Moschee-Bau in Erfurt – Mohammad Suleman Malik: Ein bestimmter Teil Deutschlands ist radikal

Suleman Malik, Sprecher der Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, steht im Rohbau der neuen Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat.
Suleman Malik, Sprecher der Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, steht im Rohbau der neuen Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat.
Foto: Martin Schutt/zb/dpa

Erfurt. Die Bauarbeiten für das Grundgebäude der Moschee in Erfurt sind fast abgeschlossen. Noch fehlten eine Kuppel und ein Turm, teilte Mohammad Suleman Malik, Sekretär der Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, der Deutschen Presse-Agentur mit.

Weil es schwierig gewesen sei, regionale Unternehmen für die Bauarbeiten zu finden, könne die Gemeinde das muslimische Gotteshauses in Erfurt nun erst in diesem Jahr eröffnen, statt wie geplant bereits im November 2019.

Zum neuen Jahr äußert sich Malik besorgt über die politische Entwicklung in Thüringen.

Moschee-Bau in Erfurt – Malik: „Dieser Rechtsruck schadet der heimischen Wirtschaft“

Baufirmen wollten sich nach Darstellung Maliks etwa nicht beteiligen, da sie Übergriffe auf ihre Fahrzeuge und Anfeindungen befürchteten. Andere hätten abgelehnt, weil sie schlicht nichts mit einem Moscheebau zu tun haben wollten.

„Ich kann das auch ein wenig nachvollziehen; ein Unternehmer hat nach eigener Aussage Aufträge verloren, weil sich seine Beteiligung am Moscheebau herumgesprochen hat“, sagte Malik. Für ihn zeigt sich darin ein grundsätzliches Problem: „Es ist nicht nur die Religionsfreiheit und der gesellschaftliche Friede bedroht. Dieser Rechtsruck schadet der heimischen Wirtschaft.“

Mancher Protest von Moscheegegnern gestaltete sich in der Vergangenheit etwa in Form umstrittener Demo-Züge und Schweinekadavern in der Nähe des Baugeländes.

„Ein Teil Deutschlands will zurück in die 30er Jahre“

Malik fühlt sich aber nicht nur durch den Protest gegen die Moschee an eigentlich vergangene Zeiten in Deutschland erinnert: „Das Landtagsergebnis ist ein weiterer Beweis dafür, dass ein Teil Deutschlands zurück in die 30er Jahre will.“

Für ihn sei das Ergebnis der Wahl, bei der die AfD mit 23,4 Prozent zweitstärkste Kraft wurde, ein Beweis dafür, dass ein bestimmter Teil Deutschlands radikal sei. „Hassprediger“ der AfD hätten Wählern jahrelang Angst und Panik eingetrichtert.

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Rund 100 Muslime gehören zur Ahmadiyya-Gemeinde

Mehr als 7000 Muslime leben nach Schätzungen des Büros der Thüringer Beauftragten für Integration im Freistaat. Nur ein kleiner Teil von ihnen gehört zur Ahmadiyya-Gemeinde: Malik spricht von etwa 100 Muslimen. Die genaue Zahl schwanke aber, etwa wegen Studierenden.

Eine größere Familie sei 2019 neu dazugekommen, so Malik. Der Moscheebau sei ein Anreiz für sie gewesen, nach Erfurt zu kommen.

Die Ahmadiyya-Bewegung wurde Ende des 19. Jahrhunderts im heutigen Pakistan gegründet und hat eigenen Angaben zufolge zehn Millionen Anhänger. Diese bilden häufig auch in islamischen Ländern eine Minderheit. Die Bewegung ist bei anderen muslimischen Gemeinden umstritten und wird teils ausgegrenzt.

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Die Ahmadiyya-Gemeinde selbst präsentiert sich als liberal und offen, gilt anderen aber auch als konservativ. In Erfurt hatte die Gemeinde im November zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938 zu einer symbolisch schützenden Menschenkette vor der Synagoge der Landeshauptstadt aufgerufen. (dpa)