Thüringen: Kunden stürmen Apotheken – denn sie wollen alle DAS!

Lieferenpässe könnten den Apotheken in Thüringen bald Schwierigkeiten bereiten. (Symbolbild)
Lieferenpässe könnten den Apotheken in Thüringen bald Schwierigkeiten bereiten. (Symbolbild)
Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Thüringen. Ausverkauft, vergriffen, nicht mehr lieferbar! Kunden räumen in Apotheken in Thüringen geradezu jegliche Lager leer. Denn die Angst vor Ansteckung ist groß! Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen.

Coronavirus in Thüringen: Verdachtsfälle und große Sorge

Vier bestätigte Fälle in Bayern, drei Verdachtsfälle in Thüringen – für viele Grund genug zur Sorge und vor allem Anlass aufzurüsten! Und das ganz nach chinesischem Vorbild:

In Wuhan, dort wo der Erreger ausgebrochen ist, tragen die Menschen Atemschutzmasken. Und auch in Thüringen wollen sich die Menschen jetzt schützen. In vielen Apotheken sind die Masken jetzt schon ausverkauft. Ob Nachschub kommt, bleibt ungewiss.

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Apotheken in Thüringen und Erfurt: Atemschutz-Masken stark gefragt

Die Nachfrage an Mundschutz-Masken sei seit einer Woche stark gestiegen, bestätigen etwa die Apotheken in Erfurt und auch der Präsident der Landesapothekenkammer Thüringen (Lakt) Roland Schreiber.

Während seine Marien-Apotheke in Erfurt noch auf einen guten Vorrat an Schutzmasken zurückgreifen kann, sieht es in anderen Filialen ärger aus. „Man kann gar nicht so viel nachbestellen, wie verkauft wird“, heißt es etwa aus der Schwan-Apotheke in der Bahnhofsstraße. Die Sorge um einen bevorstehenden Engpass ist groß.

Nachbestellungen seien jedoch schon in Auftrag gegeben. Ob diese aber ankommen? In der Osterland-Apotheke in Schmölln verriet man, dass die Atemschutzmasken beim Großhändler gar nicht mehr verfügbar seien.

Die Plus-Apotheke im Erfurt Anger kann sich hingegen freuen: „Wir haben noch Nachlieferungen bekommen“.

Doch hilft ein solcher Mundschutz überhaupt gegen das Coronavirus?

Wie sinnvoll sind die Atemschutz-Masken?

Mediziner Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg sagt ganz klar: „Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig.“ Die Gesundheitsbehörden würden sich „hervorragend“ kümmern, darauf könnten sich die Bürger verlassen. Aber trotzdem...:

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Das schützt WIRKLICH vor dem Coronavirus

Es würde durchaus Sinn machen, beispielsweise als Grippeerkrankter einen solchen Mundschutz zu tragen, um andere Menschen zu schützen. „Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, betont Bernd Salzberger. Die Wirkung sei nicht besser als mit einem Schal vor Mund und Nase.

Generell sollten sich Menschen von den aktuellen Bildern aus China nicht täuschen lassen. Dort würden Masken grundsätzlich häufiger getragen, vor allem wegen der Luftverschmutzung.

Viel wichtiger zum Schutz vor dem Coronavirus sei nach Angaben des Robert Koch-Instituts eine gute Händehygiene, das Einhalten von „Husten- und Nies-Etikette“ und das Abstandhalten zu Erkrankten.

Im Hauptverbreitungsland China sind bereits mehr als 100 Menschen an der Infektion gestorben – die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen.

SO gefährlich schätzen Experten das Coronavirus für Menschen Deutschland ein

Bei aller Vorsicht machen die Verantwortlichen immer wieder klar: „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibt nach unserer Einschätzung weiterhin gering“, wie etwa Gesundheitsminister Spahn am Dienstag betont. „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“

Auch Chefarzt Wendtner hält eine ganz andere Gefahr für viel größer. „Aus meiner Sicht wäre dieser Fall Anlass genug, noch mal die Grippeschutzimpfung in den Vordergrund zu rücken.“ Denn selbst wenn in den nächsten Wochen weitere Menschen in Deutschland am Coronavirus erkranken sollten – an der Influenza starben in der Saison 2017/2018 bundesweit rund 25 000 Patienten.(aj, abr mit dpa)