lassen". Außerdem soll in dem pfälzischen Ort eine Mahntafel angebracht werden. (dpa)