Erfurt: Er tötete sein Kind – dann wird er selbst zum Opfer

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Erfurt. Er hat sein Kind getötet – fahrlässig. So lautete das Urteil, bevor der Mann ins Gefängnis wanderte. Dort sollte er offenbar dafür büßen – und wird selbst zum Opfer. Nun erhebt er in Erfurt schwere Vorwürfe gegenüber der Justiz.

Erfurt: Prozess um misshandelten Verurteilten – schwere Vorwürfe

Fünf Jahre ist der schwere Übergriff von Gefangenen auf einen Mithäftling her. Gegen den mutmaßlichen Haupttäter hat nun der Prozess in Erfurt begonnen. Nicht er, sondern sein Opfer meldete sich in der Verhandlung zu Wort - und machte auch der Justiz Vorwürfe.

Zu Prozessbeginn gegen einen Mann, der im Gefängnis in Tonna einen Mithäftling misshandelt haben soll, hat der Angeklagte geschwiegen. Er wolle sich zunächst nicht in dem Verfahren äußern, sagte der 38-Jährige am Freitag vor dem Landgericht Erfurt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war der Mann Teil einer vierköpfigen Gruppe, die 2014 einen anderen Häftling mit Schlägen und Tritten so schwer verletzte, dass das Opfer Prellungen und einen Knochenbruch erlitt. Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftliche Körperverletzung und Nötigung.

Erfurt: Prozess um Misshandlung im Gefängnis – Angeklagter schweigt

Die Angreifer hätten gewusst, dass der Gefangene wegen der Tötung eines Kindes verurteilt worden sei, sagte der Staatsanwalt. am Freitag in Erfurt.

Deshalb hätten sie den Mann in seiner Zelle aufgesucht. Der Angeklagte habe den Gefangenen mindestens 15 Mal mit der Faust geschlagen und ihn getreten.

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Nach der Misshandlungen hätten die Angreifer ihr Opfer noch ins Bad bringen wollen, sagte der Staatsanwalt. Das sei ihnen aber nicht gelungen. Dabei habe der Angeklagte dem Mitgefangenen mehrfach gedroht, ihn umzubringen.

Prozess in Erfurt: Vorwürfe gegenüber der Justiz

Der Angegriffene gab an, er wisse zwar nicht mehr genau, wer ihn damals wie oft geschlagen und getreten habe. Der Angeklagte sei aber derjenige gewesen, der ihm am häufigsten und am härtesten zugesetzt habe.

Er machte schließlich auch der Thüringer Justiz Vorwürfe. Er habe während des Übergriffs mehrfach auf einen Alarmknopf gedrückt, der in seiner Zelle vorhandenen gewesen sei. „Die Glocke funktionierte nicht.“ Erst später, nach Ende des zehn bis fünfzehn Minuten dauernden Angriffs habe der Knopf funktioniert. Mitarbeiter des Gefängnisses seien zu Hilfe gekommen.

Mann wirkte bei Aussage ängstlich

Der Mann wirkte bei seiner Aussage ängstlich, beantwortete Fragen nur ganz kurz. Zu Beginn erklärte er, er wolle eigentlich keine Angaben machen. Erst als der Vorsitzende Richter ihm sagte, er habe kein Aussageverweigerungsrecht und solle statt den Angeklagten die Richter ansehen, begann er. Der Angeklagte dagegen tippte während der Aussage des Mannes auf seinem Handy.

Nach Angaben des Staatsanwaltes sind drei der vier Angreifer bereits verurteilt worden. Dem in diesem Verfahren Angeklagten wirft die Behörde noch weitere Gewalttaten im Gefängnis gegen andere Mithäftlinge sowie die Beleidigung von Justizwachtmeistern vor. Auch diese Taten sollen sich 2014 ereignet haben. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 26. November angesetzt.