Erfurt bekommt 120 Flüchtlinge – CDU sauer: „So kann das Land Thüringen nicht mit Erfurt umgehen“

Bis zu 120 Flüchtlinge sollen in der Jugendherberge in Erfurt untergebracht werden. (Symbolfoto)
Bis zu 120 Flüchtlinge sollen in der Jugendherberge in Erfurt untergebracht werden. (Symbolfoto)
Foto: dpa

Erfurt. 32 Flüchtlinge sind vorübergehend in die Jugendherberge an der Hochheimer Straße in Erfurt eingezogen. Das Land hat das Gebäude am Donnerstag kurzfristig zu einer Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl erklärt. 120 Menschen können dort aufgenommen werden.

Doch das Vorgehen des Freistaats stößt auf heftige Kritik. „So kann das Land Thüringen nicht mit Erfurt und den Anwohnern umgehen“, heißt es aus den Reihen der CDU.

Erfurt: 120 Flüchtlinge sollen einziehen – es hagelt Kritik

Am Donnerstagabend sind die ersten 32 Flüchtlinge eingetroffen, in den nächsten Tagen sollen es wohl 112 werden. Sie sollen dort zunächst während der Corona-Krise bleiben – so lange, bis sie wieder an Landkreise und Städte zugeteilt werden können, berichtet die Thüringer Allgemeine Zeitung. Die aktuellen Umstände machen das zurzeit unmöglich.

Trotzdem kann etwa die CDU-Fraktion im Stadtrat Erfurt diese Entscheidung nicht nachvollziehen. „Dieser Schritt der Landesregierung kommt völlig überraschend“, zeigt sich Fraktionschef Michael Hose verärgert.

Die CDU-Fraktion halte den Standort für ungeeignet besonders unter dem Aspekt der Sicherheit. Zudem müssen in der Zeit der Corona-Krise Standards der Hygiene sowohl in der Herberge, als auch in deren Umfeld gewährleistet werden. Das sei insgesamt schon keine leichte Aufgabe. Deshalb können die Flüchtlinge dort nur übergangsweise bleiben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Laut Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) habe die Stadt in den Verhandlungen erfolgreich darauf bestanden, dass die Nutzung der Jugendherberge nur auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist. Außerdem sollen nur Frauen, Kinder und Familienväter, aber keine allein stehenden Männer neu in Erfurt untergebracht werden.

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„Unsolidarisch“ – mehr Flüchtlinge in Erfurt als in anderen Kommunen

Es sei schwer vermittelbar, warum Erfurt weiter die Hauptlast bei der Unterbringung tragen soll, kritisiert die CDU. Bereits in der Vergangenheit haben viele Landkreise viel weniger Flüchtlinge aufgenommen. „Das ist unsolidarisch.“

Auch Bausewein mahnte er eine größere Solidarität zwischen den Kommunen an. „Es gibt einige Landräte in Thüringen, die sich große Mühe geben, dass möglichst viele Migranten ihren Landkreis schnell wieder verlassen“, sagte er gegenüber der Thüringer Allgemeinen.

In Erfurt lebten zurzeit 6904 Menschen mit Flüchtlingshintergrund.