Flugzeug rauscht im Tiefflug über Erfurt – was es damit auf sich hat

Der letzte der sieben in Erfurt gelandeten Rosinenbomber machte sich am Dienstag auf den Heimweg. (Foto aus Berlin)
Der letzte der sieben in Erfurt gelandeten Rosinenbomber machte sich am Dienstag auf den Heimweg. (Foto aus Berlin)
Foto: Paul Zinken / dpa

Erfurt. Im Tiefflug ist am Dienstag ein historisches Flugzeug über Erfurt gerauscht. Nicht weit über den Dächern der Thüringer Landeshauptstadt zog die Propellermaschine gleich mehrere Bahnen.

Was hatte es damit auf sich?

Rosinenbomber fliegen über Berlin – und landen in Erfurt

Es war der letzte von sieben sogenannten Rosinenbombern, die am Sonntag am Flughafen Erfurt-Weimar gelandet waren, nachdem sie zuvor ihre Runden über Berlin gedreht hatten.

Die Oldtimer-Flugzeuge hatten am Sonntag das Tempelhofer Feld gekreuzt und waren für Zuschauer und Kameraobjektive gut sichtbar. Die insgesamt 20 Flugzeuge des Modells Douglas DC-3 waren in Faßberg in Niedersachsen gestartet. Mit dem Flug sollte an die legendäre Luftbrücke vor 70 Jahren erinnert werden.

Alte Propeller-Flugzeuge über Erfurt gesichtet

Eine Landung auf dem einstigen Berliner Innenstadt-Flughafen Tempelhof war diesmal allerdings nicht möglich, weil die Piloten keine Landeerlaubnis bekommen hatten.

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Einige Flugzeuge fliegen von Erfurt in die USA

So mussten die historischen Flugzeuge nach Thüringen fliegen und am Airport Erfurt-Weimar Station machen. Es sei kurzfristig angefragt worden, ob die Oldtimer der Lüfte in Erfurt landen könnten, sagte ein Flughafen-Sprecher am Montag auf Anfrage.

"Es war kein Notfall, es ging um Landemöglichkeiten." Im Laufe des Montags seien sechs der Maschinen vom Typ DC-3 wieder gestartet, so konnten sie erneut über Erfurt und anderen Regionen in Thüringen beobachtet werden. Am Dienstag hob nun also das siebte Flugzeug ab. Einige von ihnen hätten sich auf den Weg in die USA gemacht – die Strecke werde von den historischen Flugzeugen mit Zwischenstopps bewältigt.

Rosinenbomber versorgen Berlin aus der Luft

Berlin hatte bereits am 12. Mai mit einer Feier an die Luftbrücke erinnert. Während der sowjetischen Berlin-Blockade vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 hatten die Westalliierten per Flugzeug Hilfsgüter in den von der Außenwelt abgeriegelte Westteil der Stadt gebracht – daher der liebevolle Begriff „Rosinenbomber“. Mit fast 280.000 Flügen versorgten Amerikaner, Briten und Franzosen mehr als zwei Millionen Einwohner mit fast zwei Millionen Tonnen lebenswichtiger Fracht wie Lebensmitteln und Kohle.

Sowjets kappen Verbindungen nach West-Berlin – Alliierte reagieren mit Luftbrücke

Vom niedersächsischen Faßberg wurden rund 70 Prozent der Kohletransporte nach Berlin geflogen. Die Alliierten hatten sich zur Luftbrücke entschlossen, nachdem die Sowjets die Autobahnen in die Westsektoren Berlins am 24. Juni 1948 sperrten. Sämtliche Straßen, Eisenbahnlinien und Wasserwege nach West-Berlin wurden gekappt.

Rosinenbomber über Thüringen abgestürzt

Wie der MDR berichtet sollte die Route auch deswegen über Thüringen führen, weil eines der Versorgungsflugzeuge am 4. März 1949 zwischen Großengottern und Heroldishausen abgestürzt war.

Der Erfurter Flughafen hat derzeit freie Kapazitäten für Starts und Landungen. Grund ist die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania, die einen großen Teil des Charterverkehrs in Erfurt zu Reisezielen vor allem am Mittelmeer bestritten hatte. Hauptgesellschafter des Flughafens in Erfurt ist das Land Thüringen. (maf, dpa, js)