DDR-Mauerfall in Thüringen: Paar aus Erfurt flüchtete in den Westen – jetzt hat es diesen Wunsch

Katrin Linke und Karsten Brensing aus Erfurt flüchteten 1989 aus der DDR in den Westen.
Katrin Linke und Karsten Brensing aus Erfurt flüchteten 1989 aus der DDR in den Westen.
Foto: imago

Erfurt. Ein Jahr lang hatten sich Katrin und Karsten auf ihre Flucht vorbereitet. Das Paar aus Erfurt geschafft, was über hundert andere Menschen das Leben kostete. Im Juli 1989 flohen sie aus der DDR in den Westen – vier Monate bevor die Mauer im Herbst '89 geöffnet wurde.

30 Jahre ist das nun her. Mittlerweile ist das Paar nach Erfurt zurückgekehrt. Und erzählt seine unglaubliche Geschichte.

DDR-Mauerfall in Thüringen: Paar aus Erfurt gelingt unglaubliche Flucht

Am 5. Juli 1989 starteten Katrin Linke und Karsten Brensing aus Erfurt ihre abenteuerliche und genauso gefährliche Mission. Sie wollten einfach nicht mehr in der DDR bleiben. Also hatten sie ein Jahr lang trainiert, gefastet, geplant – und dann war der Tag gekommen, der Tag, an dem die Flucht beginnen sollte.

Doch es schien zunächst aussichtslos, alle Versuche in den Westen zu gelangen, misslingen. Das junge Paar sieht nur noch einen Ausweg.

Flucht aus der DDR – Paar muss sich trennen

Die beiden Erfurter beschließen, sich zu trennen. Ohne zu wissen, ob dem Partner die Flucht in den Westen gelingt, ohne zu wissen, ob und wann sie sich wiedersehen werden, machen sich Katrin und Karsten auf getrennten Wegen auf in Richtung Westen. Und schaffen das schier Unmögliche.

+++ 30 Jahre Mauerfall in Thüringen: Darum wird die Grenze HIER wieder hochgezogen +++

Karsten reist nach Ungarn. Von dort schwimmt er er eine Nacht lang durch die Donau nach Jugoslawien.

Katrin gelingt die Flucht mithilfe zweier Stuttgarterinnen, die sie kennengelernt hat. Unter der Rückbank ihres VW-Polos versteckt, nehmen sie Katrin mit über die Grenze.

30 Jahre später – Paar hat diesen Wunsch

2019 – 30 Jahre später – erzählt das Paar über seine Flucht in einem Buch. Es heißt „Liebe ohne Grenzen“. Die beiden haben die große Hoffnung, dass sich ihre Wegbegleiter, die Menschen, die ihnen bei ihrer Flucht geholfen haben, darin wiedererkennen und sich bei ihnen melden.

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Der Mauerfall:

  • In der Nacht von Donnerstag, 9. November 1989, auf Freitag wurde die Mauer in Berlin geöffnet
  • 28 Jahre lang, von 1961 bis 1989, hatte die Mauer Ost- und West-Deutschland getrennt
  • Mindestens 327 Menschen verloren bei dem Versuch, die innerdeutsche Grenze zu überwinden, ihr Leben. Die Dunkelziffer ist weitaus höher.
  • Zur Öffnung der Mauer führten unter anderem Massenkundgebungen in der Wendezeit, Forderungen nach Reisefreiheit, anhaltende Flucht großer Bevölkerungsteile der DDR in die Bundesrepublik Deutschland
  • Eine Pressekonferenz des SED-Chef Ost Berlins, Günter Schabowski, die live im Fernsehen und im Radio übertragen wurde, gilt als „Auslöser“ für die Maueröffnung
  • Schabowski antwortete auf die Frage, wann die Ausreisefreiheit in Kraft tritt, mit den Worten: „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich.“
  • 2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. In Berlin findet anlässlich des historischen Ereignisses die Festivalwoche „30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall“ statt

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„Viele Menschen sind sich in diesen dramatischen Wochen begegnet, haben gemeinsam Abenteuer erlebt und Ängste durchstanden. Ohne Adresse, E-Mails oder gar Handys, war es unmöglich, in Kontakt zu bleiben und so wurden aus intensiven Bekanntschaften Erinnerungen“ so Katrin.

Treffen für alle DDR-Flüchtlinge geplant

Außerdem plant das Paar gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft e.V. ein Treffen aller DDR-Flüchtlinge, Fluchthelfer und Bürger eines geeinten Deutschlands, um die „politische Kraft einzelner und die Macht von Flüchtlingsströmen“ zu feiern, so heißt es auf der Homepage ihres Projektes: www.picknick-ohne-grenzen.de.

Das Treffen soll im Vorfeld der Wiedervereinigungsfeier am 3. Oktober 2020 stattfinden. (fno/aj)