Erfurt: Mann stirbt nach Polizeigewahrsam – Todesursache weiter unklar

Ein Mann wurde am Freitag in Erfurt festgenommen. Nur einen Tag später war er tot. (Symbolbild)
Ein Mann wurde am Freitag in Erfurt festgenommen. Nur einen Tag später war er tot. (Symbolbild)
Foto: Bundespolizei

Erfurt. Nachdem ein Mann vor anderthalb Wochen nach Polizeigewahrsam in Erfurt gestorben war, ist die Todesursache weiter unklar.

Das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung, die die Jenaer Gerichtsmedizin durchführte, liege noch nicht vor. Das erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt am Montag.

Das war passiert: Ein 32 Jahre alter Mann hatte am 20. Juli versucht, einen Rucksack zu stehlen. Daraufhin wurde er festgenommen. Bereits in Gewahrsam benahm der sich aber äußerst merkwürdig. Nur einen Tag später war er gestorben.

Erfurt Hauptbahnhof: Mann stirbt nach Gewahrsam der Polizei

Weil die Polizei festgestellt hatte, dass sich der Mann unerlaubt in Deutschland aufhielt sowie wegen des Diebstahls prüfte die Staatsanwaltschaft noch am Freitag ein beschleunigtes Verfahren. Doch sie lehnte es ab.

Bei der Vernehmung etwa eine Stunde später sei der Mann schließlich ständig eingeschlafen, woraufhin die Staatsanwaltschaft forderte, den Verdächtigen zu entlassen.

Polizei findet Mann leblos in Zelle

„Weil er aber kurz darauf in seiner Zelle fest schlief, entschieden die Polizisten, den Mann schlafen zu lassen“, berichtet der Staatsanwalt.

Die Zelle sei noch regelmäßig kontrolliert worden. Um 3.15 Uhr jedoch stellten die Beamten fest, dass der Mann nicht mehr atme.

Die Beamten begannen, ihn wiederzubeleben, ein Notarzt habe ihn sogar noch stabilisieren können.

Verdächtiger stirbt in Krankenhaus in Erfurt

Am Samstag gab es dann die ernüchternde Nachricht aus dem Krankenhaus: Der Mann ist am Abend gestorben.

Weil der Mann bei seiner Festnahme eine größere Menge Drogenersatz-Medikamente bei sich trug, hatte man bereits dort einen Notarzt konsultiert. Der soll den Beamten bescheinigt haben, dass der Beschuldigte in Gewahrsam genommen werden könne.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Eine Obduktion am Montag habe laut MDR-Bericht noch keinen Hinweis zur Todesursache erbracht.

Mann stirbt in Gewahrsamszelle in Erfurt: Schwere Vorwürfe aus der Politik

Einen Verdacht auf strafrechtlich relevantes Handeln einzelner Beteiligter habe sich bisher nicht ergeben, so der Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen. Aus politischen Reihen hingegen werden schwere Vorwürfe erhoben.

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„Nach den bisher vorliegenden Informationen kommt womöglich der Tatbestand der Freiheitsberaubung infrage, möglicherweise auch unterlassene Hilfeleistung durch Wegnahme der Medikamente“, kommentiert Sabine Berninger, Abgeordnete der Linke.

Sabine Berninger spricht von institutionellen Rassismus

So sei zum Beispiel die Frage zu stellen, ob der Mann über seine Rechte und die ihm zur Last gelegten Vorwürfe aufgeklärt und nach der Notwendigkeit der Medikamenteneinnahme gefragt wurde, so die Politikerin. „Und zwar in einer Sprache, die er verstehen und in der er sich verständlich machen kann und auch von den Beamten verstanden wird."

Toter Mann aus Erfurt wird zum Politikum

Bei dem toten Mann handelt es sich nach Angabe der Linke Thüringen um einen Algerier.

Die Politikerin, die auch Sprecherin für Flüchtlingspolitik ist, vermutet einen institutionellen Rassismus bei der Bundespolizei. Und verweist etwa auf den Todesfall in Kleve, als ein unschuldig Inhaftierter Opfer eines Brandes wurde.

Der Fall soll nach dem Willen der Thüringer Links- und SPD-Fraktion Thema im Justizausschuss werden. Man werde den Koalitionspartnern einen Fragenkatalog für den Justizausschuss vorschlagen, teilte ein Sprecher der Linksfraktion am Dienstag mit. (aj)