Der Waschbär vom Weihnachtsmarkt: Experte verrät, warum das Tier in Erfurt erschossen werden MUSSTE – „Genau richtig gehandelt“

Auf dem Weihnachtsmarkt Erfurt gab es tierischen Besuch. Doch das endete tödlich.
Auf dem Weihnachtsmarkt Erfurt gab es tierischen Besuch. Doch das endete tödlich.
Foto: dpa

Erfurt. Invasiv! Dieser lateinische Begriff fällt derzeit oft in Verbindung mit dem Waschbären, der am Wochenende über den Weihnachtsmarkt Erfurt torkelte und für mächtig Aufsehen sorgte.

Schlussendlich wurde der kleine Kerl von der Feuerwehr Erfurt gefangen und von einem Jäger erschossen. >>> hier mehr dazu. Das sorgte für reichlich Entsetzen. Doch es habe kaum eine Alternative gegeben, erklärt Stadtsprecher Daniel Baumbach auf Nachfrage von Thüringen24.

Weihnachtsmarkt Erfurt: Waschbär musste erschossen werden

„Der Waschbär sieht natürlich niedlich aus, ist aber gefährlich. Er beißt und ist eine invasive Art“. „Invadere“ bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „eindringen“. Der Waschbär ist eben nicht in der Großstadt heimisch und neigt dazu, sich dermaßen auszubreiten, dass er der Flora und Fauna schädigt.

+++ Weihnachtsmarkt Erfurt: Waschbär erschossen – Leute rasten aus! „Sch*** Aktion“ +++

„Deshalb hat die Feuerwehr auch genau richtig gehandelt“, bestätigt Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands Thüringen. Er findet: Das Thema wurde „viel zu emotional hochgepusht“. Er betont auch, dass man nicht wisse, ob das Tier nicht auch an der Viruserkrankung Staupe gelitten habe, die sich auf Hunde und Katzen ausbreiten könne. Auch als Vorsichtsmaßnahme wurde das Tier also erschossen.

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War der Waschbär betrunken?

Ob der Waschbär wirklich betrunken war, konnte die Stadt nicht sagen. Möglich sei neben der Staupe-Krankheit auch das Fressen von Rattengift. Überprüft wurde es allerdings nicht, so Baumbach.

Genau wie der Stadtsprecher verweist auch er auf das geltende Gesetz „Verordnung zur Bekämpfung invasiver Arten“ mit der Nummer 1143/2014 nach EU-Recht. Sie stehen seit 2016 auf der Liste der unerwünschten Tier- und Pflanzenarten.

Waschbären dürfen nicht mehr freigelassen werden

Wenn Waschbären einmal gefangen wurden, darf das Wildtier nicht mehr zurück in den Wald gelassen werden, verdeutlicht Baumbach. Demnach gibt es zwei Möglichkeiten, wie mit einem eingefangenen Waschbären verfahren wird:

  • Er wird getötet
  • Er wird an eine Wildtierauffangstation übergeben, die sich lebenslänglich um das Tier kümmern müssen
  • Ein Tierheim sei keine Option, da diese nur für Haustiere gedacht sind

Die Population der Waschbären steige aber exponentiell. Allein in der vergangenen Woche wurden vier Waschbären im Stadtgebiet durch einen Jäger eingefangen. „Und der Jäger erschießt das Tier auch nicht gern. Dazu muss er gewissermaßen gezwungen werden“, so der Sprecher. So will es das Jagdrecht - wie auch bei Wild muss sich der Jäger um die angefahrenen oder verletzten Tiere kümmern.

Vier Waschbären bereits gefangen

Auch Herrmann macht eine Dimension klar: 11.000 Waschbären wurden in diesem Jahr im gesamten Freistaat getötet. Vor zehn Jahren seien es „nur“ ein Zehntel gewesen. Und der Waschbär bedroht Flora und Fauna, kann sich aggressiv verhalten und ist eine Gefahr für Vögel und Amphibien. Auch Menschen sollten sich von ihm fern halten und nicht füttern, warnt die Stadt.

Wenn du jetzt an Tierschutz denkst, ist auch die Einstellung des Nabu hinsichtlich des Waschbären eher ernüchternd. Denn der Naturschutzbund sagt: „Die flächendeckende Bejagung hat auf die Bestandsdichte von Waschbären kaum einen Einfluss. Die Tiere können Verluste durch eine erhöhte Fortpflanzungsrate wieder ausgleichen.“

Nabu will strukturreichere Landschaft

Der Naturschutzbund fordert aber weiterhin, dass die Landschaft strukturreicher gestaltet werden sollte, damit kleine Säugetiere und Vögel Schutz vor dem Waschbären finden.

Bleibt zu hoffen, dass der Waschbär im Winter wieder mehr Futter in den Wäldern findet, damit er als Kulturfolger sich nicht mit dem Lebensraum der Menschen kreuzt, damit es nicht noch mehr tote Waschbären geben muss. (js)