Erfurt: Ärger um neuen Namen für Nettelbeckufer – „Teil der Erfurter Geschichte“

Das Nettelbeckufer in Erfurt könnte schon bald umbenannt werden. Die Diskussionen sind im vollen Gange!
Das Nettelbeckufer in Erfurt könnte schon bald umbenannt werden. Die Diskussionen sind im vollen Gange!
Foto: imago images / Karina Hessland / screenshot

Erfurt. In Erfurt soll das Nettelbeckufer im Norden der Stadt umbenannt werden – das ist der Plan der Organisation „Decolonize Erfurt“. Die Straße an der Gera soll bald Gert-Schramm-Ufer heißen.

Doch das schlägt hohe Wellen in Erfurt.

Erfurt: Nettelbeckufer soll umbenannt werden – heftige Diskussion!

Die Organisationen „Decolonize Erfurt“ und „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ machen sich für eine Umbenennung der Straße in Erfurt stark.

Der Grund: Namensgeber der Straße ist der preußische Seefahrer Joachim Nettelbeck. Dieser war am transatlantischen Versklavungshandel beteiligt und trieb das Kolonial-Bestreben in Preußen voran.

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Neuer Namensgeber solle nun ein echtes Vorbild „für das demokratische Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Solidarität“ werden, fordern die Initiativen in einem offenen Brief. Bald schon solle die Straße daher „Gert-Schramm-Ufer“ heißen.

Gert Schramm wurde 1928 am Nettelbeckufer 15 geboren. Weil er dunkelhäutig war, wurde er mit 14 Jahren von den Nationalsozialisten verhaftet und später ins Konzentrationslager in Buchenwald verschleppt, welches er überlebte.

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„Die Umbenennung des Nettelbeckufers in Gert-Schramm-Ufer ist eine Chance für Erfurt, diesen überfälligen Schritt zu tun und den Raum der Erinnerung zu erweitern“, schreibt die Initiative.

Erfurter gegen Umbenennung

Aber nicht alle Erfurter scheinen damit einverstanden zu sein.

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Auch in den sozialen Netzwerken ist eine Diskussion über die Umbenennung der Straße entbrannt.

  • „das Nettelbeckufer so weiter Nettelbeckufer bleiben ... das ist ein Teil Erfurter Geschichte und mit ist egal was der vor 100 Jahren gemacht hat oder nicht ... finde die Aktion unsinnig“
  • „Ich finde den Ansatz dieser Bewegung sehr gut und begrüße die Überlegungen und die Auseinandersetzung mit Nettelbeck ausdrücklich.“
  • „Nichts gegen den Herrn Schramm als solchen, aber da gibt es sicher in absehbarer Zeit in Erfurt die eine oder andere neue Straße, die seinen guten Namen tragen sollte... Bin aber strikt dagegen, dass das Nettelbeckufer umbenannt wird!“
  • „Richtig so. Wieso soll man Menschen weiter verherrlichen, die Menschen versklavt haben. Verstehe nicht, wie man sowas gut heißen kann.“
  • „Das Nettelbeck Ufer gehört zu Erfurt, sehe keinen Sinn in der Umbenennung, kostet nur Geld und das kann anders besser verwendet werden“
  • „Im Einzelfall muss man entscheiden, wiegt das positive Vermächtnis einer Person, das aus häufiger Sicht negative auf! Da kann man bei Nettelbeck streiten“

Um die Diskussionen aus dem Netz auch in den Alltag zu übertragen, wollen die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ und „Decolonize Erfurt“ zu einer Informationsveranstaltung einladen, um über die geplante Umbenennung des Nettelbeckufers zu reden.

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Die Diskussionsrunde soll am Samstag (20. Juni) von 14 bis 18 Uhr am Luther-Denkmal an der Lutherschule, Karlstraße 10A, in Erfurt stattfinden. (fno/red)