Erfurt: DDR-Mosaik wieder aufgehängt – deshalb ist es so besonders

Das Mosaik von Josep Renau ist in Erfurt eingeweiht worden.
Das Mosaik von Josep Renau ist in Erfurt eingeweiht worden.
Foto: dpa

Erfurt. Ein Stück der ehemaligen DDR ist zurück in Erfurt gelandet: Das aus 70.000 bunten Glasfliesen zusammengesetzte DDR-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ hängt wieder am Moskauer Platz, dort wo es früher schon einmal hing.

Ende Oktober wurde die letzte Platte von Josep Renaus Kunstwerk am Moskauer Platz in Erfurt angebracht. „Ein Stück Zeitgeschichte kehrt an den Moskauer Platz zurück“, sagte der Kulturbeigeordnete der Stadt Erfurt, Tobias Knoblich.

Am Dienstag wurde es offiziell eingeweiht.

Erfurt: DDR-Mosaik von Josep Renau hängt wieder am Moskauer Platz

Vier Jahre lang war das etwa 7 mal 30 Meter große Wandbild des spanischen Künstlers (1907-1982), der zu DDR-Zeiten auch Werke in anderen ostdeutschen Städten gestaltete, aufwendig und mühsam restauriert worden. Erst nach dem Tod Renaus 1984 war das Mosaik fertiggestellt worden.

Bis 2012 hing es an einem Kultur- und Freizeitzentrum in der damaligen Plattenbausiedlung. Vor Abriss des Zentrums wurde das denkmalgeschützte Werk durch enormes Bürgerengagement gerettet. Das Wandbild wurde abgenommen und in Containern gelagert. Nun hängt es an einer tonnenschweren Betonkonstruktion an einem Einkaufszentrum am Moskauer Platz.

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Die meiste Kunst aus der DDR sei mittlerweile verschwunden

Viele Kunst aus der DDR sei inzwischen verschwunden, sagte Knoblich. „Zum Teil übereilt, zum Teil aber auch berechtigt.“ Für die Stadt sei es ein tolles kulturpolitisches Zeichen, dass sie sich qualifiziert und differenziert mit DDR-Kunst auseinandersetze.

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Die Leute haben damit ein identitätsstiftendes Denkmal wieder zurück, wie Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, sagte. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Ludwigsburg hat den Großteil des etwa 800.000 Euro teuren Projekts beigesteuert, etwa 20 Prozent kamen von Land und Stadt.

Erfurter sind begeistert vom DDR-Mosaik am alten Platz

Und tatsächlich sind viele Erfurter begeistert, das DDR-Mosaik wieder in der Stadt begrüßen zu dürfen. Bei Facebook etwa überschlägt sich die Begeisterung zum Renau-Mosaik förmlich:

  • Das Motiv meiner Kindheit.
  • Find ich großartig! Wem haben wir das eigentlich zu verdanken, dass das Mosaik wieder an seinen Platz kommt? Sehr gut!!
  • Sehr geil!
  • Endlich wieder da wo es hingehört
  • Schön das es wieder da ist. Ich habe es sehr vermisst.
  • ich finde es Super das es wieder da ist

Kommunistischer Künstler Renau fertigte auch Bilder in Halle an

Der Kommunist Renau studierte an der Kunstakademie in Valencia und hatte während der spanischen Republik kulturpolitische Ämter inne. Er organisierte etwa für sein Heimatland den Pavillon für die Weltausstellung 1937 mit Picassos berühmten Bild „Guernica“. Unter der Diktatur vom Francisco Franco flüchtete Renau zunächst nach Mexiko. 1958 siedelte er in die DDR um. Er lebte in Berlin und fertigte auch große Wandbilder in Halle an, wie etwa das Mosaik „Die friedliche Nutzung der Atomenergie“.

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Sein Bild in Erfurt zeigt mit geometrisch abstrahierten Formen wie Technik und Natur für eine bessere Gesellschaft nutzbar werden. „Ein für die damalige Zeit optimistischer und zugleich utopischer Ansatz, der weder die Kritik an den ökologischen Missständen in der DDR und der restlichen Welt, noch das Bewusstsein um die begrenzte Verfügbarkeit natürlicher Rohstoffe für menschliche Belange aufgreife“, schreibt die Stiftung dazu.

Ganz fertig ist das Mosaik in Erfurt noch nicht

Nicht alle Originalglasmosaikteile sind erhalten geblieben. Ersatzteile wurden in Italien mundgeblasen. Enorm viele Risse musste sein Team in den einzelnen Teilen fachgerecht abdichten, wie Restaurator Gustav van Treeck erklärte. Auch der verwendete Mörtel habe den Fachleuten zu schaffen gemacht. (dpa/lin)