Holocaust-Gedenktag: Muslimische Gemeinde mit eindringlichen Worten: „Wieder mitten unter uns!“

Am Montag dem 27. Januar wird weltweit den Opfern von Auschwitz-Birkenau gedacht.
Am Montag dem 27. Januar wird weltweit den Opfern von Auschwitz-Birkenau gedacht.
Foto: imago images / ZUMA Press

Erfurt. Im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz wird an diesem Montag an die Befreiung vor genau 75 Jahren erinnert und der Millionen Toten des Holocaust gedacht. Zu der Gedenkveranstaltung werden Delegationen aus etwa 50 Staaten und etwa 200 Überlebende in dem Ort in Südpolen erwartet.

Auch in Erfurt meint die Jugend der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft: „Erinnern heißt Verantwortung übernehmen!“ Auch sie beteilige sich „an Gedenkveranstaltung für alle NS-Opfer am Denkmal für alle Opfer des KZ Buchenwald in der Gedenkstätte Buchenwald.“

Auschwitz-Gedenktag: Muslimische Gemeinde wehrt sich gegen Vorwürfe

„Unsere Generation kann es nicht ungeschehen machen, aber Sie kann Verantwortung übernehmen und sich dafür einsetzen, dass nie wieder sei, was war!“, ist der Vorsitzende Mohammad Suleman Malik überzeugt. Der Ahmadiyya-Vertreter weiter „Jeder/e von uns trägt diese Verantwortung, denn es ist dasselbe Böse und es ist wieder mitten unter uns!“

Ebenfalls wehrt er sich gegen Vorwürfe des CDU-Politikers Philipp Amthor, dass Antisemitismus vor allem muslimisch sei.

Ehemalige KZ-Häftlinge in Auschwitz erwartet

Zu den Gästen in Auschwitz zählen unter anderem Israels Präsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Polens Staatsoberhaupt Andrzej Duda wird eine Rede halten. Auch vier ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers sollen zu Wort kommen.

Steinmeier will sich am Morgen zunächst im Schloss Bellevue mit drei Überlebenden des Holocaust treffen, die anschließend mit ihm zu der Gedenkveranstaltung in Auschwitz fliegen werden.

„Es gibt heute keine Einzeltäter mehr“

Der Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, forderte, der Staat müsse sich wehrhaft gegen den neuen Antisemitismus zeigen. Dies gelte auch gegenüber denen, die zu gleichgültig seien, um Auslöser des Judenhasses aus ihren Internetportalen zu löschen.

„Es gibt heute keine Einzeltäter mehr, es gibt eine gesellschaftliche Atmosphäre, die von einigen gesteuert wird. Der Staat müsse die veränderten Realitäten auf diesem Sektor sehr viel stärker und kalkulierter in den Blick nehmen, als er das bisher getan habe.

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Allein eine Millionen Opfer in Auschwitz-Birkenau

Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-45) wollten die Nationalsozialisten die europäischen Juden systematisch ermorden.

Ihrem Rassenwahn fielen nach Erkenntnissen von Forschern rund sechs Millionen Juden zum Opfer.

Sie wurden in Gaskammern umgebracht, erschossen, starben durch Todesspritzen und medizinische Versuche, manche ließen die Nazis gezielt verhungern. Allein in Auschwitz-Birkenau gab es nach Schätzungen mehr als eine Million Opfer, die meisten Juden.

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Steinmeier wird keine Rede in Auschwitz halten

Steinmeier wird in Auschwitz keine Rede halten - anders als in Yad Vashem, wo er als erstes deutsches Staatsoberhaupt überhaupt sprach. Dabei bekannte er sich zur deutschen Schuld am Holocaust und sagte den Schutz jüdischen Lebens heute zu.

Er räumte ein, dass es in Deutschland wieder Übergriffe auf Juden und einen „kruden Antisemitismus“ gebe. Der Bundespräsident betonte, es dürfe kein Schlussstrich unter das Erinnern an den Holocaust gezogen werden.

Steinmeier und Rivlin wollen nach der Gedenkveranstaltung in Auschwitz gemeinsam in der deutschen Regierungsmaschine nach Berlin fliegen. Dort werden sie am Mittwoch an der Gedenkveranstaltung des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus teilnehmen und Reden halten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird an diesem Montag in Berlin den polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki treffen. Beide wollen am Abend an einem Gedenkkonzert in der Staatsoper Unter den Linden teilnehmen. (dpa/mb)