Deshalb zocken in Erfurt jetzt Senioren auf der Konsole

Zum offiziellen Projektstart probierte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) das Spielsystem aus.
Zum offiziellen Projektstart probierte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) das Spielsystem aus.
Foto: Martin Schutt / dpa
  • Spielkonsolen sind nach landläufiger Meinung eher etwas für junge Leute
  • Ein bundesweites Modellprojekt will nun zeigen, dass sie sich auch für Pflegebedürftige eignen – und deren Fitness fördern.

Erfurt. In Thüringen wird getestet, ob Videospiele Pflegebedürftige körperlich und geistig fit halten. In einem Erfurter Seniorenheim können die Bewohner seit Dienstag dafür eine Spielkonsole mit eigens für sie entwickelten Spielprogrammen nutzen. Diese sollen etwa Beweglichkeit, Konzentration und Ausdauer bei Pflegebedürftigen fördern, wie die Krankenkasse Barmer mitteilte.

Pflegeheime bekommen Spielkonsolen für ein Modellprojekt

Die Kasse koordiniert ein bundesweites Modellprojekt, in dem die Effekte des Spielens an der Konsole wissenschaftlich erforscht werden. In Thüringen sollen drei Heime in den Test einbezogen werden. Bundesweit sind es insgesamt 100 Pflegeeinrichtungen. Für den Test werde den Heimen die Spielkonsole ein Jahr lang zur Verfügung gestellt, bei Interesse könnten sie sie anschließend kaufen.

Lebensnahe Situationen für Pflegebedürftige nachempfunden

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Humboldt-Universität Berlin, der Berliner Charité und der Alice Salomon Hochschule Berlin. Laut Krankenkasse empfinden die Spiele lebensnahe Situationen, zum Beispiel eine Motorradfahrt oder einen Ausflug auf die Kegelbahn, nach. Gesteuert werden sie über Körperbewegungen, die von einer Spezialkamera aufgenommen werden.

Bodo Ramelow versucht sich auch an der Konsole

Zum offiziellen Projektstart probierte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) das Spielsystem aus. Entwickelt wurden die Spiele von einem Hamburger Start-up-Unternehmen. Sie sollen auch von körperlich stark eingeschränkten Pflegebedürftige, etwa Menschen im Rollstuhl, genutzt werden können.

In Thüringen leben 115.000 Pflegebedürftige. (dpa)