Erfurt: Großrazzia gegen Bande in Thüringen und Sachsen-Anhalt – das war die perfide Methode der Schleuser

Großrazzia in Erfurt und Co.: Die Polizei führt den Hauptbeschuldigten ab.
Großrazzia in Erfurt und Co.: Die Polizei führt den Hauptbeschuldigten ab.
Foto: Polizei

Erfurt. In Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Ichtershausen (Thüringen) und Braunsbedra (Sachsen-Anhalt) ist es am Dienstagmorgen zu einer Großrazzia der Polizei gekommen. Beamte der Bundespolizei Mitteldeutschland schlugen in der Früh gleichzeitig zu, um die Verdächtigen zu überraschen.

Zwei Hauptverdächtige seien in Erfurt festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

Bei den Durchsuchungen ging es demnach um den Verdacht organisierter Schleuserkriminalität.

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Erfurt: Großrazzia in Thüringen und Sachsen-Anhalt – 800 Beamte im Einsatz

Seit Herbst 2018 hat die Bundespolizei ermittelt. Knapp ein Jahr später war es soweit: Mit Durchsuchungsbefehlen in der Hand standen 800 Polizisten auf der Matte von zwölf Wohnhäusern und gewerblich genutzten Räumlichkeiten. Neben Büros nahmen die Einsatzkräfte auch einen Viehzuchtbetrieb unter die Lupe.

Dabei gingen den Beamten unter anderem die beiden Hauptverdächtigen ins Netz. Es handelt sich um ein ukrainisches Ehepaar (35 und 39).

Ehepaar soll illegale Arbeiter aus Osteuropa eingeschleust haben

Den beiden Hauptbeschuldigten wird nach Angaben der Bundespolizei vorgeworfen, Menschen aus Osteuropa illegal eingeschleust zu haben und mit falschen Ausweisen als billige Arbeitskräfte an Firmen in Deutschland verliehen zu haben. Das Ehepaar wurde festgenommen und noch am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt.

Insgesamt trafen die Beamten in den Unterkünften auf mehr als 100 Personen. Mindestens acht von ihnen hielten sich illegal in Deutschland auf, teilte die Polizei mit. Außerdem sichern die Einsatzkräfte zahlreiche Beweise, die auf illegale Schleusertätigkeiten hinweisen.

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So gingen die Schleuser vor

Die Methode der Schleuser: Ihnen wird vorgeworfen gezielt Menschen aus Osteuropa, insbesondere aus der Ukraine und aus Moldau, eingeschleust zu haben. Vor Ort sollen die Migranten vor allem in die Fleischindustrie vermittelt worden sein.

Von ihren Löhnen sollen ihnen die Kosten für Unterkunft, Transport und Verpflegung von der Bande direkt abgezogen. Dadurch soll am Fiskus vorbei in den Taschen der Bande geflossen sein. Die Polizei geht von einem hohen Schaden für die Sozialkassen aus. Den ausgebeuteten Arbeitern blieb dann nicht mehr viel von ihrem Lohn.

Großrazzia auch in Norddeutschland

Auch in Norddeutschland kam es am Dienstag zu einer Großrazzia der Polizei. Hier waren 1.200 Einsatzkräfte mit dem Schwerpunkt Bad Bramstedt und Neumünster im Einsatz. Im Fokus: Bauunternehmen.

Auch hier geht es unter anderem um das Einschleusen illegaler Arbeitskräfte und Passfälschungen, aber auch um den Verdacht des schweren Sozialversicherungsbetrugs und der schweren Steuerhinterziehung. (ak)