Nazi-Glocken in Erfurt: Darum ist jetzt Ruhe im Kirchturm

Ansicht einer Kirchenglocke.
Ansicht einer Kirchenglocke.
Foto: dpa

Erfurt. Die NS-Glocken auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) sollen nicht mehr erklingen. Darauf haben sich Vertreter der betroffenen Kirchgemeinden geeinigt, wie die EKM am Freitag mitteilte. Sechs der insgesamt neun Glocken schwiegen ohnehin schon. In zwei Gemeinden müsse noch der Gemeindekirchenrat zustimmen.

Landen die Glocken im Museum?

Die EKM selbst plane eine wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Gemeinden sollen selbst entscheiden, wie sie mit den Glocken weiter umgehen. Denkbar sei etwa eine Abgabe an Museen.

Im vergangenen Jahr war es zu einer öffentlichen Diskussion gekommen, nachdem bekannt geworden war, dass es auf dem Gebiet der EKM in einigen Gemeinden noch Glocken aus der Zeit des Nationalsozialismus gibt, auf denen unter anderem Hakenkreuze zu sehen sind.

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"Die kritische Auseinandersetzung mit diesen beschämenden Zeugnissen unserer Geschichte nehmen wir sehr ernst", teilte EKM-Gemeinde-Dezernent Christian Fuhrmann am Freitag mit. Auch der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, war laut EKM bei dem Treffen am Freitag dabei. Ein weiteres Treffen soll es noch vor Sommer geben.

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Eine Strafanzeige unter anderem wegen Volksverhetzung gegen die EKM und Landesbischöfin Ilse Junkermann hatte die Staatsanwaltschaft Erfurt abgelegt. Die Behörde ordnete sah im Fall der Glocken keine "öffentliche Verwendung von Nazisymbolen". Auch billige das Läuten nicht die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft, hieß es zur Begründung im März diesen Jahres.

Eine Kirchenglocke mit NS-Bezug im rheinland-pfälzischen Herxheim am Berg hatte 2017 Schlagzeilen ausgelöst. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz wies schließlich im Januar 2019 eine Klage eines Bürgers gegen die Glocke ab. Die sogenannte "Hitler-Glocke" darf im Turm der evangelischen Kirche in dem Ort hängenbleiben. (dpa)