Landtagswahl in Sachsen: So reagiert Erfurt auf die Ergebnisse im Osten – „Der Rückenwind der Dummen!“

Die AfD hat bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg mächtig abgeräumt. In Thüringen betrachtet man die Ergebnisse verbreitet mit Sorge. (Symbolbild)
Die AfD hat bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg mächtig abgeräumt. In Thüringen betrachtet man die Ergebnisse verbreitet mit Sorge. (Symbolbild)
Foto: dpa

Erfurt. Sachsen und Brandenburg haben die Wahlen hinter sich – Thüringen stehen sie noch bevor. Kein Wunder also, dass der Freistaat die Landtagswahl Sachsen mit Argusaugen beobachtet hat.

Die Ergebnisse – eine mögliche Prognose für den Freistaat? Die Reaktionen – überwiegend besorgt.

Landtagswahl Sachsen 2019: Reaktionen aus Erfurt

In knapp acht Wochen steht in Thüringen die Landtagswahl an. Ein radikaler Umbruch kündigt sich an. Denn die Ergebnisse der neuen Länder zeigen einen enormen Rechtsruck im Osten. Die ersten politischen und medialen Reaktionen aus Thüringen ließen nicht lange auf sich warten. Doch wie sieht es mit den Meinungen der Menschen auf der Straße aus? Wir haben nachgefragt.

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Afd-Erfolg bei den Landtagswahlen: "Erschreckend, aber nicht überraschend"

In Sachsen wie auch in Brandenburg ist die AfD jetzt zweitstärkste Kraft. Für viele zwar beunruhigend, „aber nicht überraschend“, so meint auch die 33-Jährige Sissi. Der Frust ist groß: „Ich erwarte gar nichts mehr von den Wahlen und Thüringen und von der Politik. Die AfD steigt höchstens noch weiter an“, ergänzt Marco (43) in Sorge.

„Es ist erschreckend, es ist deprimierend“, erzählen Sarah (29) und Silke (29) unserer Redaktion. „Das macht mir Angst, dass die AfD so einen hohen Prozentsatz hat“.

Die SPD hat in Sachsen und Brandenburg rund fünf bis sechs Prozent an Stimmen eingebüßt, die CDU sogar bis zu 7,4 Prozent. Besonders für die jüngere Generation ist das offenbar gar keine Überraschung.

SPD-Pleite in Sachsen: "Selbstverschuldet"

„Das war absehbar. Zum Glück ist die AfD nur die zweistärkste Kraft“, meint ein 19-Jähriger am Anger in Erfurt. „Das die SPD so stark abgefallen ist, ist selbstverschuldet. Die Mitte springt gerne einfach nach rechts oder links.“

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Ein 16-Jähriger erzählt, der Wahlomat habe ihm ausgespuckt, er sympathisiere mit der SPD. Das sieht er jedoch anders. „Sie vertritt einfach nicht mehr das, was sie mal war: eine Arbeiterpartei“, heißt es von dem Jugendlichen. „Die Stichelpartei – die AfD – sie nutzt diese Unzufriedenheit der Leute aus. Aber auch sie setzt sich nicht für die Arbeiter ein“, ist sich der 16-Jährige sicher und hofft, dass in Thüringen „nicht so viel blau“ gewählt wird.

"AfD soll Einfluss nehmen"

Die 45-Jährige Katja beobachtet nach eigenen Angaben den Trend zu Blau in ganz Deutschland. „Ich wünschte mir es wäre wieder etwas wie früher.“ Demnach solle die CDU regieren, die FDP viel, viel stärker werden und optimaler Weise sollte: „die AfD mit versuchen Einfluss zu nehmen“, so die 45-Jährige.

AfD in Thüringen: "Rückenwind der Dummen"

„Denn sie macht nicht alles verkehrt. Sie spricht vieles aus, was die Leute wollen“, erklärt sie. Doch in der Umsetzbarkeit sieht Katja Probleme. „Da herrschen zu viele Unruhen innerhalb der Partei. Hier in Thüringen profitiert die AfD von dem Rückenwind der Dummen, die sich leicht beeinflussen lassen durch plumpe Parolen“, merkt sie jedoch an.

Während unserer Umfrage haben wir durchaus weitere Unterstützer der AfD getroffen, die aber ein Gespräch mit uns verweigerten. Auf Facebook hingegen sieht das ganz anders aus.

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Dort regnet es reihenweise blaue Herzen, wie unter dem Beitrag über die Wahl-Ergebnisse. „Ich hoffe in Thüringen gewinnt die AfD<3<3<3!!!“, heißt es zum Beispiel von Iris und an anderer Stelle: „dann sind endlich diese Altparteien weg und es kommt etwas frischer Wind.“

AfD-Erfolg "Schuld der Altparteien"?

„Ich bin sprachlos, dass es noch so viele Realitätsverweigerer gibt, die CDU SPD und Grüne wählen.“, schreibt ein anderer Nutzer. „Es ist kein Schock, sondern das Versagen der sogenannten Volksparteien“, meint Wolfgang und trifft damit den Nerv der meisten Pro-AfDler in der Kommentarspalte.

„Der Grund ist doch das die ALTPARTEIEN NICHT mehr für die kleinen Leute da sind.“, bemängelt zum Beispiel Vera. „Hätten die etablierten angeblichen volksparteien ihre Arbeit ordentlich gemacht, gäbs die afd garnicht“, ist sich Uwe sicher.

27. Oktober: Landtagswahl in Thüringen

In Thüringen wird am 27. Oktober der neuer Landtag gewählt. 2014 hatte die Linke dort ihr historisch bestes Ergebnis mit 28,2 Prozent erzielt. Seither regiert Bodo Ramelow mit SPD und Grünen.

In Umfragen ist die Linke in Thüringen aktuell stärkste Kraft vor CDU und AfD. In Sachsen und Brandenburg erlitt die Partei dagegen am Sonntag massive Verluste, sie landete in beiden Ländern nur noch bei knapp über 10 Prozent der Stimmen. Das Regierungsbündnis aus SPD und Linken in Brandenburg steht nun vor dem Aus.