Wirbel bei SPD um Sarrazin-Lesung in Erfurt: "Rassistische und herabwürdigende Thesen"

Am 22. Mai soll der umstrittene Autor und Politiker Thilo Sarrazin (SPD) in Erfurt lesen. Vielen gefällt das so gar nicht.
Am 22. Mai soll der umstrittene Autor und Politiker Thilo Sarrazin (SPD) in Erfurt lesen. Vielen gefällt das so gar nicht.
Foto: imago/IPON
  • SPD-Landtagsabgeordneter lädt Thilo Sarrazin nach Erfurt ein
  • Dafür kassiert er von seiner Partei massive Kritik
  • Kreisverband Erfurt geht auf Distanz

Erfurt. In der SPD richtet sich immer mehr Widerstand gegen die geplante Buchvorstellung von Thilo Sarrazin in Erfurt. Jetzt geht auch der Kreisverband Erfurt auf Distanz.

SPD Kreisverband Erfurt distanziert sich von Sarrazin

Man sei weder organisatorisch noch inhaltlich an einer Veranstaltung beteiligt, ließ der Kreisvorsitzende Raik-Steffen Ulrich am Sonntag erklären. Es handle sich um keine Verbands-Veranstaltung.

"Darüber hinaus distanzieren wir uns von rassistischen, elitären, herabwürdigenden und verallgemeinernden Thesen Thilo Sarrazins", so Ulrich. Die SPD sei schon immer die Partei der Aufsteiger und kleinen Leute gewesen.

Unabhängig von Geschlecht, sozialer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder anderen vermeintlichen Merkmalen kämpfe die SPD für Chancengerechtigkeit. "Das ist mit den Ansichten Thilo Sarrazins wenig vereinbar", so Ulrich.

Helmerich lädt Sarrazin nach Erfurt ein

Eingeladen wurde der umstrittene Autor und frühere Politiker von dem thüringischen SPD-Landtagsabgeordnete. Oskar Helmerich. Zuvor hatten sich auch schon die Landtagsfraktion sowie der Landesverband der Sozialdemokraten von der Sarrazin-Lesung distanziert.

Die für den 22. Mai geplante Lesung aus Sarrazins islamkritischem Buch "Feindliche Übernahme" sei «ein unabgesprochener Alleingang von Oskar Helmerich, keine Veranstaltung der Thüringer SPD", schrieb SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee am Samstag auf Twitter.

Derzeit läuft ein drittes Parteiausschluss-Verfahren der SPD auf Bundesebene gegen Sarrazin, der früher auch Finanzsenator in Berlin und Bundesbankvorstand war. Nach der Veröffentlichung des Buchs, in dem Muslime als Bedrohung dargestellt werden, hatte die SPD-Spitze den 74-Jährigen erst aufgefordert, die Partei freiwillig zu verlassen.

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Auch die Thüringer Jusos forderten, die Veranstaltung abzusagen. "Sarrazin ist ein Rassist. Seine Thesen haben den Hass stärker gemacht und die Neue Rechte beflügelt. Sie sind das Gegenteil von Sozialdemokratie", twitterte Juso-Chef Oleg Shevchenko.

Oskar Helmerich, der zunächst für die AfD im Landtag saß und im Streit um den Kurs von Landeschef Björn Höcke zur SPD wechselte, hatte Sarrazin zu der Lesung in Erfurt mit anschließendem Streitgespräch eingeladen - vier Tage vor der Europawahl am 26. Mai und wenige Monate vor der Thüringer Landtagswahl am 27. Oktober. (ck/dpa)